Rezension: „Abenteuer Seele: Psychische Krisen als Chance

ABENTEUER SEELE 

„Das Buch ist ein Aufruf, der konventionellen Psychologie und Psychiatrie zu misstrauen, und den Potentialen und Kräften der eigenen Selbst-Erkenntnis und Selbst-Heilung zu vertrauen.“ (S. 246)

Hier beschreibt der Arzt, was Seele ist, was sie sein kann, wie sie krank werden und wieder heilen kann. Dabei geht er mit Psychiatrie und Pharmazie hart ins Gericht. Er verurteilt die Diskriminierung in Normale und Kranke (Schubladendenken) und fordert mehr Toleranz für Menschen außerhalb der Norm. Melancholiker seien oft besonders tiefe Künstler. Schizophrene seien oft Visionäre. Jesus, Nietzsche, Dali, Jeanne Darc und Konsorten wären heute einfach schlicht eingewiesen und durch Medikamente ruhig gestellt worden.

Weil genau dies geschieht, verflacht unsere Kultur. Es gibt einen Überschuss an Normalos und angepassten Pop-Künstlern. Alles sehr seicht. Zehentbauer fordert: mehr Mut zur Besonderheit, zur Erforschung der Seele, zu mehr Selbstvertrauen in die eigenen Selbstheilungs- und -findungskräfte. Alles sehr schön. Drumherum baut er ein psycho-philosophisches Bild auf, welches gut gemeint, aber aus professioneller Sicht etwas mau ist. Der entsprechende Anfangs-/Mittelteil war deswegen eher zum Gähnen. Gegen Ende nimmt es wieder Fahrt auf – wie ich es bisher nicht gelesen habe.
Tipp für die Erstlektüre: mit dem Epilog beginnen. Dann erst vorne starten … und vieles erhält dann auch erst Sinn.

Kleine Ergänzung, nach einem Blick auf die beiden 1-Sterne-Rezensionen bei amazon: Zehentbauer weist nicht darauf hin, aber an erster Stelle steht die Übernahme der Eigenverantwortung. Erst dann kann auch Selbst-Heilung stattfinden.
Hätte Josef nicht so brav geschrieben, hätte die Kernaussage gar revolutionäres Potenzial. Aber auch so … lohnenswert für alle, die sich auf das Abenteuer Seele einlassen wollen oder therapeutisch in dem Bereich arbeiten.

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