Die größte Lüge in der Fitness- und Gesundheitswelt

Die größte Lüge in der Fitness- und Gesundheitswelt | AMOR FATI

von: Dr. Z

von: Dr. Z

Wusstest Du, dass Asbest, Strahlung und Zigaretten gesund sein können? Dass Vitamin C Krebs fördern und Abstinenz krank machen kann?

Na dann mach Dich auf eine gänzlich andere Perspektive zum Thema „Fitness & Gesundheit“ gefasst.
 

WAS IST DIE LÜGE?

Die Meisten von uns unterteilen die Welt in Gesundes und Schädliches: Sport und Gemüse sind gesund. Whiskey und Plutonium sind schlecht. Auch die meisten Wissenschaftler, Ärzte, Autoren, Trainer und Therapeuten tun dies und ES IST FALSCH.
 

DER DENKFEHLER

… ist, an lineare Dosis-Wirkzusammenhänge zu glauben: Ein Gift zum Beispiel sei giftig, also schädlich, und zwar unabhängig von der Dosis. Anfänglich sei die Giftwirkung kaum spürbar, aber mit steigender Dosis komme es zusehends zu Vergiftungserscheinungen, die immer schädlicher werden und irgendwann tödlich enden.
 

UND SO WIRD WISSENSCHAFT BETRIEBEN

… einem Paradigma entsprechend: Oft führen nur wenige Messwerte zu dieser Einschätzung. Auf die, die im Koordinatensystem auf einer Linie liegen, wird das Lineal gelegt und eine Linie gezogen. Punkte, die außerhalb liegen, werden als Sonderfall oder Messfehler ignoriert. Und schon erhält man ein lineares Modell.
 

DIE FAKTEN ZEIGEN ABER …

dass Asbest z.B. überhaupt nicht ab der ersten Faser krebserregend ist (wie oft behauptet wurde), sondern dass langjährige Arbeiter einer Asbestfabrik weniger an Krebs erkrankten als der Durchschnitt. Vergleichbares trat zutage bei Arbeitern, die mit verschiedenen Formen von Strahlung konfrontiert waren. Auch sie erkrankten seltener an Krebs.

Nur zufällige Einzelfälle oder steckt ein natürliches System dahinter? Aber sowas von. Es heißt …
 

HORMESIS

Und es ist nicht neu. Schon Paracelsus sagte, dass nichts an sich gut oder schlecht sei und erst die Dosis das Gift mache – doch in Wahrheit hat sich das kaum je in Wissenschaft, Medizin und Therapie etabliert. Hier herrscht (noch immer) das lineare Paradigma: Nur Sport, Mäßigung und Abstinenz seien gut und wer über die Strenge schlägt oder sich extremen Einflüssen aussetzt, der zerstöre seine Gesundheit. Die entsprechenden Supersaubergesundheits-Hampelmänner kennt jeder zur Genüge.
 

NICHTS GEGEN GERADLINIGKEIT

… aber all das ist Blödsinn. Die Natur funktioniert so nicht. Fitness und Gesundheit sind kein friedlicher Zustand, der in Balance sowie Askese wächst und durch vermeintlich schädliche Einflüsse bedroht und zerstört wird. Im Gegenteil: Fitness und Gesundheit sind Krieg. Es sind dynamische Prozesse, die umso stärker aufbegehren – je mehr sie attackiert, bedroht und gefordert werden. Die Natur ist herrisch, zerstörerisch, kreativ, komplex und nicht-linear. Sie tanzt im Zickzack, in Kurven und folgt zwei simplen Prinzipien:
 

1. SCHÄDLICHES MACHT FIT & GESUND

… solange es gewisse Dosen nicht überschreitet. Das trifft auf so ziemlich alles zu. Alles, was unseren Körper bewegt, zerschleißt, angreift, verstrahlt, vergiftet und stresst, wirft ihn aus dem Gleichgewicht UND aktiviert Schutz- sowie Stabilisierungsmaßnahmen. Damit nicht genug. Aktiviert wird das sogenannte …
 

