Minimalistisches Schlafen

von | 5. Mrz 2019 | Der Wille zur Kraft (Archiv) | 0 Kommentare

Seit Anfang März schlafe ich nur 3 bis 4 Stunden pro Nacht. Wer selbst im wachen Zustand nur vor sich hin dämmert, wird sich für ein derartiges Experiment kaum interessieren. Gleiches gilt für all die Theoretiker, die so etwas für unmöglich, übertrieben und ungesund erachten… ich habe gelernt, sie zu verachten.

Wer sich von rein abstrakten Gedanken davon abhalten lässt, fantastisch Anmutendes anzustreben, der wird auch nie fantastisch leben. Ich habe mir abgewöhnt, mein Leben von all den Mahnungen, vor denen unsere Gesellschaft und unser Denken nur so strotzt, beeinträchtigen zu lassen. Habe ich den Willen zu etwas, dann folge ich ihm und bringe so in Erfahrung, ob es mir momentan möglich ist oder nicht – das nennt man Empirie. Sie ist der Urgrund des pragmatischen erfolgreichen Lebens.

Mein Minimalismus

…drängt mich seit längerem dazu, alles zu streichen, was meine Entwicklung unnötig überfrachtet, einschränkt oder ablenkt. Früher oder später hat sich die Frage gestellt: Wie viel Schlaf brauchst Du wirklich?

Natürlich hat der Schlaf biologischen und psychologischen Nutzen, aber die menschliche Trägheit lässt ihn ineffizient werden. Was ist das Minimum? Auf wie viel Stunden kann man den Schlaf runterbrechen – wenn man ihn effizienter werden lässt? Welche Konsequenzen hat dies für unser Leben?

Früher…

schlief ich ca. 6 Stunden pro Nacht. Ich arbeitete täglich bis 2 oder 3 Uhr und schlief dann bis 9 Uhr morgens durch. Selbst ohne Wecker hatte sich mein Körper an diesen Rhythmus gewöhnt. Treffsicher wurde ich gegen 9 wach.

Standen wichtige Projekte im Raum, so ging es öfter auch bis 4 oder gar 5 Uhr. Nach mehreren solcher ungewohnt kurzen Nächte in Folge fühlte ich mich tagsüber wie gerädert. In mir stiegen Gedanken aus Fight Club auf…

„Schlaflosigkeit vernebelt die Realität. Alles ist weit weg. Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie.“

So kehrte ich schnell wieder zu 6 Stunden zurück. Die Theoretiker waren sich doch ohnehin einig: Der Schlaf sei wichtig für unsere Entwicklung, REM-Phasen, Tiefschlaf, Dämmerschlaf, Träume, Schäume usw. Wird man aus seinem gewohnten Rhythmus gerissen, dann hat das kurzfristig Konsequenzen, die alles andere als positiv sind.

Doch…

was geschieht, wenn man den Rhythmus nicht stört, sondern zerstört? Wenn man ihn Schritt für Schritt minimalisiert, nur noch dann schläft, wenn man müde ist und ansonsten munter schafft?

Die liebe Intuition aka Auto-Regulation käme hier zu tragen. Würde man jeden Schlaf minimalistisch halten (z.B. auf einen Rahmen von 30 Minuten eingrenzen), so würde der Körper lernen, effizienter zu schlafen; d.h. schneller einschlafen und tiefer schlafen. Die unproduktiven Phasen des langsamen Einschlafens und des morgendlichen Dämmerschlafes ließen sich so umgehen.

Alles andere würde sich von selbst regulieren. Wäre man weiterhin müde, so ließe man direkt das nächste Schläfchen folgen usw. Als Maßstab des (Miss-)Erfolges käme die Dauer des Gesamtschlafes in Betracht: Wenn man so insgesamt deutlich mehr schlafen müsste als bisher, dann wäre das alles andere als minimalistisch. Ließe sich jedoch die Gesamtschlafzeit minimalisieren und zudem vielleicht sogar die Qualität von Schlafen und Wachen erhöhen, so wäre es ein voller Erfolg.

Das Experiment

…hat Anfang März begonnen. Ich wollte wissen, was wirklich möglich ist. Insbesondere da es für mich eine arbeitsreiche Zeit war und jede verfügbare Minute für mich Gold wert ist.

Nacht für Nacht habe ich meinen Schlaf verkürzt und bin immer früher aufgestanden. 8 Uhr, 7 Uhr, 6 Uhr, 5 Uhr, 4 Uhr… Müdigkeiten bei Tage werden durch Meditationen oder wenn möglich durch Nickerchen von bis zu 30 Minuten abgefangen.

