Rezension: „Selbstbild – Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt

WERTVOLLER PARADIGMENWANDEL

Philip: „Ich bin ein Tollpatsch.“
Vater: „Das ist aber nicht, was man sagt, wenn die Nägel auf den Boden gefallen sind.“
„Was sagt man denn dann?“
„Man sagt: Die Nägel sind runtergefallen. Ich hebe sie wieder auf.“
„Einfach so?“
„Einfach so.“
„Danke, Papa“

Auf den ersten Blick kaum verständlich, was sich in diesem alltäglichen Gespräch abspielen mag. Tatsächlich bringt der Vater seinem Filius einen Paradigmenwechsel bei. Eine Wandlung der Lebensperspektive, wie sie in unserer Welt flächendeckend von Nöten ist! Aus diesem Grund ist dieses Buch auch so wertvoll und nicht zu unrecht Bestseller Nummero Uno in der Rubrik „Individualpsychologie“ – obwohl es bereits seit 2009 auf dem Markt ist.

Inhalt des Buches – wie des Gespräches: Philip geschieht etwas und er urteilt über einen Menschen (sich selbst). Eine Beurteilung wird im negativen Fall schnell zu einer Verurteilung: „So ein Trottel, zu dumm, um die Nägel zu halten.“ Das blockiert.
Selbst positive Beurteilungen werden schnell zu einem Fluch, wenn man sich diesen verpflichtet fühlt: „Er ist ein Genie, der muss nicht üben“, dann auch tatsächlich die eigene Entwicklung schleifen lässt und sich kaum noch traut, irgendwo in Aktion zu treten, aus der Angst beurteilt und als Nicht-Genie erkannt zu werden. So entstehen Blockierungen und Depressionen, mitunter sogar Psychosen und tragische Verhaltensweisen, wie die Autorin – ihres Zeichens Psychologin – vorstellt.

Wer urteilt, beurteilt und verurteilt, wer also Menschen und auch sich selbst ab-stempelt, der hat ein statisches Selbstbild. Er glaubt, Menschen sind wie sie sind und sie werden auch so bleiben. Entsprechend unmenschlich wird auch das Weltbild aussehen: Neid, Hass und Häme gegenüber den Besseren. Geringschätzung, Zynismus und Attacken gegen die „Niederen“ … und mit sich selbst: innerlich labil, nach Bestätigung lechzend, erfolgssüchtig und launisch.

Jeder von uns kennt solche Menschen, die andere abwerten, um sich aufzuwerten. Menschen, die glauben alles ist so, wie es ist. Menschen, die am Entwicklungspotenzial zweifeln … z.B. von Schülern, Fremden oder gar Partnern und eigenen Kindern. Menschen, die mitunter an sich selbst zweifeln und sich in all ihren Verbesserungsmaßnahmen selbst sabotieren.

Ihnen entgegen steht das dynamische Selbstbild. Wer dies lebt, der urteilt kaum. So ist er auch emotional stabil. Stets schaut er nur: Wie können wir es besser machen?
Und das ist die Vorraussetzung für ein menschliches, entwicklungstolerantes Leben und eine ebensolche Gesellschaft.

Dann gilt nicht: „Alles, was zählt ist Sieg oder Niederlage – egal wie!“
Sondern: „Wer sich täglich etwas verbessert, der hat den Sieg schon auf seiner Seite – egal, was schlussendlich heraus kommt.“

Langfristig sind es diese kleinen dynamischen Schritte, die wahren Erfolg im Leben ausmachen und das Spielerische erst erlauben.
Keiner wird groß geboren. Auch hinter den größten „Talenten“ steckt immer sehr sehr viel Arbeit … und die Erkenntnis: Jeder kann sich weiterentwickeln -> wenn ihm sein Paradigma dies erlaubt.

Das erinnert mich an ein Gespräch mit einem Personal Trainer, der erst lobende Mails über meine Bücher schrieb und unbedingt kurzfristig zu einem Coaching nach Rügen kommen wollte. Ich schrieb ihm, dass der nächste freie Tag in 7 Wochen wäre. Dann kam nur pampig zurück: „Schön für Dich, dass Du es so einfach hast, Klienten zu finden. Aber Dir sollte bewusst sein, dass Du ohne Deine Bücher und Deine Bekanntheit nichts wärst und auch keine Klienten hättest.“

Ich habe längere Zeit über diese komische Perspektive nachgedacht. Der Kollege scheint tatsächlich gedacht zu haben, dass diese Bekanntheit unverdienterweise von Natur aus – statisch – zu mir gehören würde und nicht, dass sie erarbeitet ist und dass er sich noch weit mehr davon erarbeiten könnte. Ein schönes Beispiel für ein statisches Selbst- und Weltbild. Was sich noch mehr darin äußerte, dass er sich am nächsten Tag gleich wieder aufwertete, indem er mir bei amazon reihenweise 1-Sterne-Bewertungen gab. Aber was solls: Sicher kennt jeder von Euch ähnliche Fälle.

Carol Dweck zeigt in ihrem Buch, wie man dynamisch damit umgeht und wie ich es auch selbst lebe: Nicht selbst in die Verurteilungsfalle tappen, sondern einfach daraus lernen, nach vorne schauen und weiter machen.
Dieses Buch ist dahingehend überaus wertvoll. Das Paradigma der beiden Selbstbilder sollte wortwörtlich Schule machen und bereits kleinen Kindern beigebracht werden – für eine urteilsfreiere und entwicklungsfreudigere Welt.

PS: Nur weil die liebe Carol das Thema etwas zu stark ausschlachtet und sich in wiederholenden Beispielen verliert (wie in amerikanischen Ratgebern üblich), bekommt das Buch nicht die volle Punktzahl; aber: lesenswert allemal!
Jeder Neider, Mobber, Hetzer und Schubladendenker, aber auch jeder Zweifler, Selbstsaboteur und Blockierte sollte es geschenkt bekommen. Ebenfalls wertvoll ist es für alle, die mit Menschen arbeiten bzw. an deren Entwicklung teilhaben.

(Die Leseprobe wird mobil auf Amazon nicht angezeigt. Um diese anzusehen, musst du auf Amazon die Buchseite mit einem Laptop besuchen.)

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