HORMETISCHE TRIPPEL

1. Reperatur der beschädigten Strukturen
2. Superkompensation und verstärkter Schutz vor zukünftigen Angriffen
3. Ausmisten labiler und schwacher Strukturen
 

SOLL BEDEUTEN

Der Körper wird nicht nur repariert. Er wird auch verstärkt sowie stabilisiert und darüber hinaus aufgeräumt sowie von anfälligen Strukturen gereinigt. Die schwächsten Teile des Systems fliegen raus, wodurch das Gesamtsystem stärker und stabiler wird. Zusätzlich geschieht dies nicht nur lokal, sondern im gesamten Organismus. Deswegen zerstört die lokale Strahlentherapie bei der Behandlung von Krebs auch Tumore an anderen Stellen des Körpers, obwohl sie überhaupt nicht bestrahlt wurden. Aus linearer Sicht macht das keinen Sinn. Aus hormetischer Sicht jedoch aktiviert die angeblich krebserregende Strahlung die Stabilisierung, Reinigung und Gesundung des ganzen Körpers. Aber ja: Strahlung kann durchaus krebserregend sein und das bringt uns zum zweiten hormetischen Prinzip:
 

2. ERST DIE ZU HOHE DOSIS MACHT DAS GIFT

Erst wenn es zu viel wird, wird ein Einfluss auch erst wirklich giftig. Davor bewirkt er das Gegenteil: Fitness, Stabilität und Gesundheit. Der Impuls schubst den Organismus an und der hält dagegen, auf allen Ebenen. Wie eine Horde Halbstarker, die sich ständig gegenseitig schubsen, watschen und Nackenschläge geben, ohne sich wirklich zu prügeln. Das härtet ab. Hormesis. Und dieses Prinzip durchzieht die gesamte belebte Welt.

Deswegen interessieren sich Forscher aktuell z.B. für niedrigdosierte Strahlentherapie. Wer hier die richtige Dosis findet, kann auch Krebs bekämpfen, der bereits gestreut hat – indem er die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert.
 

WEITERES BEISPIEL: VITAMIN C

Hochgelobt als potentes Antioxidans, zur Bekämpfung freier Radikale. Die noch junge Hormesisforschung (die erst seit den 90ern so richtig losgelegt hat), hat jedoch gezeigt, dass freie Radikale auch viele konstruktive Wirkungen in unserem Körper bewirken, zum Beispiel im Immunsystem. Dort helfen freie Radikale dabei, feindliche Bakterien und Viren zu oxidieren.

Wer nun haufenweise Vitamine schluckt, der unterstützt damit zwar wesentliche Prozesse im Körper und schützt ihn vor Schadstoffen, aber er hebelt damit auch viele gesunde Prozesse aus wie z.B. die Fähigkeit, auf eigene Faust mit Infektionen fertig zu werden, und hey: Als ob die Natur nach Jahrmillionen der Evolution nicht selbst Wege gefunden hätte, mit freien Radikalen fertig zu werden oder sie gar konstruktiv zu nutzen. Genauso wie Cholesterin sind sie Teil unseres Körpers und unverzichtbar.

Zudem kann unser Körper selbst ausreichend Antioxidantien (wie Glutathion) herstellen, falls er sie braucht und ausgewogen ernährt wird. Und so überrascht es nicht, dass viele Studien kaum einen Nutzen bei hoher Vitamin C-Gabe finden. Bei der Überdosierung fettlöslicher Vitamine ergeben sich sogar Vergiftungserscheinungen und eine höhere Sterblichkeit.
 

INTRAVENÖSES VITAMIN C IN HOHER DOSIS HINGEGEN

… ist schon wieder interessant. Anders als beim geschluckten Pendant gerät hier viel ins Blut, wo es zu Wasserstoffperoxid wird und sich die Wirkung umkehrt: aus dem „heilsamen“ Antioxidans wird ein „schädliches“ Prooxidans. Und das ist gut … unterstützt beispielsweise die Chemo bei der Krebstherapie. Wie das?

