Der Wille zur Kraft meets Powerlifting

von | 10. Mai 2019 | Der Wille zur Kraft (Archiv) | 0 Kommentare

Eine Ode an die Maximalkraft…

 

Christian:

Lieber Dietmar, wenn ich auf Deine Seite gehe, springen mir direkt drei Zahlen ins Gesicht, die mich erstmal sprachlos werden lassen: 425 – 301,5 – 350.

Welch ein Niveau. Dabei geht es natürlich um Deine Leistungen bei den drei Disziplinen des Kraftdreikampfes: Kniebeuge, Bankdrücken, Kreuzheben. Deine Leistungen in der Beuge mit über 400 kg und über 300 kg auf der Bank sind Weltklasse und mit Deinem besten ‚Total‘ von sage und schreibe 1065 kg bist Du einer der stärksten Powerlifter überhaupt.

Auf dem Weg dorthin hast Du Dir zahlreiche Meistertitel bis hin zum Weltmeister erkämpft, einen Rekord nach dem anderen gebrochen und warst auch ansonsten immer für weitere Spielereien und Kraftproben bereit, wie z.B. für Strongman-Wettkämpfe, Hochgeschwindigkeitsradtouren oder die Disziplin des Backofenweitwurfs, die Du ebenfalls allesamt herausragend meistern konntest.

Dietmar, alles nur Veranlagung? Hat Dich die genetische Glücksfee geküsst und Du nur den richtigen Sport gewählt oder wie war es Dir möglich, Deinen Körper zu immer unvorstellbareren Kraftleistungen bewegen zu können? Worauf kommt es wirklich an, wenn es darum geht, immer wieder aufs Neue die eigenen Grenzen zu überwinden und immer stärker, stärkerer und noch stärkerer zu werden?

 

Dietmar:

Ich denke, die Veranlagung ist nur ein Eckpfeiler von vielen auf dem Weg zum Ziel. Wie überall im Leben muss man alles geben, um sich maximal zu entwickeln, egal in welche Richtung. Eine Schlüsselstelle jeder Karriere ist, dass man seinen Zielen treu bleiben muss und niemals aufgeben darf. Beständigkeit kombiniert mit Verzicht und Hingabe führt immer und überall zum Erfolg.

Viele bremsen sich selbst aus, indem sie ihre Wünsche von vornherein begrenzen, weil sie nicht an Größeres glauben und ihr Talent somit nicht voll entfalten. Gegenwärtig kann niemand sagen, zu was er fähig ist. Somit können Ziele, die man sich heute vornimmt, nur Teiletappen zum Endziel sein. Ein Traum, der Ursprung eines jeden Ziels, muss mit aller Kraft verfolgt werden, um Plateaus zu überwinden und sich immer weiter zu verbessern.

Man muss sich stetig suggerieren, was man genau erreichen möchte. Die Ziele, von denen die meisten sprechen, sind Träume und bleiben Träume, keine Visionen – sprich, Ziele. Wenn man von seinem Tun überzeugt ist und weiß, zu was es führt, gibt es niemals Motivationsprobleme. Wer motiviert ist, findet immer einen Weg, sich zu entwickeln.

Ich habe kein Geheimnis. Anfangs unbewusst, heute mit voller Überzeugung handle ich immer nach folgendem Grundsatz:

„Anderer Glaube, anderes Denken, anderes Handeln, andere Ergebnisse.“

Von Anfang an wollte ich immer wissen, was in mir steckt und habe erst von der Hantel gelassen, wenn mich meine Kräfte verlassen haben. Das war wohl auch die Schlüsselstelle, wo mir klar wurde, dass ich im Bodybuilding nichts verloren habe, sondern schwere Gewichte meine Leidenschaft sind. Das Verlangen sich selbst aus eigener Kraft bis an die Grenzen treiben zu können, ist die Basis für den Erfolg.

Motivationsprobleme hatte ich nie, weil mir bewusst war, dass ich den Weg, den ich mir in meinen Phantasien gepflastert habe, mit meinem Tun in großen Schritten beschreite. Aus diesen Erfolgen schöpfte ich neue Energie, die ich als erstes in neue, noch verrücktere Träume investierte. Diesen Erfolgskreislauf muss man aufrecht erhalten, dann ist alles erreichbar. Wer für etwas große Leidenschaft aufbringt, wird sich ständig verbessern, überall.

 

Christian:

Die Worte eines Champions. Wenn man genau hinhört, wird man von anderen erfolgreichen Menschen auch immer wieder ähnliches hören. Es gibt keine Geheimnisse – nichts, worauf diejenigen hoffen könnten, die ihr Leben lieber etwas entspannter angehen und dennoch erfolgreich sein wollen – es gibt nur harte Arbeit.

Harte Arbeit bedeutet Hingabe, Verzicht, Beharrlichkeit, Progressivität u.v.m., was nun einmal alles zu einer starken und zielstrebigen Persönlichkeit gehört. Erfolg kann man nicht kaufen. Man muss ihn sich selbst verdienen. Dies gilt natürlich auch im Kraftdreikampf, bzw. Powerlifting. Bei dieser schwersten und stärksten Sportart der Welt geht es vor allem um eine möglichst hohe Maximalkraft in den drei wichtigen Grundübungen: Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben. Da hier die Bewegungen weniger komplex sind als beim Reißen und Stoßen des Gewichthebens, werden hierbei auch deutlich höhere Gewichte bewegt – sogar die höchsten der gesamten Sportwelt.

Dietmar, Du hast hier schier übermenschliche Kräfte in die Form Deines Körpers gießen und im Wettkampf an der Hantel entfesseln können. Wärst Du evtl. bereit, uns ein paar Takte darüber zu gönnen, wie es Dir – abseits von den bereits erwähnten Anforderungen an die mentale Einstellung – möglich war, Dich auf dermaßen hohe Gewichtsniveaus hinaufzukämpfen?

Wie war es Dir z.B. möglich, schlussendlich über 300 kg auf der Bank zu drücken? Was sind die Vorgehensweisen, Systeme und Prinzipien, die sich in Deiner jahrelangen Erfahrung als die besten herauskristallisiert haben, um möglichst stark zu werden? 3x3? Training mit Bändern und Ketten? Schnellkrafttraining? Periodisierung? Neben-/Isolationsübungen? Was scheint Dir überbewertet und was essentiell zu sein? Worauf sollte man sich konzentrieren und was kann man getrost vergessen? Bitte kläre uns ein wenig über Deine ganz persönlichen Go’s und No Go’s der Maximalkraftsteigerung auf!

 

Dietmar:

Man wächst in diese Aufgabe hinein. Mein Ziel war es einfach, immer stärker zu werden und mich weiterzuentwickeln in puncto Kraft, Masse und Maße. Die 300 kg Bankdrücken hatte ich erst als ernsthaftes Ziel, nachdem ich als 24-jähriger 265 kg mit einlagigem Inzer EHPHD Hemd geschoben hatte.

Die Voraussetzungen waren vor 10 Jahren mit dem damaligen Equipment ganz andere als heute, darum sind die 300 kg sehr relativ zu bewerten, wenn man vom heutigen Equipment ausgeht. Ich habe einmal 3 Wochen nach der Deutschen, wo der Saft eh raus ist, mit nur noch 132 kg Körpergewicht 240 kg für 5 Wdh. und danach 250 kg für eine Wdh. RAW gedrückt. Ich denke das ist eher eine Marke und gleichzeitig auch meine einzige, da ich niemals experimentierte und von meinem Trainingsplan (mit Equipment) abwich.

Meine Zielsetzung basierte jedenfalls auf der Grundlage, dies im Dreikampf zu drücken. Bankdrücken allein war für mich uninteressant. Ebenso war es mir sehr wichtig, meine Kraft RAW zu steigern, weil dies der einzige Weg für mich war, zu erfahren, ob ich mich gesteigert habe und nicht nur meine Wettkampfbestleistung gesteigert hatte.

Da ich mein Hemd sehr locker selbst anziehen konnte, waren Trainingstechniken mit Bändern, Ketten usw. nicht nötig. Darum habe ich überhaupt nichts davon in mein Training eingebaut. Es hat mich nicht mehr befriedigt nur noch das neueste Equipment zu tragen um stärker zu werden. Mein Ziel waren 300 kg zu drücken und nicht, mich darum zu scheren wie ich mit 300 kg auf die Brust komme, was ich bis heute nicht befürworte!

Mein Augenmerk lag auch nicht voll beim Bankdrücken, sondern darauf mein Total so hoch wie möglich zu schrauben, indem ich meine Körperkraft überall steigere. Das setzt ein wettkampfnahes Training voraus, indem man teilweise alle Hauptlifts an einem Training durchzieht. Wer nach schweren Beugen noch schweres Bankdrücken macht, der weiß, wovon er spricht. In Zahlen waren das bei mir z. B. 370 kg im Satz beugen und danach 270 kg im Satz drücken.

Auf dem Weg dahin habe ich sehr viele Trainingspläne getestet. Ein Erfolgskonzept in einen kurzen Text zu verpacken der für alle Sportler mit unterschiedlichen Erfahrungen und Leistungsständen verständlich, nachvollziehbar und umsetzbar ist, ist sehr schwierig – eigentlich unmöglich. Das Wichtigste im Training ist meiner Meinung nach die Intensität, die richtig „dosiert“ der Garant und die Basis für den Erfolg ist.

Was bringt ein 5x5 oder x-beliebiges System, wenn man nicht Vollgas gibt? Ein fortgeschrittener Athlet muss sein Training genau planen und gestalten. Man trainiert nicht oft im Grenzbereich, aber wenn so ein Training ansteht, dann muss man auf den Punkt, hier und jetzt, alles geben können. Die Kunst ist es die Einheiten richtig zu legen, so dass man den Peak der Max-Spitzen innerhalb des Trainingsplans und Zyklus, möglichst in die Höhe bekommt und sich nicht verletzt oder übertrainert.

Regelmäßig begleite ich Sportler die sich im Training über die Schulter schauen lassen. Jeder ist von seinem Tun überzeugt und der festen Meinung, dass sie sich schon im Grenzbereich befinden, was aber nicht einmal ansatzweise so ist. Was bringt also ein Plan der „genau berechnet“ ist, wenn die Basisdaten, die ich vermittelt bekomme, nicht stimmen, weil der Sportler nicht weiß, zu was er fähig ist? Wenn man sie dann darauf hinweist, erntet man nur ungläubiges Staunen oder legt sich eine Ausrede parat, weil man ja nicht so gut veranlagt ist.

Man muss seine Trainingsweise sehr kritisch von einem außen stehenden Fachmann kontrollieren lassen, um ein realistisches Bild von seiner eigenen Ausführung und vor allem der Intensität zu erhalten. Es gibt keine Ausreden, sondern nur hartes Training!

Folgende Punkte sollten penibel eingehalten werden, um Erfolg zu gewährleisten:

Das Training ist der Mittelpunkt im Leben; ausschlaggebend sind die schweren Einheiten und das heißt – nicht viel, sondern hart trainieren; es gibt keine Lieblingsübung; nach Verletzungen nicht aufgeben, sondern ein Alternativtraining durchspulen; bewusst ernähren, inkl. Supplements; regelmäßig Kohlenhydrate zuführen; alles, was für das Training kontraproduktiv ist, ausblenden und nur noch auf das Wesentliche konzentrieren. Und vor allem – nicht so viel über das Training reden und philosophieren, sondern alles umsetzen und TUN!

Manager planen jedes Detail bis zur Perfektion und wissen genau was zu tun ist, um Erfolg zu haben. Bildlich gesprochen, wird stundenlang philosophiert wie man die Umwelt retten kann und wie man den Müll trennt, aber kein Schwein bringt ihn runter zur Tonne!

Alles Wissen ist unnütz, wenn man es nicht an der Hantel umsetzt! Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg, sondern nur den harten, schweren Weg, den nur Auserlesene bezwingen.
Kann man auf etwas, für das man wenig Energie aufbringt, stolz sein?

 

Christian:

Ich denke nicht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich auf genau solch eine Antwort gehofft. Sie soll uns anderen allen zeigen, dass es keine Geheimnisse gibt. Keinen Geheimplan, keine best. Vorgehensweisen, die nur Profis kennen, aber nicht verraten, und auch keine Abkürzungen, die es zu entdecken gilt. Es geht darum, sich selbst zu überwinden, um eine höhere Stufe des Glaubens, Denkens und Handelns zu erreichen und um nichts anderes. Wer dazu nicht fähig ist und immer in seiner Komfortzone bleibt, wird sich nie hinauf entwickeln können, ganz egal, was er für Pläne und Systeme verfolgt. Die Suche nach dem Erfolgsplan oder -Supp schlechthin ist nichts weiter als verschwendete Zeit.

Die Verantwortung liegt ganz alleine beim Athleten selbst; weder bei der Wissenschaft noch der Industrie. Was man draußen in der großen weiten Welt sucht, liegt in Wahrheit schon längst in einem selbst verborgen. Man muss sich quasi nur selbst finden, um endlich erfolgreich sein zu können.

Dietmar, Du hast darauf hingewiesen, dass ein Kraftdreikämpfer wettkampfnah trainiert und somit normalerweise auch alle drei Lifts in einer einzigen Trainingseinheit trainiert und das ganz sicher nicht nur einmal pro Woche. Wie regulierst Du die anderen Trainingsparameter wie z.B. Erschöpfung und Volumen, um solch eine hohe Trainingsfrequenz dauerhaft umsetzen zu können?

Was meinst Du, wenn Du den Begriff „Intensität“ als das Maß aller Dinge (Trainingsparameter) verwendest, wenn es darum gehen soll, groß und stark zu werden? Beziehst Du Dich dabei eher auf die bewegte Gewichtslast oder vielmehr auf die Intensität, die durch akkumulierte Erschöpfungszustände und das Training bis zum absoluten Muskelversagen provoziert wird, wobei das Gewicht selbst nur ein Mittel zum Zweck ist?

 

Dietmar:

Es gibt keinen weiteren Zweck als das Gewicht im Dreikampf.

Das Gewicht steigere ich, indem ich dauerhaft die Intensität steigere und anders herum. Da man diesen Kreislauf nicht linear verfolgen kann, gibt es bestimmte Grundlagen und Kniffe, die dazu dienen, Erfolg zu haben. Diese machen aus einem Normalo noch keinen Athleten. Sie verhelfen nur schneller das persönliche Limit auszureizen, bzw. eine Ebene zu erreichen, die der Sportler ohne Hilfe nie hätte erklimmen können. Beispielsweise Veränderungen an der Übungsausführung, optimierte Technik, abgestimmte Ernährung sowie Zusätze in Form von Supplements. Ich kann nur jedem Kreatin ans Herz legen. Kreatin ist in puncto Kraft und Masse sehr zuverlässig und wirkt sofort bei jedem ernsthaft Trainierenden. In Kürze ist ein neues Produkt erhältlich, an dem ich auch mit entwickle. Ich werde auf meiner Homepage informieren, wenn dieses im Handel zu erwerben ist. Vielen Dank an meinen Sponsor TESTOPLEX an dieser Stelle, der mich die ganzen Jahre über bis heute super unterstützt!

Den Erfolgsplan gibt es auch – er ist nicht das Nonplusultra von der Stange für jeden, sondern viel mehr spreche ich von einen Trainingskonzept, einem Trainingsprinzip, das richtig angewandt garantiert zum Erfolg führt! Ich denke jeder Wettkampfsportler trainiert „wettkampfnah“. Was ich damit für mein persönliches Training ausdrücken wollte, war vielmehr eine Wettkampfsimulation, um die Strapazen dann durchzustehen. Schließlich bringt es nichts, wenn ich an einzelnen Trainingstagen Bestleistungen in den Einzeldisziplinen aufstelle, am Wettkampf selbst dann aber keine Kraft mehr da ist, um auch noch im Kreuzheben volle Power abrufen zu können.

Für die Regulation der Parameter Erschöpfung und Volumen ist wieder mal Intensität das Zauberwort, die die ganze Zeit richtig dosiert werden muss. Hohes Volumen und hohe Intensität schließen sich dauerhaft aus. Eine professionelle Trainingsplanung ist in 3 Phasen eingeteilt: Aufbauphase, Training intra- u. intermuskuläre Koordination, Wettkampfphase. In diesen Phasen werden die Hauptlifts sowie spezielle Nebenübungen trainiert, um evtl. Schwächen auszumerzen. Die Intensität ist für den gesamten Ablauf genau geplant, um nicht überzutrainieren und am Wettkampftag die maximal antrainierte Kraft zu zeigen.

Anfangs des Trainingsplanes gibt es bei mir ebenso Phasen hoher Intensität. Natürlich ist diese nur bedingt vom Trainingsgewicht abhängig. Viel Volumen, niederes Gewicht, heißt bei mir beim Beugen 5x8 mit 290 kg (pro Satz 5 kg fallend) nur mit Gürtel. Relativ hohes Gewicht ist kein Garant für intensives Training, wenn man nicht an seine Grenze geht. Wenn ein Athlet 400 beugen kann, in seiner Einheit aber nur einen Max. mit 380 macht, dann ist jedes Training mit niederem Gewicht, in dem bis zur absoluten Grenze trainiert wird, intensiver – sprich, die Intensität war demnach höher.

Es bringt aber auch nichts, auf Teufel komm raus an seine Grenzen zu trainieren. Die Übungen, Sätze, Wiederholungen und Teilwiederholungen müssen auf jeden Sportler abgestimmt werden, um maximale Erfolge zu generieren. