Steroide absetzen und das „Leben“ danach

von | 24. Jan 2020 | Update Amor Fati

Kalter Entzug – vor über eineinhalb Jahren habe ich radikal alle Steroide und Medikamente abgesetzt. Diese sollten mich stärker, muskulöser, energiereicher, leistungsstärker und leaner machen. In diesem Artikel beschreibe ich, wie es mir danach ergangen ist und welche Learnings ich daraus gezogen habe. Aber fangen wir von vorne an.

Ich habe es geliebt und liebe es noch immer. Heute nur auf einem anderen Level. Nur ich, und der Tanz mit dem Eisen, im ganz eigenen Rhythmus. Wie in Trance und in einer eigenen Welt. Abgeschottet, alle Sorgen und Ängste vergessen, alles schien einen Moment still zu stehen und nichts ist mehr wirklich wichtig. Totaler Fokus – voller Hass und Liebe vor dem nächsten Satz. Pulsierende Muskeln, blutvolle Venen und der Pump geben mir das Gefühl, dass ich tatsächlich noch lebe – geben mir meine vermeintliche Freiheit. Alles unter Einsatz von anabolen Steroiden, Schilddrüsenhormonen und diversen anderen Medikamenten.

Ich war Bodybuilding und mein Leben war Bodybuilding. Bodybuilding war mein Krieg, und den brauchen wir alle. Er war meine Identität, Kanalisierung, Kompensation und der gefühlte Inbegriff von “Whatever the fuck it takes”. So würde ich es aus heutiger Sicht beschreiben. Aber bringen wir mal ein bisschen Kontext und Reihenfolge in die Sache.

 

20.06.2018 Turmzimmer von Dr. Z. auf Schloss Zubzow, Rügen

Zwischen Turnringen, jeder Menge Bücher und einer wundervoll glänzenden Langhantelstange mit Eleiko-Platten, diskutieren Dr. Z und ich über die Sinnhaftigkeit des Anabolika-Konsums. Die Fragen, ob ich weiterhin aktiv Wettkämpfe bestreiten, oder meine Fitness-Coachings ausbauen will, verneine ich entschlossen. Ich erzähle Ihm, dass ich eine doppelte Skoliose habe. Diese Verkrümmung in der Lenden- und Brustwirbelsäule erschwert es mir, im Training die gewünschte Muskulatur maximal anzusteuern und zu belasten. Auch im Posing ist die Skoliose von Nachteil und mein Skelett oft blockiert. Zudem erläutere ich Dr. Z., das meine Androgenrezeptordichte, genetisch bedingt, zu wünschen übrig lässt und mein Körper daher keine übergroßen Mengen Testosteron und Co. verarbeiten kann.
In diesem Moment, habe ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, dass Bodybuilding, schweres Krafttraining, Steroide und mein Lebensstil mich eher behindern und ich alles andere als im Flow mit ihnen bin. Psychosomatisches Feedback setzt ein. Mein Bauchraum zieht sich zusammen und mein Kopf sagt mir, dass ich eigentlich nicht hierher gekommen bin, um die aktuellen 300mg Testosteron Enanthat und 300mg Drostanolon Propionat pro Woche zur Diskussion zu stellen, oder gar hinter mir zu lassen.

 

Weit über 100 Injektionen – Business as usual

Für Dr. Z. macht mein Steroidkonsum zu diesem Zeitpunkt schon lange keinen Sinn mehr. Er fühlt bereits wie es mich blockiert und wie er zu einem späteren Zeitpunkt sagen wird: ver-wickelt. Ich beginne zu fühlen wie es ist, wenn irgendwas aus der Intuition mit mir Klartext spricht. Je mehr ich versuche wegzuhören, desto klarer wird die innere Stimme. Als Hausaufgabe denke ich über unser gemeinsames Gespräch nach und reflektiere alles nochmal für mich.
Keine vier Stunden später, alleine in meiner Ferienwohnung, steht eigentlich die gängige Injektion an. Derzeit alle zwei Tage, abwechselnd in den linken und rechten Quadrizeps. Ich drehe die Brechampulle deutscher Apothekenware 250mg Testosteron Enantat mindestens eine Stunde zwischen meinen Fingern. Alkoholpads, Kanülen und Spritzen liegen daneben. Business as usual… Eigentlich ist es reine Routine, denn ich habe schon hunderte von Injektionen hinter mir. Dennoch habe ich das Gefühl mit der nächsten Injektion eine Entscheidung treffen zu müssen. Und diese steht eigentlich genau jetzt an.

 

Einen Tag später: Verhandeln wir nochmal neu?

Ich bin mit Dr. Z. um 11 Uhr in seinem “Schlösschen” verabredet. Ich setze mich und er fragt mich, wie es mir nach unserem Gespräch gestern noch ergangen sei. Ich konfrontiere Ihn direkt und stelle ihn vor vollendete Tatsachen. “Ich habe gestern nicht injiziert und werde es auch nicht mehr tun”. Er schaut mich mit großen Augen an und strahlt dabei. Er kann es nicht so richtig glauben und ich definitiv auch nicht. Wir geben uns High-Five.