Bei der Chemotherapie wird versucht, die bösartigen Krebszellen komplett zu zerstören, bevor die Chemiekeule auch den restliche Körper zerstört.
 

KONTROLLIERTER WAHNSINN

Dabei ist es vor allem oxidativer Stress durch freie Radikale, der den Tumor zerstören soll. Schluckt man dazu Vitamin C, dann wirkt es kontraproduktiv: antioxidativ. Das meiste davon schnappt sich der attackierte Tumor. Er will sich durch das Vitamin C vor den freien Radikalen schützen, die ihn zerstören (sollen). Deswegen ist der Serum-Vitamin C-Spiegel bei Krebspatienten meist auch so niedrig.

Hohe Dosen intravenös applizierten Vitamin Cs hingegen wirken prooxidativ und unterstützen die Zerstörung des Tumors, da sie die Power der freien Radikale boosten. Im linearen Modell ließe sich das kaum erklären. Im hormetischen Verständnis hingegen macht es Sinn – weil hier jede Substanz gut oder schlecht sein und gänzlich verschieden wirken kann: je nach Dosis und Konsument.
 

WAS LERNEN WIR DARAUS?

Wir brauchen künftig eine deutlich individualisiertere und dosisorientiertere Medizin und Therapie. Die künstliche Intelligenz wird hier bahnbrechend mitwirken. Fakt ist: Was für den einen Gift ist, kann den anderen heilen und stärken – und umgekehrt, je nach Dosis.
 

DAS GILT FÜR SO ZIEMLICH ALLES

… auch für Drogen, Gifte, Gewürze, Chemikalien, Strahlung, Hitze, Kälte, Atmung, Streit, Sturm, Sex, Hunger, Durst, Lärm und so weiter. Stress in jeglicher Form. All die extremen Dinge im Leben und auf unserem Planeten wirken erst je nach Dosis gut oder schlecht.

Soll heißen: Nichts an sich ist gut oder schlecht. Will Dir das jemand weiß machen, dann lügt er Dir ins Gesicht und blockiert Deine Entwicklung. Es bedeutet auch:
 

EXTREME SIND BESSER ALS DURCHSCHNITT & VERZICHT

Wer nach linearem Verständnis brav und gesund lebt, also den bodenständigen Mittelweg wählt, der ist in Wirklichkeit labiler, impotenter, schwächer und anfälliger als jemand, der extrem, polarisierend, abwechslungsreich, sündig und gefährlich lebt. Denn der ist mit allen Wassern gewaschen, für vieles gewappnet und überaus fit, kompetent und stabil.

Sollte er nicht gewaltsam oder zufällig sterben, wird er länger und gesunder leben – nicht trotz, sondern WEGEN Reisen, Risiken, Drogen, Unfällen, Infektionen, Parasiten, Verletzungen, Sturm, Schmutz, Streit und Experimenten; denn Nietzsche hatte Recht:
 

WAS NICHT TÖTET, HÄRTET AB

Deswegen sind unsere Großeltern so alt geworden, weil sie harte und entbehrungsreiche Zeiten durchlebt haben. Hormesisforscher sowie Epigenetiker gehen davon aus, dass heutige Generationen weit anfälliger und trotz medizinischen Fortschritts häufiger krank sind und früher sterben werden. Warum? Weil sie faul und verhätschelt leben.
 

WAS BEDEUTET DAS FÜR DICH?

Zuallererst hör auf, Dir wegen jedes Kleinscheißs in die Hose zu machen. Glaub nicht den linearen Predigten und Modellen. Das Asbestdach Deines Nachbarn, der Funkturm um die Ecke, das Chili oder die Keime im Curry, die Impfung beim Arzt – all das ist wie der Sprung ins eiskalte Wasser, Hyperventilation oder Atemreduktion: Abhärtung.
 

