Muskuläre Dysbalancen in der Verkörperung des menschlichen Daseins

von | 20. Jul 2019 | Der Wille zur Kraft (Archiv)

Kennst Du eine Sportart die nicht einseitig ist? Ich meine jetzt nicht solche Kindereien wie Ballspiele oder katabole Daueranstrengungen wie Schmächtigkeitsläufe, bei denen sich der Körper selbst von innen auffrisst. Wettkampfhäkeln fällt wohl ebenso flach wie Armdrücken und an Tennis oder Golf wollen wir gar nicht erst denken.

Mit der besten körperlichen Entwicklung können wohl Turner und Sprinter aufwarten. Dennoch weisen Turner bedeutende Schwächen im Unterkörper auf und Sprinter im Oberkörper. Sie sind jedoch – mal nebenbei – ein sehr einprägsames Beispiel für die Tatsache, dass man bereits mit dem eigenen Körpergewicht ein enormes Kraftpotential mit einer Statur zu paaren vermag, die die meisten Hobby-BBler vor Neid erblassen lässt. Hannibal lässt grüßen.

Kampfsport ist sicher ebenfalls nicht zu verachten, auch hier überwiegen jedoch je nach Sparte immer bestimmte Bewegungen, andere werden vernachlässigt und andere werden teilweise überhaupt nicht ausgeführt. Schließlich wird man nur dann ein Spezialist, wenn man sich auch auf Weniges spezialisiert. Umso mehr man können will, desto durchschnittlicher wird man darin auch bleiben.

Aber seien wir da mal nicht zu hart: Sprinten, Turnen sowie viele Kampfsportarten und sicherlich auch Gewichtheben vermögen den menschlichen Körper wirklich schon sehr ansprechend in die Form einer ausgeprägten und harmonischen Statur zu gießen. Schwimmen ist ebenfalls sehr vielseitig, weist jedoch ebenfalls bewegungstechnische Defizite auf und vermag ob seines geringen Widerstandes und der tragenden Substanz des flüssigen Mediums nur geringe Wachstumsreize zu setzen.

 

Der Körper als Abdruck der eigenen Lebens- und Bewegungsweise

Nun gibt es viele Menschen, die diese einseitigen und vielseitigen Sportarten regelmäßig ausführen, was sich auch entsprechend in der Struktur ihres Leibes verkörpert. Ein guter Sportmediziner kann anhand der Dysbalancen eines Athleten auf seine jeweilige Disziplin schließen.

Nun reicht es aus, dass wir als Menschen meistens schon viel zu einseitig denken und da machen wir beim Denken noch lange nicht halt. Andauernde sitzende Tätigkeiten und/oder immer wieder die gleichen intensiven körperlichen Bewegungen in Arbeit, Sport und Freizeit spiegeln sich nach und nach immer stärker in unserer Körperhaltung wieder wie zu viel Hochmut oder Trägheit.

Oft sind jedoch Haltungsschwächen nicht durch charakterliche Schwächen bedingt, sondern auch durch muskuläre Dysbalancen. Beim ersten Googleausflug wird man hier allerdings nicht gerade fündig und selbst der Hort wissenschaftlicher Feingeistigkeit ‚Wikipedia‘ vermag nicht wirklich aufzuklären. Aus diesem Grund möchte ich hier kurz die Basics erklären. Ich weiß, das ist ein durchaus langweiliges Thema, aber auch nur solange man selbst nicht davon betroffen ist.

 

Bist Du betroffen?

Einige Dysbalancen kann man direkt im Spiegel erkennen. Überprüfe es am besten direkt einmal aus:

Befinden sich Deine Schultern auf einer Linie mit Deiner Hüfte oder hängen sie davor oder stehen sie dahinter?

Na, wie sehr ist Dein Unterarm von der Streckung entfernt?

Sind Deine beiden Körperseiten symmetrisch/gleich gut entwickelt?