Überraschend frisch bin ich bereits früh morgens und während des Tages. Das ist eine Frage der Motivation. Die ersten zwei Wochen will ich unbedingt möglichst früh aufstehen, um die Müdigkeit untertags zu provozieren. So wird ein Spiel daraus und keine Qual. Die große Müdigkeit kommt dennoch nicht auf. Mit ein bis drei Meditationen bzw. Nickerchen lässt sich alles kompensieren.

Es ist müßig, bereits gegen vier Uhr aufzustehen. Besonders wenn es noch lange dauert, bis die ersten Sonnenstrahlen über den Wald streicheln und die Vögel wecken. So entscheide ich, stets um 5 Uhr in den Tag zu starten. Meist wird dann vor dem Mittag meditiert und spät nachmittags ein Nickerchen eingelegt. Wo möglich (z.B. in der S-Bahn) wird zusätzlich meditiert. Ansonsten wird trainiert, gelesen und geschaffen. Ins Bett geht es gegen 1 oder 2 Uhr.

So…

hat es sich bei mir etabliert und so werde ich es auch beibehalten. Schwankungen werden reguliert. Ist die Arbeitsbelastung bei Tage so hoch, dass Meditation und Nickerchen zu kurz kommen, wird einfach früher zu Bett gegangen – z.B. bereits gegen 12 Uhr. Fühlt man sich blendend und wird kaum gestresst, so geht es sich auch mal mit insgesamt nur 3 Stunden aus. Die Gesamtschlafzeit pendelt zwischen 3-5 Stunden. Man schläft meist sofort ein, hat keinerlei Probleme durchzuschlafen und fühlt sich selbst nach kurzen Ruhephasen wunderbar.

Wie bereits erwähnt ist es jedoch vor allem eine Frage der Motivation. Wer geistig träge ist, da er momentan keine hohen Ziele verfolgt, und sich eher dazu zwingen muss, wird nicht weit kommen und sicherlich schnell wieder zu seinem ausgedehnten früheren Schlafmuster zurückkehren.

Wer jede Minute seines Lebens zu schätzen weiß und sie produktiv nutzen möchte, sollte dem minimalistischen Schlafen eine Chance geben. Auch wer Probleme hat einzuschlafen, durchzuschlafen oder aufzuwachen, kann davon profitieren. Viele legen sich ins Bett, obwohl sie nicht müde sind und gewöhnen sich daran, noch liegen zu bleiben, obwohl sie nur noch unproduktiv vor sich hindämmern. Da sind Schlafprobleme und Trägheit vorprogrammiert und die Lebensqualität leidet. Das muss nicht sein!

Am leichtesten lässt es sich morgens wach werden, wenn man sich für den neuen Tag etwas Schönes oder Wichtiges vorgenommen hat – ganz egal, ob es sich dabei um 20 schwere Kniebeugen, eine spannende Lektüre, eine berufliche Herausforderung, Tai Chi, einen leckerer Shake, das Schreiben eines Artikels (wie gerade diesen hier) oder das Schwimmen bei Sonnenaufgang im nahe liegenden See handelt. Mir hilft es zudem, noch im Bett meinen Laptop zu schnappen, starke Musik zu spielen und die offenen Mails des Vortages zu bearbeiten. Weiterer Bürokram wird ebenfalls direkt erledigt. So bin ich schon gegen 9 Uhr mit den Kleinigkeiten des Daseins durch, habe eine erste Trainingseinheit hinter mir, bin frisch geduscht und gönne mir einen großen Shake – normalerweise würde ich jetzt erst aufstehen.

Die Entscheidung zum minimalistischen Schlafen…

war eine der besten meines Lebens. Früh morgens, wenn die Welt noch schläft und die Vögel zu singen beginnen, ist man erstaunlich produktiv. Die Gedanken sind noch klar wie ein Gebirgsbach. Ergreifend schön ist es, hautnah miterleben zu dürfen, wie die Welt von der Sonne wachgekitzelt wird – jeden Morgen aufs Neue. Welch Luxus! Und ein Schritt weiter zu höherer Lebensqualität für den schaffenden Menschen.

PS.

Es ist nun 05:52 Uhr, ich habe bereits diesen Artikel fertig und hochgeladen. Gleich geht die Sonne auf und wird Vivaldis Frühling bunt untermalen.

Ein verdammt guter Morgen!

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