Was treibt euch an?
 
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Was treibt euch an?  

 
Chriss
(@chriss)
Mitglied Member

Zippel schreibt in seinem Artikel „Do we live in a mad world“:
„NOW I FEEL LIKE BEING RETIRED - I don’t strive for anything. I write and work just for fun.“

Für mich stellt sich die Frage was treibt dich @Dr.Z derzeit an, wenn es scheinbar keine Pflichten oder konkrete Projekte in deinem Leben gibt. Du schreibst die Entwicklung von Körper, Geist, Seele, Beziehungen sind für dich Lebensprojekte. Doch wie schaffst du es für dich das greifbar zu machen in Form von Zielen, messbaren Fortschritt und einer klaren Richtung in die es gehen soll? Und gibt es überhaupt ein konkretes Ziel für dich?

Ich lebe derzeit selbst völlig ohne Verpflichtungen, kennen keinen Stress, arbeite maximal drei Stunden am Tag, habe viel Zeit um meinen Körper zu entwickeln und doch treibt mich dieses Übermaß an Frei-zeit oft in belanglose Zeitvertreibung. Ja, ich habe große Projekte aber genauso einfach ist es auch nichts zu tun, weil ich nicht muss. Für mich persönlich lerne ich daraus, dass ich Freizeit nur genießen kann, wenn ich den Großteil des Tages dafür verwende auf etwas hinzuarbeiten dass mich erfüllt. Das ist mein täglicher Kampf gegen den Schweinehund wenn man so will, der zu recht sagt ich könnte auch einfach chillen, was aber meist in Lethargie endet. Wie gehst du Christian Zippel damit um?

Gerne möchte ich diese Frage auch an alle hier im Forum stellen, mit welcher Perspektive, Ziele oder von was angetrieben lebt ihr euren Tag?
Sind es alltägliche Verpflichtungen wie Beruf, Familie um die ihr euch eben einfach kümmern müsst oder was lässt euch jeden morgen aufstehen und zufrieden sein?

AntwortZitat
Veröffentlicht : 17. August 2019 12:59
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Petrosilius
(@petrosilius)
Mitglied Member

@chriss

Hallo Chriss,

freut mich, dass Du dieses Thema aufgreifst. Ich denke das läuft in Wellen oder Phasen ab. Ich hatte die letzten 6 Monate auch viel Zeit. Habe diese aber auch genutzt um zu lesen, zu trainieren, mich weiter zu bilden und zu entwickeln. Vielleicht kennst du die Bedürfnis-Pyramide nach Maslow. Auf der letzten Stufe - also ganz oben - steht die Selbstverwirklichung. Aber was bedeutet das genau? Ich habe tief in mich reingehorcht. Da gab und gibt es Sachen, die schon immer in mir waren. Die wurden beiseite geschoben um erstmal eine "normale Karriere" zu machen. Lehre, Studium, Job, Heirat, Kinder. Eben diese Sachen, die man so von außen auf einen projiziert. Schön vernünftig halt. Irgendwann wurde ich aber unzufrieden, begann nachzuforschen warum. Da kam der Zippel mit seinen Büchern um die Ecke und Schwupps - war ich erleuchtet. Bin heute nicht mehr so angepasst und mache die Sachen, die in mir schlummern und an die Oberfläche drücken.

Wahrscheinlich habe ich auch Glück, da ich z.B. in der Erziehung, dem Coaching und in dem Kontakt und dem Leben mit meinen Kindern eine enorme Befriedigung erfahre (Geld für Nahrung, immer früh raus wegen der Schule, kochen, einkaufen, Hausaufgaben, Vokabeln, Probleme, Pubertät, Sportvereine, andere Eltern, Freizeitbespaßung, Papa-Taxi, Geld für allerlei Aktivitäten, Kleidung, Schuhe...). Ich habe viel von meinen Kindern gelernt und lerne noch.