Wie steht es um die gleichmäßige Entwicklung Deiner oberen Körperhälfte im Verhältnis zu Deiner unteren?

Hast Du ansonsten irgendwelche Beschwerden, die sich irgendwann in Deinem Bewegungsapparat eingenistet haben, aber nicht im Entferntesten daran denken, wieder zu verschwinden?

 

Was sind muskuläre Dysbalancen?

Muskeln funktionieren nach dem Zug-Prinzip. Wenn sie kontrahieren, ziehen sie die beiden Knochen, an die sie durch ihre Sehnen gebunden sind, im Bewegungsrahmen des beteiligten Gelenkes aufeinander zu. Je stärker ein Muskel nun belastet (also trainiert) wird, desto größer wird auch seine Grundspannung – selbst im Ruhezustand der Bewegungslosigkeit.

Das ganze Muskelsystem, welches Haltung und Bewegung in unsere Knochen zu bringen vermag, kann man sich stark vereinfacht als ein komplexes System mit-, neben- und gegeneinander arbeitender Gummibänder, die zwischen den Knochen gespannt sind, vorstellen. Durch einseitige Belastung werden nun einige Gummibänder dicker und andere nicht, ganz andere wiederum werden sogar immer dünner, da sie so gut wie nie belastet werden → Hypertrophie und Atrophie.

Ein starkes Gummiband besitzt nun natürlich auch eine viel stärkere Grundspannung als ein dünnes. Deswegen verschiebt sich Dein gesamtes Knochenskelett immer so, wie Deine muskulären Dysbalancen es verursachen und durch so manche regelmäßige Tätigkeiten, Sportarten sowie Sitz- und Liegehaltungen verschiebt sich da eine ganze Menge.

Eingefallene Schultern, ein hängender Kopf, ein Buckel oder übertriebenes Hohlkreuz usw. usf. sie alle können Anzeichen solcher Ungleichgewichte sein.

 

Der Teufelskreis der Dysbalancen

Immer stärker werdende Muskeln werden immer mehr Arbeit des Gesamtsystems übernehmen, wodurch sie noch stärker und die ohnehin schon schwachen Muskeln noch mehr entlastet und somit noch schwächer werden, wodurch sich wiederum der Zustand des Gesamtsystems noch weiter verschlechtert usw.

Wer hier somit nicht rechtzeitig oder am besten von Anfang an darin bestrebt ist, alle aufkommenden Dysbalancen möglichst früh zu erkennen und im Keime zu ersticken, wird mit jedem weiteren belastenden Tag der Verdrängung dieses Problem selbstverschuldet immer stärker in seinem eigenen Körper etablieren.

Es gilt somit, entstehende Probleme frühzeitig zu erkennen, bevor man die Kontrolle über sie zu verlieren droht. Bereits der römische Dichter Ovid hat in seiner Schrift Remedia amoris (Heilmittel gegen die Liebe) zur Vorsicht und frühen Reaktion gemahnt:

Principiis obsta. Sero medicina parata, cum mala per longas convaluere moras.
(Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind.)

 

Die verschiedenen Arten muskulärer Dysbalance

Die Dysbalancen der Symmetrie sind wohl die offenkundigsten muskulären Ungleichgewichte. Wenn Arme oder Beine verschieden gut entwickelt oder sogar ganze Körperhälften und -seiten betroffen sind, dann ist Handlungsbedarf angesagt.

Links-rechts-Dysbalancen kann man dabei schnell anhand von ein paar Maßbandmessungen in Erfahrung bringen und solche von Ober- und Unterkörper kann man durch die im Symmetrie und wie man sie erlangt-Artikel vorgestellte Technik herausfinden.