20 Minuten später sitzen wir wieder im Turmzimmer, die Fenster weit geöffnet, in der Sonne. Jetzt geht es darum wie ich absetze und alles loslassen kann. Wir rufen einen Arzt und einen weiteren gemeinsamen Freund dazu an, um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Alle empfehlen die Einnahme von Medikamenten zum Absetzen, um die eigene Achse und Hormonproduktion so schnell wie möglich wieder ans natürliche Laufen zu bekommen. Beide weisen darauf hin, dass es schon einige Zeit dauern kann bis alles wieder „normal“ läuft. Ich kenne sämtliche Post-Cycle-Medikamente, deren Wirkung, sowie Vorgehensweisen und könnte diese auch zur Einnahme organisieren. Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich bereits JETZT absetzen muss. Bis ich die Medikamente zum Absetzen habe würde es noch mindestens zwei Wochen dauern. Dies gibt mir das Gefühl von Abhängigkeit – was ich ja auch bin. Dabei vermeide ich sonst die Abhängigkeit und Passivität und will immer selbst aktiv handeln. Mein Kopf sagt mir: “Na geil, Medikamente zum Absetzen besorgen besorgen! Also bleibt doch erstmal alles beim Alten und den Rest verhandeln wir dann in zwei Wochen nochmal neu!”. Mein Bauchgefühl sagt: “Du hast entschieden abzusetzen und solltest JETZT sofort ins Handeln kommen und nicht erst in zwei Wochen”. Wie eine Revolte im eigenen Körper. Witzig irgendwie…

 

Das Ende vom Lied: Mein innerlicher Krieg

Ich setze so ab, wie kein Doktor der Welt es empfehlen würde (außer vielleicht Dr. Z. selbst, aber der ist ja auch der unseriöseste unter allen :-P) und wie ich es auch noch niemandem geraten habe. Knallhart weg, alles und sofort. Keine Injektionen mehr, keine Post-Cycle-Therapie, kein gar nichts. Neue Ängste und Gedanken erreichen mich. Wie ein MG-Feuer der Kommunikation zwischen Bauch und Kopf. Beide fahren Ihre Geschütze aus und bedrohen sich gegenseitig. Offensichtlich scheinen sie zu vergessen, dass sie beide Teil des gleichen Körpers sind. Kontra K’s Vers: “Ich hab zwei Seelen in meiner Brust und sie führen Krieg…”, passt nun wie Arsch auf Eimer. Im Wesentlichen kommen folgende, mich zu diesem Zeitpunkt sehr überfordernde, Fragen hoch:

Wenn du jetzt alles absetzt, bist du dann noch Bodybuilder und worum soll sich zukünftig dein Leben drehen? Wofür willst du morgens aufstehen? War dann nicht alle Schufterei, jede Wiederholung, die ganze investierte Zeit und alle Disziplin umsonst? Willst du wirklich so frei drehen?

Wann wird wohl das Tief eintreffen, in das ich physisch und psychisch fallen werde? Und wie lange wird es wohl andauern? Wie energielos werde ich aufgrund des Hormonentzugs sein, und ab wann ist die depressive Stimmung zu erwarten?

Welche anderen Bereiche meines Lebens wird diese Lethargie und Energielosigkeit noch befallen? Wäre es nicht sinnvoller den Stoff drin zu behalten, aber dafür nicht auch noch Beziehung, Job, soziales Umfeld und die eigene Lebensenergie zu riskieren?

 

Jeder hat sein Paket zu tragen

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich in der Vergangenheit bereits zwei Depressionen und einen Burn-Out durchlebt habe. Insgesamt drei Psychotherapien mit 155 Einzelsitzungen habe ich absolviert. Zudem haben mich ,durch viele Stunden in meinem eigenen Kopf, wieder auf ein lebensfreudiges Maß gehievt und nun steht gefühlt genau das wieder in Frage. Nichts gilt es in den nächsten Monaten mehr zu vermeiden als ein unkontrolliertes Abfallen in die erneute Depression, Lustlosigkeit und Lethargie. Eine Welt die sich nur im Bett abspielt und in der die Frage nach dem Sinn und nach dem “Warum stehe ich morgen eigentlich auf” die einzig relevante ist die man sich stellen sollte. Wenn aber nun diese Frage nach dem Sinn, nicht mehr mit Bodybuilding, Hanteltraining, Ernährung, und Leistungssport zu beantworten ist, was bleibt dann? Was bleibt dann von mir übrig? Wer bin ich dann?

 

Hart, ehrlich und etwas erbärmlich…

für mich selbst und die ganze menschliche Natur. Wie aus dem Nichts klatscht mir die Antwort direkt ins Gesicht: NICHTS…NIEMAND…

Es fühlt sich wie der Tod der eigenen Identität an. Bloß das ich Täter und Opfer in einem bin. Es ist genau dieses Loslassen von einem sehr großen Teil meines Lebens, welcher bisher für mich wichtig und erstrebsam war. Natürlich gepaart mit der Angst vor dem vor mir liegenden Unbekannten.

Zu erwarten ist der totale hormonelle Crash und der hat, wie ich es bereits erfahren habe, große Rückkopplung auf meine Laune, Stimmung, Schlaf, Beziehung, Libido, Drive, Energiehaushalt, Konzentrationsfähigkeit, Körperfett, Muskelanteil… Im Grunde auf nahezu alles. Meine Ausgangslage ist wieder mal nicht die Beste und meine Entscheidung, knallhart abzusetzen, vielleicht auch nicht. Womöglich ist sie sogar eher leichtsinnig. Aber mir fällt auf, dass ich für diese Umstände sehr fokussiert und ruhig bin. Als ob mir mein Unbewusstes sagen wollte, dass alles entspannt und gut wird. Wieder so ein Krieg im eigenen Körper. Je mehr ich ihn wahrnehme, desto besser kann ich ihn wie ein Außenstehender beobachten. Abermals witzig irgendwie.

Mit Sicherheit hat Nietzsche genau für solche Situationen seinem Zarathustra folgende Worte in den Mund gelegt: “Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!”