THE ICE MAN?

Was denkst Du denn, warum Wim Hof und seine Follower so immun gegen Kälte, Überlastung und Infektion geworden sind?

Richtig – Hormesis pur. All seine Techniken sind krasser Stress für unseren Körper. Das hormetische Trippel schlägt zu, nicht nur lokal, sondern im gesamten System: Erstens Reperatur der zerstörten und gestressten Strukturen. Zweitens Superkompensation und Vorbereitung auf weitere Extreme. Drittens Aussortieren von schwachen und labilen Strukturen.

Sauna, Koffein, Sparring und Chili können das wunderbar ergänzen. Ja selbst Schwermetalle können stärken; und damit mein ich nicht nur Hanteln.
 

BEISPIEL SYPHILIS

One night in the arms of Venus brings a lifetime on Mercury – so hieß es schon vor 500 Jahren. Mit Mercury war nicht wirklich der Planet Merkur gemeint, sondern das quietschfidele Quecksilber. Das schien damals die einzig wirksame Therapie gegen die hartnäckige Geschlechtskrankheit zu sein. Doch sie raffte die meisten Patienten dahin, bis 1536 der bereits erwähnte Paracelsus erkannte, dass Quecksilber tatsächlich hilft, jedoch nur in geringer Dosis. Darüber hinaus wirkt es giftig. Quecksilber also, weder gut noch schlecht an sich. Es ist beides – je nach Dosis.
 

ES GEHT NOCH WEITER

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Syphilistherapie revolutioniert. Der deutsche Chemiker Paul Ehrlich kam 1909 auf die Idee, ein bewährtes Malariamedikament auch gegen die Syphilis einzusetzen und es funktionierte wunderbar. Was das für ein gesundes Heilmittel war? Arsen – ein extrem tödliches Gift (ab einer gewissen Dosis).

In den 1950er Jahren wurde die Syphilis komplett beherrschbar – durch Antibiotika. Und was ist dieses Penicillin? Ein Schimmelpilz. Klingt auch nicht gerade gesund oder?

Oder irgendwie eben doch. Scheinbar sind es die besonders extremen Substanzen, die uns auch besonders gut tun (können): in der richtigen Dosis.
 

FRAG MAL DEN FLIEGENPILZ

Wurdest Du auch in dem Glauben erzogen, der sei tödlich und absolut giftig? Glaubst Du es eventuell immer noch?

Fakt ist, dass das nur ein weiteres der unzähligen linearen Märchen ist, die man Kindern erzählt, damit sie brav bleiben. Tatsächlich gilt der Pilz in Japan als Spezialität und in allerlei Kulturen und Epochen rund um den Planeten als begehrtes Rauschmittel. Von den Priestern im alten Indien oder Mayareich über die Wikinger bis hin zur russischen Modedroge oder Alice im Wunderland – der Fliegenpilz wurde über Jahrtausende gekaut, gefiltert, geraucht oder getrunken. Er soll für die Wuträusche der Berserker verantwortlich gewesen sein. Die Wikinger glaubten, überall dort wo Fliegenpilze wuchsen, wäre Schaum aus dem Maul von Wotans Pferd auf die Erde getropft. Etwas später in Skandinavien tranken sie den Urin von Rentieren, an die sie vorher Fliegenpilze verfüttert hatten. Die Schotten mixten ihn deutlich vornehmer in ihren Whiskey und in den Adelshäusern Russlands gab es regelrechte Fliegenpilzpartys. Die Pilze erzielten dort hohe Preise.

Du siehst, ganz so schrecklich kann der Totbringer nicht sein. Wie könnte er sonst als Symbol für Glück gelten?
 

DAS RAUCHER-PARADOX

Aktuelle Forschungen zeigen, dass Raucher eine deutlich bessere Rekonvaleszenz und Überlebensrate nach Herzinfarkten haben. Darf das sein? Linear gesehen: nein.