Antagonistische Dysbalancen sind weniger einfach zu erkennen. Dennoch verraten sie sich dem aufmerksamen Beobachter durch eine von der Norm abweichende Körperhaltung. Wirken die Schultern nach vorne gezogen, ist z.B. die Brusmuskulatur zu stark im Verhältnis zur hinteren Schulterblattmuskulatur, dem Trapezius. Neigt man zu starkem Hohlkreuz (Hyperlordose), sind die Bauchmuskeln zu schwach im Verhältnis zu den Hüftbeugern und den Rückenstreckern. Dies äußert sich außerdem oft durch einen herabhängenden Bauch. Ist hingegen die Bauchmuskulatur stärker als die der Rückenstrecker, dann wird man automatisch in eine buckelige Haltung gezogen.

Durch derartige Dysbalancen verliert die Wirbelsäule ihre natürliche Krümmung – das konvexe Wechselspiel zwischen Kyphose (zum Rücken hin/dorsal) und Lordose (zum Bauch hin/ventral).

Es sind jedoch noch viele andere Muskeln an der Stellung der Wirbelsäule beteiligt. So kann z.B. eine Dysbalance durch andauernd überlastete Kniebeuger, die von unten/hinten am Becken verankert sind, dazu führen, dass eben dieses nach unten/hinten gezogen wird, wodurch die Lendenwirbelsäule ihre Lordose verliert.

Dieses Problem wird z.B. durch zu viel sitzende Tätigkeit ohne Ausgleichsbewegungen provoziert. Durch die beständige Dehnung der Kniebeuger beim Sitzen wird der Körper (das Nervensystem) nämlich auf genau diese Haltung programmiert und sträubt sich dann immer mehr gegen gegenläufige Bewegungen und Bewegungsumfänge. Der Beinbeuger scheint dann verkürzt zu sein. In Wirklichkeit gibt es jedoch keine ‚verkürzten‘ Muskeln, sondern nur falsch programmierte/trainierte. Die Verkürzung ist nur eine Erscheinung – eingeschränkte und einseitige Belastung die Ursache.

Der Mensch ist nun einmal zum Stehen, Gehen, Beugen, Heben, Ziehen und Drücken geschaffen, aber nicht zum Sitzen. Durch den Fortschritt unseres sitzenden Lebensstils bringen wir dieses evolutionär gewachsene Gleichgewicht jedoch gehörig durcheinander – auf das wir bei zukünftigem Fortschreiten die Beine überhaupt nicht mehr gebrauchen (können).

Wie dem auch sei. Das Ergebnis dieser Dysbalance und anderer Dysbalancen kann zu mannigfaltigen Haltungsschwächen und -beschwerden führen, wobei sich im Ernstfall wirkliche Schmerzen ausbilden können.

Schmerzhafte Rückenprobleme: 80% aller Deutschen haben sie mind. einmal im Leben und knapp unter 40% haben sie angeblich dauerhaft. Sehr oft stecken muskuläre Dysbalancen und insbesondere die antagonistische dahinter, insbesondere dann, wenn man die Probleme nicht von Geburt an hat.

Der klassische Rat ist dabei immer noch eine gleichmäßige Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur, was jedoch oft genug nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Dann wird gespritzt und eingerenkt, was das Zeug hält, aber die Schmerzen kommen immer wieder. Viele haben sich damit abgefunden. Ein schmerzender Rücken muss ja schließlich auch ein spezifisches Problem des Rückens sein. Ist doch einleuchtend, oder?

Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz, schreibt Kieser an jede Wand. Doch das ist nicht immer die ganze Wahrheit. Was nämlich viele ernsthafte Bodybuilder und Kraftsportler wundert, ist die Tatsache, dass sie oftmals trotz starker Rückenkraft und gut ausgebildeter Bauchmuskeln dennoch nicht vor teilweise heftigen Rückenschmerzen gefeit sind. Auch bei generell schwachen Menschen, bei denen sowohl Rücken als auch Bauch gleich schwach sind, dürfte es sich um kein starkes Ungleichgewicht handeln und dennoch kennen auch sie dieses Problem. Insbesondere diejenigen, die in ihrer beruflichen Tätigkeit zu andauerndem Sitzen verdammt sind, wissen wovon ich schreibe.

Wie wir jedoch bereits gesehen haben, gibt es viel tiefer liegende Zusammenhänge im Gummiband-Muskel-System unseres Körpers. Die Wirbelsäule hängt schließlich nicht einfach so in der Luft herum. Sie ist fest im Becken verankert und wird ebenso durch Dysbalancen, die das Becken betreffen beeinflusst, wie dieses selbst. Über ein paar Ecken hängt hier alles mit allem zusammen. Bereits eine Dysbalance an der falschen Stelle kann somit zu Schmerzen an besonders schwachen Stellen führen, die sich teilweise völlig woanders im Körper befinden. Ebenso, wie ein Getriebe, dass mit zu viel Spannung betrieben wird, irgendwann genau dort Schaden nehmen wird, wo sich das schwächste Glied der Kette befindet und nicht unbedingt dort, wo die Spannung seinen Lauf nimmt.

Oft kann man somit Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich wieder loswerden, wenn man die Dysbalance zwischen Beinstreck- und Beinbeugermuskulatur wieder ins Lot bringt, damit das Becken nicht dauerhaft nach hinten/unten gezogen wird – was ja schließlich einer ungesunden Dauerbelastung für die Lendenwirbelsäule gleichkommt.

Die dadurch auftretenden Schmerzen sind sogar etwas Gutes. Sie sind das Warnzeichen Deines Körpers dafür, dass er hier eine Dysbalance für Dich ausfindig gemacht hat. Ist das nicht lieb von ihm? Solche Schmerzen sind wie das Heulen des Eierkochers, dass einem klar machen möchte, dass es hier Handlungsbedarf gibt – mehr sind Schmerzen auch nicht. Sie sind nur eine dringende Mitteilung an Dein Bewusstsein und da Dein Körper nun einmal nicht vernünftig argumentieren kann, tut er Dir halt einfach weh – so ist er zu Dir, er hat ja nur Dein Bestes im Sinn. Also löse das Problem, beseitige die Ursachen und alles wird wieder gut.

Die intermuskuläre Dysbalance ist ein Ungleichgewicht in einer bestimmten Bewegungsweise. Hier wird es schon ein wenig komplizierter. Jede natürliche Bewegung, wie z.B. das Beugen oder Drücken, beansprucht mehrere verschiedene Muskeln, die bei ausreichender Schulung des Nervensystems sehr koordiniert miteinander arbeiten können. Im Falle einer solchen ‚intermuskulären‘ Zusammenarbeit spricht man auch von Muskelschlingen.

Ist nun einer der darin beteiligten Muskeln unverhältnismäßig stark oder schwach, dann bezeichnet man dies als ‚intermuskuläre Dysbalance‘. Insbesondere hier vermag der ‚Teufelskreis der Dysbalancen‘ zuzuschlagen, durch den bereits schwache Muskeln immer schwächer werden können. Insbesondere bei langanhaltenden oder extremen Belastungen drohen dann hier Beschwerden oder Verletzungen am schwächsten Glied der Kette.

Die intramuskuläre Dysbalance bezeichnet ein Ungleichgewicht innerhalb ein und desselben Muskels. Sie rührt daher, dass Muskeln bevorzugt immer nur in dem Bewegungsumfang und Maße gestärkt werden, in dem sie auch trainiert werden. Eingeschränkte Bewegungsabläufe – wie z.B. das verbreitete Training über verkürzte Bewegungsumfänge – sind hier die Hauptursache für diese besondere Dysbalance.

Insbesondere die drei letztgenannten Arten von Dysbalancen sind die geläufigsten, wie sie auch von Werner Kieser in seinen Büchern angeschnitten werden (s. Ein starker Körper kennt keinen Schmerz S. 180 & Die Seele der Muskeln S. 61).