Ich verpflichte mich beruflich nur noch für maximal 5 Jahre. Dann bemerke ich den Drang mich weiter zu entwickeln. Mir macht es nichts aus wieder neu anzufangen, diese Angst zu überwinden. Wie Christian sagt: "meine Sicherheit ist die Unsicherheit".

Das bedeutet, die Zeit zwischen den anvisierten Zielen, ist eine Zeit der Muße. Eine Zeit in der man sich auf sich selbst konzentrieren kann. Dann aber muss wieder eine Zeit des Schaffens folgen, sonst wird es auch langweilig und öd. Und dann ist natürlich der Lethargie Tür und Tor geöffnet.

Nur rumzurödeln, ohne Zeit der Reflektion, macht auch keinen Sinn. Dann wacht man irgendwann auf, versucht das Steuer zu reißen und stößt damit sein Umfeld vor den Kopf. Scheiß auf den Plan! Heute trainiere ich intuitiv, ich arbeite intuitiv, ich lebe intuitiv. Spontanität ist wichtig. Und Spaß muss es machen. Zwischendurch mal auf die Zähne zu beißen um Schaffenskraft zu entwickeln und Durststrecken zu überwinden sind elementar. Sonst verweichlichen wir. In den Zusammenhang mochte ich gerne den Buchautor Boris Cyrulnik erwähnen. Sein Buch "Rette dich, das Leben ruft", hat mir aufgezeigt, dass das Leben ohne Widerstand, Probleme und Stressphasen nur dafür sorgt, dass wir bei geringsten Problemen zusammenbrechen. Thema Resilienz. Ich diesem Sinne gehe dann halt auch mal meinen Kindern gehörig auf den Sack.

So! Jetzt geh ich trainieren! Bis dann...

AntwortZitat
Veröffentlicht : 17. August 2019 14:25
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Fabian
(@fabian)
Mitglied Member

Hallo Chriss und Petrosilius,

sehr interessantes Thema!

Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Thema in der Zukunft noch sehr an Bedeutung gewinnen könnte. Wenn sich die KI / Robotik so entwickelt wie es manche erwarten, könnte sich der Mensch noch mehr "Freizeit" leißten, quasi in Richtung eines bedingungslosen Kultureinkommens wie es der DM-Chef Götz Werner und andere schon lange fordern. Es gibt sogar eine Stiftung die zufällig gezogenen Kanditaten ein solches Grundeinkommen für ein Jahr finanziert um zu erforschen wie die Teilnehmer damit klar kommen. Es gibt Einige die Reisen um die Welt, schreiben ein Buch, gehen den Jakobsweg oder führen einfach ein "Lotterleben". Alles ist erlaubt. Ich bin sehr gespannt was die Studeinergebnisse bringen.

Ich persönlich fühle mich nur wohl wenn ich einer (oder mehrer) Aufgaben nach gehe. In den Tag leben oder "faulenzen" kann ich nicht oder muss es vielleicht noch lernen. Das heißt allerdings nicht das ich nicht entspannen kann. Sauna, Meditation, Autogenes Training oder Wandern sind mein Wahl. Fernsehen, Zocken, auf dem Sofa liegen langweilen mich nur. Aber das meine ich nicht wertend. Wem das gefällt verurteile ich nicht. Es ist nur einfach nicht mein Ding.

@Petrosilius hat einen sehr interessanten Punkt beschrieben. Das Wachsen am Widerstand. Ich kann zu diesem Thema den Podcast von Joe Rogan und Jocko Willink (#962) sehr empfehlen. Sie sprechen darüber wie man bewusst Dinge anfängt die hart sind und/oder die man nicht kann, um an diesem Struggle zu wachsen. Jocko selbst ist in Militärpension und ist trotzdem vor allen anderen wach und am Trainieren. Nicht weil er es müsste sondern weil er es will. 