 

Insgesamt blicke ich nun auf über 12 Jahre Fitness- und Hanteltraining zurück

Was am Anfang als einfaches Hobby zwischen pubertierenden Jungs begann, sollte sich über die nächsten Jahre mehr und mehr intensivieren. Nach vier Jahren, mehr oder wenige regelmäßigen Trainings, tut sich genau das Gleiche. Mehr oder weniger nichts. Ich arbeite mich mehr ein, lese Bücher und probiere die ein oder andere Diät aus. Keine bemerkbaren Erfolge stellen sich ein. Trotzdem ist insgesamt alles locker und macht Spaß. Dann…

 

Memento mori – Gedenke des Todes

Der unerwartete und plötzliche Tod meiner Mutter und meines Großvaters, sowie das Wegbrechen der gesamten familiären Struktur, handelt mir eine ca. neunmonatige Pause von jeglichem Sport ein. In dieser Zeit gibt es keine Stabilität und nur sehr wenig Vertrauen in meinem Leben. Dafür eine Menge Fragen und innere Leere. Rückblickend betrachtet sehe ich dennoch so viel Freiheit und Gutes in dieser Zeit, aber das kann man immer erst in der Rückschau erkennen. In dieser Zeit lerne ich, dass Familie nicht über den gleichen Nachnamen definiert wird und das eine der größten menschlichen Ängste, die Angst vor dem NICHTS, der inneren Leere und Identitätslosigkeit, zu sein scheint. Gleichzeitig liegt genau hierin eine unfassbar große Freiheit. Eine radikale Freiheit, die letztlich alles was man bisher als real, existent und unumstößlich gehalten hat, in zwei fuckin‘ Sekunden auflösen kann, wie das Höllenfeuer eine Schneeflocke. Und die bringt mir erstmal dauerhaft Schmerzen – physisch, wie psychisch.

 

Du fürchtest den Tod? Aber wie unterscheidet sich dein Leben noch davon?

Nichts scheint in diesem Lebensabschnitt kontrollierbar und Sicherheit eine gewaltige, wenn nicht die gewaltigste, Illusion auf diesem Planeten. Wenn alles in ein paar Sekunden, ohne mit der Wimper zu zucken, vernichtet werden kann, was ist dann noch wirklich erstrebenswert und wer bin ich dann eigentlich wirklich? Alles steht in Frage, nichts ist mehr von echtem Wert und wirklich wichtig. Die Frage nach dem Sinn steckt in jeder Alltagshandlung. Egal ob es der Besuch beim Friseur, das morgendliche Aufstehen, oder der Gang ins Gym ist. Klingt widersprüchlich, aber Leere, Sinnlosigkeit, das Loslassen und das innere NICHTS überfordern mich und fahren Achterbahn mit mir. In dieser Zeit denke ich zweimal darüber nach mich mit dem Suizid zu befreien. Denn ich bin mir zu dem Zeitpunkt sicher, dass der Tod sinnvoller und gehaltvoller ist, als das was ich zu dieser Zeit als mein “Leben” betrachte. Dennoch lasse ich es.

 

Meine Hanteln: Verlässlich, denn 100kg bleiben 100kg

Nach dieser Zeit wird Kraftsport, Bodybuilding und der damit einhergehende Lifestyle zu einem immer engeren Freund. Er kanalisiert meinen blanken Hass und Wut auf Menschen, das Leben, das Schicksal und alles was mir so einfällt. Einfach eine Art Ventil, das ich wann immer ich will, auf und zudrehen kann. Ich steuere es, ich kontrolliere es. Zumindest fühlt es sich in einer sonst so kontrolllosen Welt so an. In den nächsten Jahren steige ich immer tiefer ein. Ich stelle mehr und mehr meines Lebens auf Bodybuilding um. Ich gehe nicht zur Uni wenn ich nicht trainieren war, gebe meinen Nebenjob auf, um ein Supplementstore zu leiten und verbringe meine Wochenenden an privaten Akademien, um die höchsten Abschlüsse alles Fitness- und Trainerlizenzen zu machen die es in Deutschland gibt. Parallel suche ich mir einen eigenen Coach. Dieser soll mir helfen mein „Potenzial“ zu maximieren und einen Einblick in die Coachingpraxis zu bekommen. Die Devise: Wenn so wenig Sport schon so viel Verbesserung in meiner Lebensqualität, Stimmung und Drive bringt, wie viel wird dann erst viel Sport bringen? Wie sich zu einem späteren Zeitpunkt in meinem Leben herausstellen wird, ist dies der Klassiker im Bodybuilding: Viel hilft viel und oft ist auch gut! 😉

 

Liebe gibt‘s nur gegen Leistung!

Ich bin zu dieser Zeit in meinem Leben sehr leistungsorientiert und ebenso erzogen. Um nicht zu sagen, kenne ich das gleiche Dogma wie geschätzt drei Viertel aller deutschen Kinder: “Liebe gibt‘s nur gegen Leistung!”. Und genau das spielt mir zu dem Zeitpunkt super in die Karten. Ich wachse und entwickle mich. Baue ein Geschäft und Coaching auf und niemand mehr in meinem Umfeld dementiert, dass ich eine weit überdurchschnittliche Leistung bringe und erfolgreich bin. Das gibt mir die Erlaubnis selbst meine Leistung anzuerkennen und mir selbst Wert und Liebe zu geben. (By the way: das ist nun der geeignete Moment, um sich selbst zu erzählen das einem selbst sowas ja niemals passieren würde, weil man solch einen inneren Prozess definitiv automatisch bemerken würde 😀 Jap, aber so läuft das leider nicht).

 

Testo, Deca, Drosta, Tren, Bolde und Diana heißen nun meine täglichen Begleiter

Nun ist die nächste logische Leistungsstufe der Bodybuilding-Wettkampf. Ein neues Ziel ist ausgemacht und soll angegriffen werden. Einen Coach habe ich ja schon. Ich sage mir, jetzt wird nochmal richtig Gas gegeben und endlich von der Bremse gestiegen. Höhenflüge machen sich breit, denn es geht in unfassbar riesigen Schritten voran. Ich gehe in den Aufbau. Steroide kommen jetzt dazu. Testo, Deca, Drosta, Tren, Bolde und Diana heißen nun meine täglichen Begleiter. In verschiedenen Kombinationen und in veränderlichen Mengen. Sie lassen mich nicht nur stärker werden, sondern auch von knapp 80kg Sixpack auf 103kg innerhalb von wenigen Monaten anschwellen.