Es gibt jedoch auch noch einige weitere Dysbalancen, die für uns von Bedeutung sein sollten:

Die Dysbalance zwischen Bewegungspotential und Muskelaufbau ist eine davon. Muskeln werden immer nur in dem Bewegungsprogramm gestärkt, in dem sie auch trainiert werden. Soll heißen, die Kraft, die ich im Quadrizeps durch das Isolationstraining im Beinstrecker aufbaue, kann auch nur bei einer isolierten Beanspruchung des Quads wieder benutzt wieder. Weder im beruflichen, noch im sportlichen oder sonstigen Alltag arbeitet der Quadrizeps jedoch für sich alleine.

Die Kraft, die man somit isoliert trainiert, kann man im normalen Leben so gut wie nicht verwenden. Möbelschleppen oder auch bereits das Tragen von ein paar Kisten Wasser fällt einem dann genau so schwer, wie einem Untrainierten. Aus diesem Grund sollte man immer ausreichend die natürlichen Bewegungen des Beugens, Hebens, Tragens, Ziehens und Drückens trainieren, um eine Dysbalance zwischen Bewegungspotential und Muskelaufbau vermeiden zu können. Schließlich leben wir nicht nur, um zu trainieren. Wir trainieren auch, um dadurch besser leben zu können.

Die Dysbalance zwischen Masse und Kraft
Wer nicht nur als muskuläres Massemonster durch die Welt laufen, sondern auch entsprechende Kraft haben möchte, sollte immer darauf achten, dass er auch regelmäßig ausreichend schweres Training mit wenigen Wiederholungen und viel Gewicht betreibt. Wer sich hingegen nur immer weiter aufpumpt, wird schon sehr bald den Unterschied zwischen funktioneller und nicht-funktioneller Hypertrophie am eigenen Leib verspüren.

Wie man es auch dreht und wendet. Erstklassige Muskulatur – starke Muskulatur – kann und wird man niemals mit Kindergewichten aufbauen können.

Die Dysbalance zwischen dem cardiovaskulären und dem muskulären System ist ebenfalls ein muskuläres Ungleichgewicht. Schließlich ist unser Herz auch ein Muskel – sogar der wichtigste. Wer hier jedoch nur das rein muskuläre System trainiert, das des Herzen jedoch nicht, der wächst in einen Körper hinein, auf den das eigene Herz leistungsmäßig nicht ausgelegt ist. Alle weiteren Infos zu diesem Thema gibt es im entsprechenden Artikel: Krafttraining für das Herz – Wie man es macht und was es bringt

Die Dysbalance zwischen Gehirn und Muskelmasse ist eine ganz besondere. Das Gehirn ist unser Denkmuskel. Wir können es überaus stark trainieren und mit jedem neuen Gedankengang, den wir uns einprägen, wächst es sogar, indem sich beständig neue neuronale Verschaltungen ausbilden. Gegen diese sind jedoch bereits Sandkörner so groß wie für uns die Zugspitze und deswegen findet auch ein sehr gut trainiertes Gehirn in jedem normalen Schädel Platz.

Oft jedoch haben viele Vertreter der harten Trainingszunft anscheinend so viel Platz in ihrem Schädel, dass sie den Mund oft genug sehr voll nehmen und dabei jedoch nur selten durch rhetorische Feingeistigkeit und intellektuellen Anspruch glänzen.

Bei vielen scheint mit zunehmender Muskelmasse die Gehirnmasse immer weiter zu schrumpfen und dementsprechende Klischees werden auch von der Gesellschaft mit dem Thema Bodybuilding in Verbindung gebracht. Aber das muss nicht sein und das sollte auch nicht sein.

Es gibt wenig, was anspruchsvoller ist, als den eigenen Körper und somit sich selbst zu beherrschen und sowohl in der Erscheinung seiner Statur als auch in dem Sein seiner Leistung ästhetisch und harmonisch auszubilden, um ein Leben lang stark, schön und gesund zu sein.