Und doch ist es so, weil der Körper bei so viel „Schädigung“ längst selbst natürliche Bypässe angelegt hat, bevor es ein Chirurg künstlich tun muss.Selbstverständlich befinden sich Ketten- und Gewohnheitsraucher außerhalb der gesundheitsaktivierenden Dosis. Sie rauchen sich ins Grab.

Trotz allem häufen sich die Anzeichen, dass Rauchen und Nikotin auch Vorteile haben können. Die abendliche Pfeife oder der kollektive Joint sind keineswegs Gift pur.

Es gibt viele solcher Erkenntnisse über allerlei vermeintlich schädliche Einflüsse, die sich als gesundheitsfördernd erwiesen haben. Meist werden die jedoch unter den Teppich gekehrt und ignoriert, weil sie nach dem linearen Denkmodell nicht sein dürfen. Scheuklappen olé.
 

MEIN APPELL AN FORSCHER, ÄRZTE & THERAPEUTEN

Es ist Zeit für das realistischere Paradigma – für Hormesis. Es ist für Fitness, Therapie und Medizin, was die Quantenmechanik für die klassische Physik Newtons ist: ein wegweisender Paradigmenwechsel in ein moderneres, akkurateres Verständnis der ablaufenden Prozesse im Großen und Kleinen.

Hier muss aufgearbeitet werden. Das Schwarz-Weißdenken muss überwunden und das Potenzial sowie die heilsame Dosis vermeintlich schädlicher Einflüsse muss erforscht werden – maßgeschneidert für den jeweiligen Patienten.
 

DREHEN WIR DEN SPIESS MAL UM

Vieles von dem, was wir für gesund oder alltäglich halten, ist in Wahrheit pures Gift. Sauerstoff zum Beispiel ist überaus destruktiv. Zerfrisst fast alles, selbst Autos, Flugzeuge und Schiffe; nennt sich Oxidation. Kalzium, Zink und Natrium sind kaum friedlicher, geradezu toxisch. Doch unser Körper hat gelernt, sie zu nutzen und daran zu wachsen. Anderes Beispiel:
 

FRASSGIFTE

Koffein, Nikotin, Kakao, Resveratrol und so weiter. Alles Gifte, von der Pflanze produziert, um Fraßfeinde unschädlich zu machen. Für den Menschen ein aufputschender, aktivierender Genuss und das nicht nur in der Zivilisation. All das ist Teil der menschlichen Natur, schon seit Tausenden von Jahren etabliert in Stämmen und Ritualen.

Was ist mit Opium, Haschisch, Alkohol und Co(cain)? Siggi Feud schrieb einen Traktat über Koka „die göttliche Pflanze“. All diese Drogen waren geliebt, geachtet und etabliert. Doch es kam auch zu Missbrauch, Sucht und Kriminalität.
 

DOSISPROBLEME

Schwache Menschen flüchteten in die mächtigen Substanzen, wie sie es heute in virtuelle Realitäten (zu insta, Tik Tok und Netflix) tun oder noch immer in Alkohol und Tabak – weil sie es nicht schaffen, ein schönes Leben in der Realität zu installieren. Und aus gesunden, stärkenden Mitteln wurden zerstörerische Gifte – durch zu hohe, häufige und unreflektierte Dosen.
 

DANN FOLGTEN VERDAMMUNG & VERDUMMUNG

Lebensfeindliche, ängstliche und konservative Kräfte verurteilten alles Riskante, Wirksame und Extreme. Sie stülpten auch dieser Welt ihr eindimensionales lineares Denken über und stempelten drauf: Das ist schlecht. Teufelszeug. Sei lieber brav. Geh ins Büro, in die Kirche, zieh Dich warm an und zahl Deine Steuern. Oder auf cool: Geh brav ins Gym, schluck BCAAs, kümmer Dich um Deinen Insta-Account und meide Lactose.
 

