BREAKING BAD oder: Wie bindend sind Konventionen?

von | 25. Apr 2019 | Der Wille zur Kraft (Archiv) | 0 Kommentare

TV-Serien sind mächtig. Sie prägen unsere Gesellschaft, vor allem die Jugend. Weit mehr als Schule und Politik. Viele sind auch philosophischer. 12 Staffeln SIMPSONS haben mich mehr über das Leben gelehrt als 12 Semester Philosophie-Studium.

 

Oder nehmen wir BREAKING BAD

Walter White ist ein Mensch, der still hält; der alles andere als frei lebt. Er führt kein Leben – das Leben führt ihn. Gebunden von fremden Konventionen, Erwartungen und Gesetzen. Er bemüht sich, doch das Hamsterrad dreht sich mit. Voran kommt er nicht.

Erst die Erkenntnis seiner Endlichkeit – den nahenden Tod vor Augen – ist der Einfluss, der den Damm zum Bersten bringt und mit ihm alle bindenden Konventionen. Skrupel und Kleinbürgerlichkeit werden weggespült. Ist er nun freier? Auf jeden Fall. Fühlt er sich besser? Auf jeden Fall. Ist er ne coole Socke geworden? Auch das ist klar. Bugsiert er sich ins Verderben? Vielleicht…

Oder liegt das Verderben vielleicht bereits hinter ihm? In seinem ehemaligen Leben, in dem er sich seine Schwingen binden ließ und nie den Schritt wagte, sein Potenzial anzuerkennen und zu entfalten.

Jeder Mensch entscheidet selbst, ob er still halten und einfach nur existieren oder leben und etwas riskieren will. Vergessen sollten wir jedoch nie: Jeder von uns wird sterben und wie frei wir leben, hängt vor allem davon ab, wie sehr wir es schaffen, dies zu akzeptieren. Tatsächlich ist es sogar diese Akzeptanz, die uns die Freiheit schenkt, alles zu machen, was wir wollen – wenn wir nur bereit sind, die Konsequenzen zu tragen und im Ernstfall zu sterben. Warum auch nicht? Was von Bedeutung wäre schon verloren?

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit ist ein Kerngespräch in meinem neuen Buch LEIDER GEIL, FETT & FAUL. Dabei unterhalte ich mich auch mit einigen Autoren aus dem alten Japan. Myamoto Musashi schreibt dazu in seinem BUCH DER FÜNF RINGE:

„Zu sterben ist keine Schande, es ist vielmehr das Eigentliche am Weg des Kriegers. Wer von morgens bis abends aufrechten Herzens ist, sich an den Gedanken, zu sterben, gewöhnt, und immer zum Tode bereit ist, wer seinen Körper als tot betrachtet und so eins wird mit dem Weg des Kriegers, der geht durch das Leben ohne die Furcht, zu versagen, und erfüllt seine Aufgaben, wie es die Pflicht verlangt.“

Die alten Samurai bzw. Ronin (herrenlose Samuari) lebten nach einem strengen Pflichtkodex. Der heutige Mensch vermag seine Existenz als ungebunden und frei zu erkennen, sich über Pflichten zu erheben und dieses Vakuum durch den eigenen Willen zu er-füllen. Dieser Wille ist nicht unbedingt frei, aber er ist stark – solange man ihn erkennt, akzeptiert und kultiviert.

„Walt“ hat es getan. Vielleicht nicht gerade kultiviert. Aber er ist mir lieber, als der gebundene, konventionelle Mensch, der kein bisschen von der Kraft, die ihm schlummert, entfesselt und realisiert. Denn das macht das Leben doch erst lebenswert – wenn es prickelt und unberechenbar wird. Wenn man sich selbst – das kleine, ängstliche, kümmerliche, konventionell gebundene Selbst – überwindet und sagt:

Scheiß drauf – wir machen es einfach!

Da fängt das wahre Leben doch erst an – wo Dich keine Konvention mehr packen kann.

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