Durch all die anderen Dysbalancen schaden sich die Leute nur selbst, durch diese letzte jedoch schaden sie der Philosophie und Lebensweise des Bodybuildings insgesamt. Wir alle sollten beständig daran bestrebt sein, dies bei uns selbst und auch bei anderen zu unterbinden und durch gutes Beispiel voran zu gehen. Große Masse und Kraft schafft auch große Verantwortung. Je markanter man nämlich in der eigenen Erscheinung und Leistung ist, desto mehr wird man auch automatisch zum Aushängeschild der eigenen Zunft.

Geistige Verdummung hat in wahrem Bodybuilding ebenso wenig Platz wie hirnloser Steroidkonsum.

Dies sind nun die geläufigen und weniger geläufigen Formen muskulärer Dysbalancen. Dennoch sind sie alle von Bedeutung für Dich. Du solltest stets darin bestrebt sein, sie bei Dir selbst frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Warte dabei nicht so lange, bis Dich andere darauf hinweisen. Sei immer selbst Dein härtester Kritiker. Solange Du mit Dir selbst im Reinen bist, brauchst Du die Konflikte mit anderen nicht zu scheuen.

 

Doch wie behandelt man nun diese Dysbalancen?

Wenn Du durch Schmerzen, Bewegungsstörungen, scheinbare Verkürzungen oder sonstige Symptome auf Dysbalancen gestoßen bist, gilt es erst einmal diese näher zu lokalisieren. Dies alleine ist bereits ein Spezialgebiet für sich und kann hier auf keinen Fall ausgebreitet werden. Alle Interessierten werden jedoch bei Peter Lenhart und Wolfgang Seibert sehr fundierte Hilfe zur Selbsthilfe finden:

Funktionelles Bewegungstraining: Muskuläre Dysbalancen erkennen, beseitigen und vermeiden

In diesem Buch wird man mehr als nur ausreichend über den Kosmos muskulärer Dysbalancen informiert. Trainer, Ausbilder, Lehrer und Therapeuten werden an solch einem Buch nicht vorbei kommen und auch alle betroffenen Laien werden hier sehr verständlich in die Tiefen dieses Themas eingeführt.

Alle speziellen Vorgehensweisen zur speziellen Behandlung spezieller Dysblancen gibt es in diesem ganz speziellen Buch.

Grundlegend lässt sich jedoch Folgendes festhalten:

Die beste (und einzige) Möglichkeit, um allen bekannten muskulären Dysbalancen auszuweichen und sie von Anfang an zu verhindern, ist regelmäßiges progressives Gewichtstraining aller natürlichen Bewegungen über den größtmöglichen Bewegungsumfang aller beteiligten Gelenke.

Nur intelligent geplantes und vollständiges Hanteltraining auf der Grundlage schwerer Verbund-/bzw. Mehrgelenksübungen vermag dies zu erfüllen und einen Körper wachsen zu lassen, der sich in allen muskulären Belangen im Gleichgewicht befindet – insofern man auch die Muskulatur des Kreislaufes und des Denkens nicht vernachlässigt.

Weitere Vorteile zu diesem Thema findest Du in dem Artikel: Stärker ist besser – Die Vorteile progressiven Krafttrainings

Geringe Dysbalancen lassen sich auf diese Weise wieder regulieren; alle anderen müssen durch die gezielte Stärkung der jeweils schwächsten Stellen des Gesamtsystems auftrainiert und zugleich verstärkt (bewusst) in Mehrgelenksübungen einbezogen werden.

Alle anderen Sportarten sind somit keine Alternative zu progressivem Krafttraining. Sie lassen dieses durch verstärkte einseitige Belastungen sogar noch notwendiger werden. Umso einseitiger nämlich das eigene Freizeit- und Berufsleben ist, desto wichtiger ist es ein entsprechendes und umfassendes Widerstandstraining durchzuführen um stark, schön und gesund zu bleiben.

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