JA, „GESUND LEBEN“

… das klingt so einfach, simpel und linear: Sport, Gemüse und Abstinenz. Doch in Wirklichkeit bist Du aufgewachsen in einer Gesellschaft und Generation simplifizierter Verdammung und Verdummung. Dazu zwei simple Wahrheiten:

1. SPORT, GEMÜSE UND ABSTINENZ wirken auch nur deswegen so gesund, weil sie für Deinen Körper Gift sind – Attacken, Zerstörung, Entbehrung und Stress. An sich sind sie gar nicht gesund. Erst die Hormesisreaktion Deines Körpers macht sie gesund. Und wenn Du nicht immer mal wieder ins kontrastäre Gegenteil hineintanzst, macht es Dich anfällig und labil – weil einseitig und linear (was in einer komplexen, nicht-linearen Welt kaum funktioniert). Das ist, wie einen Kampfkünstler nach jahrelangem Training im Dojo in einen schmutzigen Straßenkampf zu lassen. Der liegt ganz schnell am Boden und faselt was von „gegen die Regeln“. Aber da draußen gibt es keine Regeln. Nur Angriff, Verteidigung und gegenseitiges Wettrüsten. Friede ist eine unnatürliche Illusion. Dein Körper weiß das. Oder wie der Lateiner sagt: Si vis pacem? Para bellum – Du willst Frieden? Dann bereite den Krieg (vor).

2. ALLES, WAS ANGEBLICH SCHLECHT IST, IST ES GAR NICHT – solange Du die Dosis im Griff hast. Schau Dir Schlangenbeschwörer an. Schon oft gebissen, vergiftet und nicht selten von überbordener Robustheit und Stabilität. Kennst Du Lord Shiva, aus der indischen Mythologie? Den Gott der kreativen Zerstörung?

Meist wird der mächtig aggressive und zugleich fokussierte sowie selbstbeherrschte Gott komplett blau dargestellt. Warum? Weil er voll von Giften und Drogen ist. Innerlich kocht er und grinst dabei. All die menschlichen und natürlichen Drogen machen ihm nichts aus. Er lebt hoch oben in den stürmischen Bergen des Himalaya. Täglich lässt er sich von einer Kobra in die Zunge beißen und ich kann Dir sagen: Der Typ ist ständig blau.
 

BEI DR. Z SAH ES OFT KAUM ANDERS AUS

Einen bestimmten Teil des Buches „Leider geil, fett & faul“ habe ich bewusst unter Drogeneinfluss geschrieben. Von klein auf durchdrang mich ein starker Trieb nach Selbstzerstörung, hin zum Extremen. Die maskulinen Vorbilder, die hin und wieder durch mein Leben tanzten, waren kaum die, die Kalorien zählten, Vitamine schluckten und Körperfett maßen. Im Gegenteil: Es waren die, die über all das lachten, mit Power, Härte und Leidenschaft lebten und trotzdem stark und stabil, kernig und kantig waren. Meist waren das jedoch nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.

Und die Smarten, mit denen ich diskutierte, mich über Bücher austauschte und philosophierte … Die waren oft nur aus Kompensation smart, weil ihr Körper Klaus hieß und leistungsfähig oder stabil waren sie erst recht nicht.
 

BEIDES MITEINANDER VEREINEN

Das war mein erstes Ziel als Jungspund. Ich wollte krass fit sein: mit Körper und Geist. Das Geistige vereinen, den Körper begeistern. Vor allem wollte ich das, weil ich es im Leben nirgends sah, es aber doch wundervoll ganzheitlich ist – smart, stark und stabil.
 

ZWEI HERZEN IN MEINER BRUST?

Und doch hatte ich immer diesen Drang zu Zerstörung, Drogen und Suff. Schlugen dort zwei gänzlich verschiedene Herzen in meiner Brust?

Tagsüber fit und gesund. Nachts alles wieder zerstören. So schien es über viele Jahre – auf Grundlage des linearen Denkmodells und in der irrtümlich Annahme, dass manches klar gesund und manches klar schädlich sei.