Kinder geben dem Leben denke ich auch eine gewisse Struktur. Ich kann da zwar noch nicht aus Erfahrung reden aber könnte mir vorstellen in ein paar Jahren selber Vater zu werden. Wenn man die Arbeit von Jordan Peterson studiert, redet er häufig darüber, dass jungen Männern heutzutage die Verantwortung im Leben fehlt. Ein Familie zu ernähren und Kinder zu erziehen ist denke ich ein erhebliches Maß an Verantwortung und vielleicht auch evolutionär gesehen der "Sinn des Lebens". So argumentiert zumindest Mihail Cikzentmihayl (einigen bestimmt aus dem Flow-Phänomen) bekannt. Damit will ich nicht sagen das jeder junge Mann jetzt Vater werden soll um Verantwortung zu haben. Allerdings stimme ich Jordan Peterson insofern zu, als dass jungen Menschen viel zu viel abgenommen wird. Ich spreche teilweise aus Erfahrung, da auch meine Generation sehr "verweichelt" ist. Mich eingeschlossen wohl gemerkt. Allerdings versuche ich den fehlenden "echten" Widerstand durch künstlichen Widerstand zu ersetzen. Kraftsport, Kickboxen und Krav Maga bringen mich häufig an meine körperlichen Grenzen - machen mich aber umso stärker wenn ich diese Grenzen überwunden habe. 

Der Beruf kann dem Leben sicherlich auch eine Struktur geben. Wir wissen aus der Forschung das Arbeitslosigkeit durchaus signifikant das Risiko für eine Depression oder/und Angststörung erhöht und das die tägliche Arbeit (in Maßen wohlgemerkt) ein großes salutogenens Potential hat. Die andere Seite der Medaille und das wird häufig übersehen, ist allerdings, dass Menschen die sich besonders stark mit ihrem Beruf identifizieren (im Sinne von Berufung) gefährdet sind sich aufzuopfern und die Selbstfürsorge vernachlässigen. So haben sehr engagierte Menschen in Pflege- und Helferberufen ein hohes Burnout-Risiko. Was man also manchmal ließt vonwegen nur Menschen die ihren Beruf hassen sind stressgefährdet oder "If you love your job you will never work a day in your life" sehe ich durch meine empirische Brille sehr skeptisch. Persönlich arbeite ich als Projektmanager in einem super Team und liebe meinen Job. Auch ich muss daher darauf achten das ich nicht mein Privatleben und meine Hobbys vernachlässige. Nicht weil ich im Hamsterrad stecke sondern weil ich einfach Bock habe 😀 

So ich habe einfach mal meine Gedanken fließen lassen. Hoffe das ist trotzdem relativ strukuriert und lesbar.

Treibende Grüße!

 

Fabian

AntwortZitat
Veröffentlicht : 19. August 2019 15:13
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Dr. Z
(@dr-z)
Tanzend leben - lachend sterben Moderator
Veröffentlicht von: @chriss

wie schaffst du es für dich das greifbar zu machen in Form von Zielen, messbaren Fortschritt und einer klaren Richtung in die es gehen soll? Und gibt es überhaupt ein konkretes Ziel für dich?

Das ist mein täglicher Kampf gegen den Schweinehund wenn man so will, der zu recht sagt ich könnte auch einfach chillen, was aber meist in Lethargie endet. Wie gehst du Christian Zippel damit um?

Ich habe aufgehört, das alles wirklich ernst zu nehmen. Damit es nicht langweilig wird, implementiere monatliche Spaßprojekte (wie Maxkraft, Floating usw) und einen umfassenderen Schwerpunkt, in dem ich langfristig Meisterschaft erlangen möchte, aktuell Maskulinität.

 

Chillen hingegen liegt nicht in meiner Persönlichkeit. Und der Schweinehund wurde zum Schosshund erzogen. Ich leb zwar extrem entspannt/stressfrei, aber ohne Projekte will ich nicht existieren.

 

Zu dem Thema des Threads habe ich auch mal einen generellen Artikel verfasst. Ihr findet ihn unter den Updates: https://amor-fati.world/what-is-it-worth-living-for-fighting-for-dying-for/  

AntwortZitat
Veröffentlicht : 20. August 2019 10:51
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