Rezension: „Wie neugeboren durch Fasten

HUNGER!

Den Fresstrieb zu kultivieren ist nicht leicht. Umso wichtiger ist es. Umso wertvoller ist es, Hungern zu können; denn vieles lehrt der Hunger. Vieles, was wir in unserer – vom Schweinehund geschaffenen – Überflussgesellschaft nie erfahren werden, wenn wir uns nicht ab und an von ihr abwenden, befreien und somit auch von ihren zugrunde liegenden Trieben.
Viele gesundheitliche und ästhetische Probleme rühren daher, dass wir zu viel fressen und meist auch noch Müll. Wer seine Ernährung beherrscht, wird nicht in dieser Falle landen.
Solange wir regelmäßig essen ist unser Körper mit Verdauen und Aufbauen beschäftigt. Erst wenn wir innehalten, die Nahrungszufuhr unterbrechen, den Magen beruhigen, kann der Körper sich selbst verzehren – also reinigen; denn was wird zuerst dran glauben müssen?

Gewebe, das unnötig ist und schwach und krank. Das evolutionäre Prinzip gilt universal – auch in unserem Körper. Regelmäßiges Fasten ist nützlich, wollen wir uns von Ballast befreien und gesünder sein. Das erfolgreichste deutsche Buch zum Thema kommt aus der Feder von Dr. Hellmut Lützner und heißt: Wie neugeboren durch Fasten. Darin schreibt er:

„Der Körper baut niemals ab:
– Brauchbares – zum Beispiel Herz oder Muskulatur
– Funktionierendes – also alle Organtätigkeiten
– Lebensnotwendiges – zum Beispiel die Steuerungseinrichtungen
Hinter diesem natürlichen Gesetz, das dem menschlichen Körper einprogrammiert ist, steckt das eigentliche Geheimnis des Fastens. Wir dürfen uns getrost auf die innere Sicherheit unseres Körpers verlassen.“

Dies gilt für natürliche Umstände. Bodybuilding als das Schaffen von unnatürlich viel Muskelmasse fällt hier aus dem Rahmen. Auch ein Grund, weshalb ich mich davon verabschiedet habe. Wer als Bodybuilder fastet, wird sicherlich auch überschüssige Muskelmasse verlieren – denn aus Sicht des Körpers handelt es sich hier um Ballast. „Brauchbare“ Muskelmasse wird jedoch erhalten. Studien sollen gezeigt haben, dass hier ein Schutzmechanismus aktiviert wird, der Muskelprotein schützt. Eher soll es anderen Proteinen an den Kragen gehe; nämlich schädlichen Proteinablagerungen.
Gibt es so etwas überhaupt? Oh ja … Überschüssiges Eiweiß lagert sich an den Innenwänden kleinster Blutgefäße (sog. Kapillaren) ab, die sich in allen Organen befinden. Das blockiert und schädigt unser Herz-Kreislaufsystem. Im Bindegewebe zwischen Muskeln, Organen und Gelenken kommt es zu ähnlichen Ablagerungen, die im schlimmsten Fall zu schmerzhaftem Rheumatismus führen.
Gerade Proteinfanatiker sollten achtsam sein. Wenn ich bedenke, dass ich selbst in Zeiten der Diät bis zu 300g Protein täglich zu mir genommen habe (aus naturbelassenen Nahrungsmitteln und meinem Stoffwechsel angemessen), wird klar, dass nicht alles davon in der Muskulatur gelandet ist. Auch die Ausscheidung des Körpers funktioniert keineswegs perfekt. Viele der Stoffe, die wir aufnehmen, bleiben in unserem Körper, obwohl sie nicht dorthin gehören. Einige davon sind chemisch und somit schädlich. Sie lagern sich vorwiegend im Fettgewebe ab, aber auch im Eiweiß.

Um schädliche Eiweißablagerungen und darin enthaltene Giftstoffe auszusondern, ist es sinnvoll, ab und an ein Eiweißdefizit hervorzurufen. Eine Todsünde für jeden Kraftsportler und doch rate ich dazu. Auch die Sensibilität für Protein wird steigen, wodurch wir lernen, Protein effizienter zu verstoffwechseln. Ein dauernder Proteinrausch kann nicht gut sein. Daher ist während der Fastenzeit von Proteindrinks o.ä. abzuraten. Sie wären gut gemeint, verhindern aber die Entschlackung und Entgiftung – zumindest in Bezug auf schädliche Eiweiße.