So verstand ich mich über Jahre selbst kaum und folgte doch meiner Intuition und meinen Instinkten. Obwohl ich Fitnessbücher schrieb, tauchte ich jedoch nie in die zugehörige Welt von Industrie, Scheinheiligkeit, Supps und Messen ein. Und die Anhänger dieses Kults kamen kaum mit mir zurecht. Trugen sie doch ihre Tupperdöschen mit sich herum und hielten grinsend irgendwelche Supps in die Kamera.

Ich hingegen gönnte mir nach dem Training ein Bierchen oder ging feiern und folgte ungern irgendwelchen starren Plänen oder sonstigen Entwicklungskrücken. Weshalb sollte man etwas so Simples wie Kraft- und Muskelaufbau so kompliziert machen?
 

ICH TRIEB DAS AUCH AUF DIE SPITZE

… und konsumierte in einem Experiment für ein halbes Jahr so viele Drogen wie möglich, täglich, über Monate hinweg und mit bis zu 30 durchfeierten Nächten pro Monat und einer Flasche Whiskey zum Frühstück. Erst im Extrem hat mich das an meine Grenzen gebracht, aber mich weder runtergezogen noch zerstört. Im Gegenteil.

Anschließend war ich für über zwei Jahre komplett nüchtern. Keine Drogen, keine Zigaretten, keinen Tropfen Alkohol, kaum Partys. Ein anderes Experiment. Und wie hat sich das ausgewirkt? Eigentlich müsste so ein krass abstinentes Leben sich überaus potent auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit auswirken.
 

HAT ES ABER NICHT

Klar, meine Blutwerte waren lupenrein, aber gespürt hab ich das nicht. Das Leben ging ganz normal weiter, nur eindimensionaler. Und als ich im beginnenden Lockdown in Goa erstmalig meine Nachbarn besuchte und mir fünf quirlige Mädels aus Moskau oder St. Petersburg in Bikini oder Pyjama entgegen sprangen und mir einen Gin Tonic in die Hand drückten, kam es mir nicht eine Sekunde in den Sinn „Niet“ zu sagen.

Also begannen ein paar schöne Monate in Goa, die immer noch anhalten und in denen ich mich ausgiebig mit Hormesis, Borschtsch und Halluzinogenen beschäftigt habe. Die ein oder andere Flasche Wein steht auch wieder auf dem Tisch.

Nun schlagen keine zwei Herzen mehr in meiner Brust, denn ob Training und Diät oder Drogen und Selbstzerstörung, es führt beides zum selben Ziel: Fitness, Nietzsche, Stabilität – Hormesis; nur von verschiedenen Seiten aus (und solang man die Dosis im Griff hat).
 

GLATTES EIS

Viele Menschen schaffen das nicht. Für sie ist es einfacher in gesund und schlecht, gut und böse zu unterteilen. Und das ist auch eine Form von Ordnung, aber fern von der Realität und ziemlich beschränkt. Denn mit der verbreiteten Verdammung und Verdummung wuchern nicht nur Angst und Schwäche. Es geht auch massives Wachstumspotenzial verloren. Sagte doch bereits Rousseau: „Es gibt keinen Bösewicht, den man nicht zu irgendetwas tauglich machen könnte.“

Gut und schlecht liegt nicht in den Dingen selbst, sondern in unserer Reaktion darauf. Das alles ist miteinander verbunden, erschafft sich gegenseitig, ist holistisch. Falls Du also mit der Welt haderst oder zu viele Feinde hast, mach Dir bewusst, dass Du es bist, der diese Probleme erschafft.
 