 

In Spitzenzeiten konsumiere ich 12,5ml Steroide pro Woche!

Das entspricht ca. 4 vollen Spritzen – Injektionen täglich! Dazu noch 2g Arimidex (gegen die Nebenwirkungen der Nebenwirkungen vom hohen exogen zugeführten Testosteron), 40mcg Thybon und 150mcg Thyroxin (Alle Schilddrüsenhormone). Metformin (zu verbesserten Insulinsensitivität), MT2 (für die Bräune der Haut), in Deutschland verbotene Fatburner (Yohimbin, Clenbuterol, etc.) und Booster kommen nach Bedarf dazu. Ich trainiere 10-15h pro Woche an 5-6 Tagen. Aufgrund meiner Skoliose kann ich keine schweren Kniebeugen mit der Langhantel machen, aber an der Hackenschmidt-Maschine geht es ohne Schmerzen. Hier bewege ich locker 200 – 230kg für 3-4 Sätze á 10 Wiederholungen gaaaaanz am Ende meines 1,5-stündigen Beintrainings. Zwischenzeitlich lasse ich mir meine Gynäkomastie herausoperieren. Übermäßiges Brustdrüsengewege welches sich als Nebenwirkung der exogenen Zufuhr von Testosteron an meinen Brustwarzen gebildet hat. “Who cares – ein kleines Übel”, sage ich mir zu dieser Zeit.

 

Die eigene Laborratte

Die letzten zwei Jahre meiner drei Jahre Dauer-Stoff-Zeit, bin ich in professioneller ärztlicher Behandlung. Regelmäßige Blutbilder, EKGs, und alles was nötig ist bezahle ich privat. Meine Leber und mein Herz sind top. Nichts was erkennbar schädigt, oder die Leistung einschränkt. Sämtliche Hormonwerte sind “perfekt” und keine Marker sind bedenklich. Mit meinem Arzt bin ich ehrlich und er weiß über alles Bescheid. Nein, er besorgt oder verschreibt mir nichts. Ich injiziere selbst und messe danach im Blut über Bluttests nach. So lerne ich an mir selbst wie das ganze Spiel funktioniert und ich führe Buch hierüber. Ich bin meine eigene Laborratte im Selbstversuch. Außer Insulin und Wachstumshormone rühre ich alles an was es gibt und verfügbar ist. An den beiden Komponenten scheitert es aber nur wegen des hohen Kosten.

 

Ka-ching – min. 400-600€ pro Monat

Nur für Hormone und Supplemente gebe ich im Monat zwischen 400 – 600€ aus. Hinzu kommen die Mitgliedschaften in drei Fitnessstudios, Posing Kleidung, Coaching, chiropraktische und physiotherapeutische Behandlungen und private Posing-Stunden. Teilweise nehme ich für die Finanzierung das Geld von “Freunden” in Anspruch. Natürlich nur von solchen, die keine Rückfragen stellen, da sie mich “verstehen” können. Entsprechend läuft es auch finanziell: scheiße! Aber ich versetze Berge um das alles möglich zu machen. Ich spüre welche unendliche Kraft hinter einer tiefen Identität und einem tiefen Glauben stecken kann. Welche unendliche Power hier schlummert und nur darauf wartet in jedem von uns freigesetzt zu werden.

 

Stress kills you and your plans

In der Spitze ist das Stress-Level mit Arbeit, Training, Coachings geben, etc., so hoch, dass ich nur noch 4 Stunden schlafen kann. Das kann aber auch an den 400mg Koffein und 40mg Yohimbin HCL gelegen haben, die vor dem Training üblich waren.
Der Stress macht mir letztendlich sogar in meiner Wettkampfvorbereitung einen Strich durch die Rechnung, sodass ich nicht in nicht richtig in Form komme. Das frustriert mich natürlich und die Wut auf mich selbst wird sehr groß. Einige Wochen falle ich wieder in ein Loch. Es scheint alles sinnlos und umsonst gewesen zu sein.

In der Folge entscheide ich mich, aus dem Supplementstore auszusteigen. Da ich im Marketing gelernt und gearbeitet habe, bietet sich mir diese Alternative immer noch als berufliche Möglichkeit. So beginne ich mich erstmalig von der Szene zu distanzieren und orientiere mich um. Das klappt recht gut, wobei ich noch einige Zeit mein Trainingspensum und den Anabolika-Konsum beibehalte. Denn nach wie vor bin ich Bodybuilding.

 

Du bist das, was du wiederholt tust

Im Laufe der Zeit fällt es mir zunehmend schwerer meine Identität “Bodybuilding und Leistungssport” anzuerkennen und zu leben. Ich arbeite in einer Online-Marketing-Agentur, gehe weniger zum Training, achte weniger auf meine Ernährung und bekomme daher immer mehr das Gefühl, dass ich Bodybuilding nicht mehr so lebe wie es “richtig” ist. Meine empfundene Identität ist immer noch der Bodybuilder und Leistungssportler, aber meine Handlungen zahlen nicht mehr so richtig auf dieses Konto ein. Und plötzlich haben wir ihn wieder: Den gute alten inneren Krieg.

In der täglichen Kommunikation mit mir selbst, fucke ich mich dafür ab. Meine innere Identitäts-Stimme sagt mir: “Du hast so viel Zeit mit Bodybuilding, Ernährung und Hormonen verbracht, so viel Geld und Geduld investiert und nun hast du Probleme zum fucking Training zu gehen? Was ist mit dir? Soll das alles umsonst gewesen sein? Stell dich nicht so an, pack deine Sachen und dann los. Schließlich fühlen wir uns danach immer übelst gei! Wenn du dich dagegen entscheidest, weißt du ja was passiert!”

 

Selbstzerstörung & Selbstbestrafung

Aber was passiert dann, wirst du dich sicher fragen. Schlechte Gefühle, negative, herunterziehende Gedanken und unbewusste Selbstbestrafung. Denn wenn wir gegen unser tiefes inneres Selbst handeln, also gegen das, was wir tief in uns glauben was wir wirklich sind, dann geht das nur selten dauerhaft gut. Es kommen negative Gefühle und Gedanken auf, welche uns zu Handlungen und Absichten bewegen sollen, wieder mit unsere tiefen Identität in Einklang zu kommen. Wenn wir dauerhaft in dieser Dysbalance leben, werden wir nicht nur extrem viel Zeit und Energie mit den ganzen hochkommenden negativen Gefühlen und Gedanken verschwenden, sondern oftmals uns zusätzlich unbewusst selbstbestrafen. Es ist so, als ob unser innerer Wächter bereits weiß welche Geschütze er noch alle zur Selbstzerstörung auffahren kann. Dies verursacht noch weitere physische und psychische Schmerzen: Mindfucks, Wut, Unwohlsein, Chaos, Überforderung, Angst, eskalierende Emotionen, Panikattacken, etc.. Die härtesten Bestrafungen die wir uns selbst zufügen, sind dabei solche, die uns selbst noch weiter von unser Identität entfernen. In meinem Fall z.B: aufhalten mit irgendwelchen unwichtigen Sachen, sodass keine Zeit mehr fürs Training ist, oder hochverarbeitete Lebensmittel in riesigen Mengen essen.

 

Deine Identität ist mächtig

Somit lernen ich, dass womöglich eine der stärkste Kräfte auf diesem Planeten, die Kraft nach innerlicher Übereinstimmung mit der eigenen Identität ist. Eine unendliche Energie die rational und emotional die Fäden in der Puppe Mensch zu ziehen scheint. Unser Unterbewusstsein will also immer im Einklang mit dem leben, was wir zutiefst glauben wer wir wirklich sind. Und ich war immer noch Bodybuilding. Zu diesem Zeitpunkt meines Lebens ist die Angst vor der Unklarheit und Unsicherheit groß. Spezifisch betrachtet, ist es die Angst vor dem Loslassen der bisherigen Identität und vor der daraus resultierenden inneren Leere. Und diese Leere kannte ich aus meinen Depressionen ja schon mehr als gut.

 

Und so schließt sich der Kreis – Alles zurück auf Anfang

Ich buche bei Dr. Z. ein Coaching um genau diese Frage zu klären, die dieser innerliche Krieg aufwirft. Wer bin ich eigentlich, was mache ich hier und wie lange eigentlich schon… Wie kann ich vermeiden wieder in diese Leere zu fallen und wie soll ich mit diesem inneren Krieg umgehen? Und alles was Dr. Z., am oben genannten 20.06.2018 im Turmzimmer mir zwischen den Zeilen anbietet, ist im Grunde in dieses NICHTS zu springen und endlich loszulassen. Vielen Dank für diese Pointe liebes Leben.

 

Apropos Krieg

Den gab es natürlich parallel in meiner Beziehung auch. Das ein oder andere Mal steht unsere Beziehung vor dem aus. Vermutlich hätte ich mich schon selbst längst verlassen, aber meine wunderbare Lebensgefährtin hat immer noch irgendwas gesehen und gefunden, für das es sich zu kämpfen lohnt. Sie scheint Loyalität und Zusammenhalt für den Duden definiert zu haben und kann zu diesem Zeitpunkt Dinge fühlen, von denen ich nicht mal weiß das es sie gibt. Eben eine dieser besonderen Gaben die Frauen entwickeln können und die ich jedem wirklichen Mann auf diesem Planeten wünsche, einmal zu erfahren. Eines der wunderschönen Merkmale von Weiblichkeit, die leider nur noch viel zu selten stabil anzufinden ist, weil es keine richtige Männlichkeit als Gegenpol mehr gibt. Und nun stand im Turnzimmer zu Debatte wie männlich ich, trotz 10-fach erhöhtem Testosteron, noch bin.

 

Über eineinhalb Jahre nach dem letzten Schuss

Das ich den Sprung gewagt habe und die Steroide hinter mir gelassen habe weißt du ja bereits. Dies war gleichzeitig der wichtigste Schritt um das Bodybuilding-Dasein und alles was mit dieser Identität verknüpft war loszulassen. Nun sind seitdem über eineinhalb Jahr vergangen. ich lebe komplett medikamentenfrei und werde auch so weiter machen. Ich habe neben allen Steroiden auch noch alle Schilddrüsenhormone abgesetzt, ebenso wie Psychopharmaka (das ist aber schon deutlich länger her). Eintscheidung getroffen – und raus damit! Trotz aller Warnungen (auch von Ärzten) “vernünftig” mit HCG, Tamoxifen und/oder Clomifen abzusetzen, wollte ich sofort Schluss machen. Eigentlich schon ein leichtsinniges Vorgehen, aber vermutlich war es mal wieder genau diese “harte Tour” die mir was beibringen wollte.

Das zu erwartende Tief, diese Leere und das NICHTS, welches ich so gefürchtet hatte, kamen in dem erwarteten Maße nie. Klar, aufgrund der im Keller befindlichen Hormonwerte gab es Tage an denen ich nicht gut drauf war und die Stimmung stark schwankte. Aber wenn man lernt damit umzugehen, hält diese Phase, meiner Erfahrung nach, nie länger als 2 Tage an. Ein, für mich, simples und probates Mittel in so einem emotionalen Tief war emotionales Surfing. Hierbei sieht man die Phase mit Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit als Wellen an, welche einen mitreißen und nach kurzer Zeit wieder ausspucken. Dabei beobachtete ich mich selbst: „Ah da kommt wieder eine Welle. Gleich reißt sie dich wieder mit. Du gibst dich in sie hinein, regst dich ein bisschen über dich selbst auf und morgen ist wieder alles normal.“ Schlafen erlaubt mir in solchen Phasen keine weitere Energie in diese Situation zu geben und beschleunigt das Abebben solcher emotionalen Wellen. Je mehr Übung ich bekomme, desto kürzer werden diese Phasen. Heute treten sie gar nicht mehr auf. Klingt total bescheuert, hat bei mir aber gut funktioniert. Insgesamt alles ein kleiner Preis im Vergleich zur erwarteten Energielosigkeit und Depression, welche mich wochenlang fesseln und aussaugen sollte.

 

Where focus goes energy flows

Worauf du dich konzentrierst, dorthin fließt deine Energie! Jetzt Achtung wichtig: UND UMGEKEHERT! Worein du deine Energie steckst, um das dreht sich dein Leben. Daher ist es so wichtig, in depressiven Episoden einen Fuß in die Tür zu bekommen. Die Negativspirale aufzuhalten. Sich bewusst zu machen, was da eigentlich, wie und warum, gerade vor sich geht. Denn nur so gibt es eine Chance auf Besserung oder Veränderung der Situation. Nur was wir in unserem Bewusstsein registrieren können wir verändern. Alles andere bleibt unerkannt und läuft automatisiert im Hintergrund ab. Und mit jedem Mal das es erneut abläuft, verstärken wir es. Bis es ein Teil von uns geworden ist und wir es nicht mehr abgeben wollen.

Damit ein Aussteigen aus solch einer Negativspirale aber möglich ist, benötigt es neben der Bewusstheit, den wirklichen Willen zur Veränderung und die Hoffnung das man es schaffen kann. Zu viele Betroffene fokussieren sich aber auf Ihre Krankheit, oder identifizieren sich mit ihr. Zu viele Angehörige nehmen den Betroffenen in die stetige Obhut, und killen damit oft den Willen zur Veränderung. Sekundärer-Krankheitszugewinn lässt grüßen. So kann die Depression sogar zu deinem Freund werden. Aber dazu mal mehr in einem anderen Artikel. Hier soll es nicht um Strategien, Verhaltensempfehlungen und Problemaufklärung mit dem Thema Depression gehen. Sondern um das Zeug was dich angeblich aggressiv macht und deinen Penis schrumpfen lässt. Ich schweife ab…

 

Meine heutigen Hormonwerte: geht besser, wird besser

Meine natürlichen Hormonwerte haben sich noch nicht komplett erholt. Dies braucht noch mehr Zeit. Eigentlich sind sie nicht mal im unteren Normbereich angekommen. Hierbei meine ich speziell das folikelstimulierende Hormon FSH (kurbelt Spermienbildung an), DHEA (vorläuferhormon von Testosteron) und das freie Testosteron. Das gesamte Testosteron ist dabei nicht sooo entscheidend, denn nur freies Testosteron kann seine Wirkung im Körper entfalten.

Eher auf dem Niveau eines 85 jährigen waren die Werte noch im November 2018. Im Blutbild aus Dezember 2019 sieht man aber schon eine deutliche Verbesserung und positiven Trend. Außerdem sorgt ein recht hoher SHGB Spiegel dafür, dass das steigende Gesamt-Testosteron nicht als freies Testosteron vorliegt und wirksam werden kann.

Erfreulich sind außerdem die Schilddrüsenwerte. Am maximal supprimierten TSH im November 2018 erkennt man, dass ich exogen Schilddrüsenhormone zugeführt habe. Im September- und Dezember-Blutbild ist der TSH Wert zwar wie zu erwarten erhöht, aber die freien Schilddrüsenhormone ft3 und ft4 (deutlich wichtiger als TSH) haben sich völlig normalisiert. Mich stimmen diese Werteentwicklungen positiv für die Zukunft, da sie zeigen, dass sich langsam aber sicher meine Achse erholt.

Mein Arzt, der nach eigenen Aussagen ca. 600 stoffende Wettkampf-Bodybuilder betreut hat, sagt, dass es bei einem Dauerkonsum von Steroiden über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren nicht zu erwarten ist, dass sich die eigene Achse nochmal komplett und ohne zurückbleibende Schäden erholt. Insofern läuft bei mir alles gut soweit.

 

Anpassung der Ernährung: Cholesterin täglich!

In Zukunft werde ich meinen Fettkonsum noch weiter erhöhen. Das heißt mehr Nüsse, Avocado, fetten Fisch, Eier und gesunde Öle essen. Meine Cholesterinwerte sind unbedenklich und wer aufgepasst hat, der weiß, dass Sexualhormone im Körper aus Cholesterin, also Fett, gebaut werden. Also immer schön auf ausreichend Fett in der Ernährung achten!

 

Was bleibt: -13kg, ineffizienter Stoffwechsel und Krankengymnastik

Aber machen wir uns nichts vor, es ist auch nicht so als wenn man drei Jahre dauerhaften Steroidkonsum (ohne richtiges Absetzen) nicht doch irgendwie bemerken würde. Auch wenn, wie bereits beschrieben, der absolute Super Gau ausgeblieben ist, stelle ich Veränderungen an der eigenen Physis und Psyche fest. Ich habe seitdem knapp 13kg Körpergewicht verloren. Das mit Abstand Meiste davon sind Muskeln.

Zudem ist mein gesamter Metabolismus direkt sehr ineffizient geworden, wodurch ich auch etwas Bauchfett angesetzt habe. Das gesamte Trainingsvolumen musste ich abrupt nach unten korrigieren. D.h. meine Einheiten waren maximal eine Stunde lang und ich konnte nicht mehr so intensiv und so lange trainieren wie vorher. Dies war einige Male im Gym ein großes Problem für mich, da ich mich ständig mit meinen alten Leistungswerten verglichen habe. Mein Arbeitsgewicht ist nicht mal mehr die Hälfte von dem was ich gewohnt war. Hierfür wäre ich früher nicht mal losgefahren. Damals hätte ich sowas nicht als Training bezeichnet, sondern als Krankengymnastik. Entsprechend geringer fällt natürlich auch der Trainingsreiz aus, was neben den geringeren Wachstumsfaktoren im Körper, weiteren Muskelverlust begünstigt.

Die neuronale Ansteuerung meiner Muskulatur ist ebenfalls nicht gut. Es fühlt sich die ganze Zeit so an, als würde ich auf dem Gas stehen, aber die PS kommen nicht auf die Straße. Als würde ich alles geben damit sich der Arm bewegt, aber es bewegt sich halt nix. Die deutlich geminderte Leistungsfähigkeit, die “negative” körperliche Veränderung (weniger Muskeln, mehr Fett) und der unterschwellige Vergleich mit dem alten Bodybuilding Sascha, stellen insgesamt die größten Herausforderungen dar. Insbesondere psychisch war das nicht einfach.

Ich weiß, dass ich das Training brauche weil es mich gesund und fit hält. Außerdem kann es sehr effektiv sein, wenn es darum geht, den eigenen Hormonhaushalt zu pushen und die Körperform nicht aus der Bahn gleiten zu lassen. Dafür setze ich es vorrangig aktuell ein. Da ich derzeit dauerhaft Reise, habe ich nicht immer ein Gym nebenan. Im Regelfall mache ich Körpergewichtsübungen, Übungen an einem Trimm-Dich-Pfad (Klimmzüge, Rows, etc.), arbeiten mit meinem Sling-Trainer und Resistance-Bands. So wie es eben auf Reisen möglich ist (und wie im Buch HET – Hoch Effizient Trainieren beschrieben).

Dennoch gibt es manchmal Momente, in denen ich mir besonders meine Kraft zurück wünsche. Mein heutiges Training mit dem eigenen Körpergewicht hilft mir zusätzlich, mich weiter vom Gym- und Bodybuilding-Lifestlyle zu distanzieren. Das Umfeld in dem du trainierst, macht viel von deiner Erwartungshaltung dir selbst gegenüber aus. Es kann sich positiv, aber auch negativ auf dich auswirken. Und wenn ich ins Gym gegangen bin, in dem ich in der Vergangenheit immer Bestleistungen geben wollte aber es aufgrund des Absetzens nicht konnte, dann war dies eine super Grundlage dafür, sich anschließend scheiße und down zu fühlen. Also habe ich es auf ein effektives Minimum reduziert, um mich den negativen Triggern nicht unnötig lange auszusetzen.

 

Parallel habe ich mir eine neue Sportart gesucht

Hier kann man sich mit nichts vergleichen und die eigene Lernkurve ist bombastisch. Ich würde jedem empfehlen sich etwas Neues zu suchen. Das macht den Ablösungsprozess einfacher. Ich habe den Kampfsport gewählt. Ein Jahr lang trainierte ich zwei mal pro Woche Kampfsport und zwei bis drei Mal im Studio (je nachdem wie es meine Regenerationskapazität zugelassen hat). Mein Gym-Training war eher autoregulativ. Da ich meinen Wohnsitz in Deutschland aufgegeben habe und nun frei reise, kann ich den Kampfsport in dieser Art (mit zwei weinenden Augen) nicht weiter führen. Sicherlich werde ich unterwegs mal die ein oder andere Kampfsportart einfließen lassen und für ein paar Wochen in einem Dojo dieser Welt mittrainieren. Denn das hat mir richtig Spaß gemacht.

 

Meine aktuellen Ziele

Mein primäres Ziel ist weiterhin die Hormonwerte zu normalisieren. Anschließend will ich wieder etwas von meiner verlorenen Muskulatur zurückgewinnen. Zum Anfang 2020 habe ich, wie oben beschrieben, auf tägliches Körpergewichtstraining umgestellt. Ich denke, dass sich in ein paar Wochen / Monaten erste Veränderungen, von dieser Umstellung, bemerkbar machen werden.

 

Why so serious? Fear is a Liar!

Letztendlich war das Loslassen von Steroiden, Bodybuilding und meiner alten Identität nicht mal im Ansatz so schmerzhaft und dramatisch wie ich es mir vorher ausgemalt habe. Das Meiste davon war nur in meinem Geist konstruiert. Beispielhaft für viele Hürden die sich uns allen in den Weg legen und welche wir für unüberwindbar halten. Ich denke, dass jeder es schaffen kann eine alte und unpassende Identität loszulassen, solange er seinen Kopf, sowie Gefühle unter Kontrolle bekommt und lernt sich bewusst zu reflektieren. Die zarte Stimme im Inneren will nämlich gehört werden und nicht ständig übertönt und mit unwichtigen Sachen zugeschüttet. Wenn man die Zusammenhänge analysiert und versteht, fällt es viel leichter dies zu verwirklichen. In der Regel tritt der im Kopf ausgemalte Worst-Case nie ein. Je näher wir ihm kommen, desto mehr Lösungsansätze kommen uns automatisch in den Sinn. Ein hoch auf die Natur und Evolution die uns mit solch einem Geschenk gesegnet hat.

Am Ende bindet uns die Angst vor dem Loslassen noch mehr an das, was wir ja eigentlich hinter uns lassen wollen. Die Angst alleine führt zu mehr Anhaftung an unserem geistig gesponnenen Szenario und den damit verbundenen negativen Gefühlen. Sie will uns eigentlich beschützen, aber, so pervertiert wie wir sie heute einsetzen, lähmt sie uns nur. Dadurch verringert sie unsere Freiheit und Flexibilität. Sie funktioniert wie ein Computerprogramm das einfach abgespielt wird indem die Befehle stupide ausgeführt werden. Mutig zu sein und trotz Angst zu handeln, ist hier für viele nicht mehr möglich.

 

Wir haben Angst vor der Freiheit

Ich glaube, es ist nicht das Loslassen an sich, welches uns Angst bereitet, sondern vielmehr die Freiheit und Flexibilität die daraus resultiert. Wir sind überfordert mit der Freiheit, da wir den Lebensrahmen verlieren, oder zumindest fundamental hinterfragen. Denn eine Identität zu verändern bedeutet auch andere Werte, Normen und Regeln anzunehmen. Anders zu denken, anders zu fühlen und sich in einem ganz neuen Umfeld zu bewegen. Und dieser maximale Freiheitsgrad weckt Unklarheit über sich und das eigene Leben. Viel Dinge können in Frage stehen und müssen plötzlich neu definiert werden. Daher bleiben viele lieber eingesperrt in ihrem jetzigen Leben, selbst wenn es mit faulen Kompromissen, Schmerzen, Krankheiten, Depressionen und Burn-Out einhergeht. Alles noch erträglicher, als das Infragestellen kranker uns längst überfälliger Lebensmaximen und Regeln. Dabei ermöglicht erst das Infragestellen und die Umwertung aller bisherigen Lebenswerte ein wirklich freies und glückliches Leben. Denn nur so können wir wirklich herausfinden wer wir sind.

 

Wir zahlen den Preis des goldenen Käfigs

All diese Angst vor der Freiheit, Unklarheit und Selbstfindung können wir leicht umgehen. Wir müssen nichts weiter tun als uns mit aller Macht energetisch an etwas binden, was wir nicht sind und niemals waren. Hierein dann viel Zeit, Geld und Energie investieren und voilá: Fertig ist der goldene Käfig (geschmückt mit Palmen aus Plastik).

Da eine Menge Menschen diesen hohen Preis zahlen, bleibt für viele nur noch eine letzte Hoffnung: Ich muss diesen bereits eingeschlagenen Weg nur lange genug diszipliniert gehen und notwendige Opfer bringen, dann wird es sich schon irgendwann auszahlen. Aber was ist, wenn es das, was du am Ende deines Weges dir erhofft hast, dort niemals geben wird?

 

Wir haben Angst uns selbst zu entdecken – zu werden wer wir wirklich sind und dieser eigenen Liebe im innern nachzugehen!

Wir haben Angst davor, den ganzen oberflächlichen, nichtigen und verkopften Scheißdreck abzuschütteln. Haben Angst uns loszureißen vom falschen Umfeld, destruktiven Werten und allen hausgemachten westlichen Problemen, (welche uns wie Drogen tagtäglich berauschen und klein halten). Wir haben Angst davor, uns selbst gegenüberzutreten und ehrlich in unsere eigene Seele zu schauen und zu sehen, dass wir uns womöglich selbst verraten. Da wir unsere tiefe innere Stimme und Identität leugnen.

All diese Erkenntnisse sind nicht neu. Nur zugeschüttet mit unwichtigem Müll, den wir alle rausbringen sollten. Konsequent, radikal. Es ist wie ein inneres Signal das wir nicht mehr empfangen können, weil die Störgeräusche so gigantisch sind. Impulse helfen uns dabei, unser Signal wieder besser zu empfangen und die Störungen rauszuschmeißen. Diese Impulse können, Bücher, Menschen, Filme, Schicksalsschläge, Krankheiten, Musik, Meditation, Reflektion, usw. sein. Einer meiner Impulse war auch folgender Liedtext aus dem Jahre 1979 von Bette Midler:

“Its the heart afraid of breaking, that never learns to dance!
Its the dream afraid of waking, that never takes the chance!
Its the one who won’t be taken, who cannot seem to give!
And the soul afraid of dying, that never learns to live!”

Moment, nochmal: “AND THE SOUL AFRAID OF DYING, THAT NEVER LEARNS TO LIVE!”

In diesem Sinne geh ich nun mal ins Training. Was heute auf dem Plan steht?
Loslassen trainieren und richtig leben lernen!

AMOR FATI
Euer Sascha

Muskeln – Blutwerte & Co

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"Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!"

Friedrich Nietzsche

Forumbeitrag zum Artikel

https://amor-fati.world/forum/fitness-kampf/diskussion-artikel-steroide-absetzen-und-das-leben-danach/

Hast du Erfahrungen mit Steroiden?
Hast du bereits schon mal darüber nachgedacht „Stoff“ einzusetzen?
Was sind deine Gedanken und Fragen zu dem Artikel?

Lasst uns hierüber gemeinsam im Forum sprechen!

Über den Autor

Sascha Heupel

Hi, ich bin Sascha von AMOR FATI. Seit dem 23.12.2019 lebe ich ohne Wohnsitz. Meine Lebensgefährtin und ich haben uns aus Deutschland abgemeldet. Wir haben einfach losgelassen und sind aus dem System ausgestiegen, um uns auf eine freie und abenteuerreiche Reise zu begeben. Eine Reise ins echte Leben und durch die Welt. Eine Reise mit der Aufgabe: Werde der du bist! und der Frage: was macht ein glückliches Leben aus?  

Ich liebe es Menschen zu helfen, die Freiheit, die eigene Entwicklung, Reisen, Fitness, Bücher, Meditation und pragmatische Philosophie.

Mein Ziel ist es, AMOR FATI durch eigene Inhalte und Impulse voranzutreiben und zu verbreiten. Ich möchte eine starke Gemeinschaft auf den Werten und der Struktur von AMOR FATI aufbauen und damit eine außergewöhnliche Gemeinschaft mit tollen Menschen aufbauen.

„Werde der du bist!“ – Friedrich Nietzsche

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