Rezension: „Eisenhans: Ein Buch über Männer

ÜBER DIE BEFREIUNG UND KULTIVIERUNG DES WILDEN MANNES

Die Initiation des Jünglings zum erwachsenen Mann wird in traditionellen Stammeskulturen immer noch ernst genommen und zelebriert. Der Junge wird aus dem Schoß der Mutter gerissen und mit der harten Realität konfrontiert … mit seiner Verletzlichkeit, mit Schmerz, Angst und Ent-Täuschung … aber auch mit Freiheit, Stolz und Wildheit.

Das war bei den Spartanern so und auch bei uns war das in jüngerer Vergangenheit so – z.B. wenn der Geselle auf die Walz ging oder das Militär rief. Doch zusehends verweichlicht die Gesellschaft, das Harte wird bekämpft und damit zugleich die Chance des Mannes zu reifen.

An diesen verstärkt auftretenden weiblichen Schwingungen ist nichts verkehrt und doch stehen sie in Dissonanz zu den männlichen, die sich heutzutage nur noch sehr primtiv entwickeln, wenn eine Horde Männer am Thresen trifft oder zusammen einen Überlebenstrip starten. Das ist schade, denn auch der Mann muss reifen, soll er wirklich und wahrhaft Mann sein.

Andernfalls haben wir es mit einem verweiblichten, komplexbeladenen Nervenbündel zu tun, das naturgemäß nie ganz zu den harmonischen Schwingungen der Frauen passt und sich ängstlich, heimat- und kraftlos fühlt; nie richtig initiiert wurde, da es zu behütet aufwuchs, aber plötzlich doch schon erwachsen ist – welch gequältes Dasein für all jene, die nie den inneren Krieger entfesselt und nie das Risiko des Todes verspürt haben, die das Feuer nur vom Herd und nicht von innerem Verlangen kennen.

Gerade heute gibt es hier noch viel zu tun! Dieses Buch von Robert Bly ist wohl der Klassiker zum Thema Initiation, auf Basis des Grimmschen Märchens vom Eisenhans. Psychologisch und pädagogisch überaus wertvoll und anspruchsvoll, nur selten driftet der Autor zu sehr ins mythologisch Belanglose ab; sonst wäre es schon fast eine 6/6.

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