DOCH DAS ENT-WICKELT SICH

Künftig wird es immer mehr geben, die unsere wundervolle Welt realistischer und komplexer verstehen, die das Schwarzweiß-Denken überwinden und im Schlechten auch das Gute sehen. Sie werden massiv davon profitieren, nicht nur körperlich, sondern auch mental und finanziell sowie in puncto Fun, Flow und Leidenschaft. Oder wie Nietzsche formulierte:
 

GLATTES EIS – EIN PARADIES FÜR DEN, DER GUT ZU TANZEN WEISS

Willst Du Dich tiefer in das Thema einarbeiten, empfehle ich Dir folgendes Buch von Richard Friebe: „Hormesis. Das Prinzip der Widerstandskraft. Wie Stress und Gift uns stärker machen.“ Ansonsten …

Lass krachen!
Z
 
 

POST SCRIPTUM

Während ich diesen Artikel runtergeswipet habe, hat mir erst eine Spinne in den Allerwertesten gebissen und am nächsten Morgen hat eine giftige Raupe meinem Oberschenkel einen handtellergroßen Ausschlag verpasst, der meine Lymphknoten schmerzhaft anschwellen ließ. Jetzt gerade beende und überarbeite ich den Artikel, während Bramy mir ein Tattoo sticht. Chemische Farbe in einem schmutzigen Studio in Indien, tief in die Haut geritzt. Dazu eine Ganeshastatue, Stromausfälle, Punjabimusik, herumwuselnde Straßenkinder, Chai Tee und Räucherkerzen – vier Stunden lang, komprimiert auf 5m². Linear gedacht ein paar fiese Momente.
 

AUS HORMESISSICHT

… weitere produktive Tage im Dschungel, im wohl dreckigsten Land ever, in dem ich dank Corona schon seit acht Monaten festsitze. Und weißt Du, was das Beste an Hormesis ist?

Es verschafft Dir eine deutlich stabilere, selbstbewusstere Perspektive zum Umgang mit vermeintlich schädlichen und riskanten Einflüssen. So werden Strahlung, Schmutz und Gift zu Vitaminen. Und Du nimmst alles gelassen hin, mag es auch noch so schlecht stehen – und damit ist es schon überwunden. Vergiss nie:
 

MINDSET IST ALLES

„Den Weisen bekümmert nicht Geburt noch Tod. Unser vergängliches Empfinden von Hitze und Kälte, Glückseligkeit und Leid entsteht durch die Berührung unserer Sinne mit den Gegenständen unserer Umgebung. Nur wem es gelungen ist, sich von diesen vergänglichen Sinneseindrücken freizumachen, ist wirklich frei, und nur er erlangt Erlösung.“

Aus der Bhagavadgîtâ

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Geschrieben von: Dr. Z

„Amor Fati bedeutet: Liebe das Schicksal … und das Schicksal wird Dich lieben. Tanze durchs Leben und das Leben wird mit Dir tanzen. Vertraue der Natur und die Natur wird Dir vertrauen. Investiere in Deine Entwicklung und die Entwicklung wird in Dich investieren. So ist das Leben: Es gibt, was Du gibst. Gib also Wachstum, Liebe und Glück – und Du wirst ernten, was Du säst.“

7 Kommentare

  1. Avatar

    Guter Artikel und dieser Seite mehr Aufmerksamkeit zu geben ist richtig und wichtig.

    Microdosing ist da ein gutes Stichwort. Trotzdem ist dieser Artikel am Ende reine Theorie, da es in der Praxis nicht möglich ist, die biologischen Grenzen festzustellen.

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  2. Avatar

    Ich wusste doch, dass ein Bier nach dem Training mitunter der bessere Postworkoutshake ist. Will mir bloß nie jemand glauben 🤫

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  3. Avatar

    Ich begrüße sehr, dass mit dir wieder komplette Party möglich ist😉 ein Hoch auf den „dreckig belebenden“ Dschungel…

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  4. Avatar

    In english please. Please translate)

    Antworten
  5. Avatar

    Vielen Dank, toller Beitrag!

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  6. Avatar

    Ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen, dass bei vielen „Giften“ die zu hohe Dosis schnell erreicht ist.

    Antworten
  7. Avatar

    Krass. Einfach nur krass. Muss das erstmal verdauen

    Antworten

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