Eine Schlange, die sich nicht häutet, stirbt.

von | 5. Mai 2019 | Der Wille zur Kraft (Archiv) | 1 Kommentar

Zurzeit ist alles so verdammt perfekt. Die große Wohnung mitten in der Natur, am See, die vielen Tiere. Ausreichend Arbeit. Promotion mit magna cum laude. Ein kompletter Hausstand, Bücher, Musiksammlung, Home Gym usw. Vor allem viele Freunde, Bekannte und mehr. Wie schmerzlich für mich kleinen Menschen, wenn all dies verloren ginge, wenn ein Unfall oder sonst ein Schicksalsschlag es mir nehmen würde. Fürchten wir das nicht alle? Was wäre, wenn wir alles verlieren würden? Alles, was wir in jahrelanger Mühe gesammelt haben und unser Heim nennen.

Amüsanterweise neige ich dazu, den kleinen Menschen in mir nicht sehr ernst zu nehmen. Denn was ist es, was wir ansammeln und in trauter Atmosphäre um uns scharen? Doch nichts weiter als eine Komfortzone. Wir tapferen Athleten reden immer davon, die Komfortzone zu verlassen, klopfen uns motivierend auf die Schulter, geben im Training alles, steigen ins Auto und zu Hause versinken wir dann in der Sitzkuhle des Sofas vor dem Fernseher mit einer Tiefkühlpizza auf dem Schoß und einem Kompromiss im Arm.

 

Sind wir mal ehrlich

Wir fürchten uns davor, die Komfortzone zu verlassen – das ist genetisch bedingt und biologisch angemessen. Wer aber nicht nach der Pfeife seiner Gene tanzen und die Trägheit überwinden will, sollte sich an Nietzsche halten:

„Tu, was Du fürchtest – und die Furcht stirbt.“

Go hard or go home, heißt es so schön. Wär es nicht noch schöner, wenn man sich die Wahl erleichtern würde und sich den Weg nach Hause einfach verbaut?

 

Gestern habe ich meine Wohnung gekündigt

Nachdem die meisten Bücher bereits verkauft sind, werde ich im September noch den Rest veräußern bzw. entsorgen und meinen Hausstand auflösen, auch das Home Gym wird dran glauben dürfen – abgesehen von den Ringen. Nur das Effiziente wird erhalten. Was benötigt man, um zu leben? Was ist Ballast? „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf“, stellte bereits Sokrates fest. Francois de la Rochefoucauld ergänzte:

„Wer sich zu viel mit kleinen Dingen abgibt, wird gewöhnlich unfähig zu großen.“

Zum Glück verliere ich dadurch nichts Wesentliches, denn eines wusste Rochefoucauld auch noch: „Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen.“

Je mehr wir uns mit äußeren Dingen beschäftigen, desto weniger werden wir die Erfüllung in unserem Leben finden. Also ist der nächste Schritt: materiell entschlacken und die Freiheit schmecken.

„Der Besitz besitzt. Er macht die Menschen kaum unabhängiger.“ Friedrich Nietzsche

Unabhängig von Zeit und Ort zu leben, ist ein guter Anfang. Mit Zahnbürste und Kreditkarte lässt sich die Welt erkunden. Ein kleiner Rechner zum Lesen und Schreiben. Feines Zwirn, ein sportlicher Anzug und eine gute Krankenversicherung. Was will man mehr? Gibt es einen besseren Weg, um im Fluss zu bleiben, als den, sein Schneckenhäuschen zu verlassen und in die Welt zu ziehen? Und das nicht als Bummler, sondern intensiv lebend, also schaffend und strebend.

„Running water never grows stale. So you just have to ‚keep on flowing.’“ Bruce Lee

Pflanzen bleiben kümmerlich, wenn man sie in zu kleinen Töpfen hält. Mit Menschen ist es nicht anders: Viele werden durch die Umstände ihres Lebens klein gehalten. Manche leben gar in Schubladen.

 

Diogenes lebte in einer Tonne

„Die Sklaven dienen ihren Herren und die Nichtsnutze ihren Begierden.“

Was in unserem Besitz haben wir nicht angehäuft, wegen niederer Begierde – um uns besser zu fühlen als der, der es nicht hat. Natürlich zeigen wir über den Besitz unseren Status, unsere Überlegenheit, aber wirklich überlegen scheint mir, wer darauf verzichten kann. Schon Seneca wusste: „Arm ist nicht, wer wenig hat, sondern wer mehr haben will.“

Dinge vernebeln den Blick auf das Wesentliche. Was wesentlich ist? Das wusste der schottische Schriftsteller Samuel Smiles: „Nicht was ich habe, sondern was ich schaffe, ist mein Reich.“

 

Wie geht es weiter?

Viele Freunde aus München werden über diesen Artikel erfahren, dass ich bald weg bin. Die meisten Klienten vor Ort wissen es bereits. Euch – meinen Lesern – teile ich es hier mit. Für Coachings und Seminare in München bzw. am Wörthsee stehe ich dann nicht mehr zur Verfügung.

Wer nicht im Münchener Raum wohnt, sich aber über ein Coaching in seiner Nähe freuen würde, kann mir eine Email schicken: [email protected]

Ich bleibe vorerst im europäischen Raum. Wozu will man ans andere Ende der Welt, wenn man den eigenen Kontinent nur sporadisch kennt? Auch Freunde und Bekannte können mir schreiben – wenn Sie sich über einen Besuch freuen würden. Ich werde eine Liste pflegen und mich melden, falls ich in die Nähe komme.

Im Winter möchte ich nach Österreich und sobald die Ostsee gemütlicher wird, wäre es schön, auf der „Insel der anderen“ – auf Hiddensee – ein einfaches Zimmer zu beziehen, um zu schreiben und zu fischen.

Dann mal sehen, wo mich Zufall und Notwendigkeit an Land spülen. Ich mache da keine Vorhersagen und werde das auch niemals tun. Ich gebe also meinen Wohnsitz auf und ziehe in die Welt hinaus. Ein guter Tausch – denn eines gilt auf jeden Fall:

TRAINIEREN KANN MAN ÜBERALL!

 

Eine kleine Bitte

Wer Kontakt nach Hiddensee hat, anderweitig schöne Reiseziele empfehlen oder idyllische Wohnmöglichkeiten direkt am Wasser vermitteln kann und möchte, möge sich bitte bei mir melden – per Email oder im Forum. Vielen Dank!

 

Eine kleine Geschichte

Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf einer Farm einer sehr armen Familie. Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater seinen Sohn: „Wie war dieser Ausflug?“

„Sehr interessant!“, antwortete der Sohn. „Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?“ „Oh ja, Vater, das habe ich.“ „Was hast du also gelernt?“, fragte der Vater. Und der Sohn antwortete: „Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Lampen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont.“

Der Vater war sprachlos. Und der Sohn fügte noch hinzu: „Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.“

1 Kommentar

  1. Movement_Samurai

    Das Geschichte vom Sohn und dem Vater ist weltklasse 😎🙌🦅🦍

    Antworten

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