Schlacken? Gibts die nicht nur im Stahlwerk? Dabei handelt es sich um keinen medizinischen Begriff. Man sollte ihn eher metaphorisch verwenden für all die schädlichen Ablagerungen in unserem Körper. Viele Wissenschaftler behaupten, der Körper könne sich und unter normalen Umständen selbst reinigen. Das stimmt – aber auch nur unter normalen Umständen.
In diesen leben wir jedoch nicht! Wir müllen unseren Körper zu. Die Industrie tut es und wir schlucken schön brav, was sie uns in den Rachen wirft – weil wir auf ihre Werbung hereinfallen. Auch der Überschuss an Nahrung führt dazu, dass unser Körper kaum noch dazu kommt, sich selbst zu reinigen. Andauernd sind wir am Futtern – von früh morgens bis spät in die Nacht. Statt Wasser oder Tee trinken wir gepanschten Kram, der bis oben hin mit Zucker und Chemie versetzt ist und uns nicht zur Ruhe kommen lässt.

Dennoch sind die Fronten verhärtet: Fasten steht ebenso im Kreuzfeuer wie Bodybuilding: Manche sind vehement dagegen (typischerweise jene, die es noch nie probiert haben), sehen es als unnatürlich und krankhaft, andere sehen es als Gralsweg zu Gesundheit und Fitness.
Mein Tipp: Nicht zu sehr von außen beeinflussen lassen. Lieber eine eigene Meinung bilden – und das geht nur durch eigene Erfahrung. Sterben wird man schließlich nicht dabei, oder?
Oder doch? Zumindest steigen beim Fasten die Giftwerte im Blut rapide an. Einige Autoren führen diesen Aspekt gegen das Fasten ins Feld. Tatsächlich zeugt er jedoch vom Nutzen desselben. Denn wo kommen diese Gifte her? Richtig, aus unserem Gewebe. Sollen sie dort bleiben? Ist es nicht ein gutes Zeichen, wenn sie gelöst und ausgeschieden werden? Ist es nicht verständlich, dass sie dann auch im Blut verstärkt anzufinden sind? (Viele spüren diesen Anstieg während des Fastens – er kann stark belasten. Man sollte darauf gefasst sein.)
Schlacken hin oder her, wer schon einmal erlebt hat, wie ein überaus zivilisierter (also träger und überfressener) Mensch zu stinken beginnt, wenn man ihn zum Sport treibt, der wird keine weiteren Fragen stellen. Kommt dann noch eine Fastenphase hinzu, öffnet der Körper nach und nach alle Schleusen. Man stinkt wie die Sau: Aus allen Poren läuft eine widerliche Suppe, der Mundgeruch wird unerträglich, die Zähne pelzig und die Zunge verfärbt sich.
Kein Witz. All das kann geschehen. Man wird öfter die Kleidung wechseln und mehr Zeit im Bad verbringen. Das ist ziemlich widerlich, aber wissen Sie, was noch widerlicher ist?
Dass man all diesen Müll in sich trägt und es akzeptiert! Und sich bewusst weiterhin mit industriell erzeugten, mit Schadstoffen belasteten „Lebensmitteln“ vollzustopfen, ist einfach nur dumm. Vieles davon wird es sich in unserem Körper gemütlich machen. Drin ist es schnell, wie ein lästiger Mietnomade setzt es sich in unserem Gewebe fest, aber raus bekommt man es nur schwer. Drum prüfe lieber vorher, mit was man sich da bindet!

Als ich nicht viel darüber wusste, war ich gegen das Fasten. Seitdem ich einige Bücher und viele Artikel dazu gelesen habe, sehe ich die Vorteile. Die wichtigsten habe ich hier aufgelistet. Fasten schützt vor und hilft bei vielen Krankheiten, die durch Überlastung, Fettleibigkeit und Arterienverstopfung entstehen.
Zu entgiften und entlasten ist nie verkehrt. Das stärkt den Körper und gibt ihm die Möglichkeit sauber und robust zu werden, wie ein frisch geschrubbtes und entrümpeltes Kriegsschiff, das gerade aus der Inspektion kommt und bereit ist, die Weltmeere zu erobern.
Viele Menschen gleichen eher einem bis oben hin zugemüllten und rostenden Ausflugsdampfer, der ständig so viel neue Fracht aufnimmt, dass er kaum zum Entladen, Reinigen und Reparieren kommt – geschweige denn von der Stelle. Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Man wird fett, krank und träge. Das ist die Schattenseite der Zivilisation, aber ist ja nicht so schlimm: In der virtuellen Welt kann man sich ein Ersatzleben schaffen und die Realität ausblenden.
„Wie neugeboren durch Fasten“?
Welch großes Versprechen und doch ist was dran.

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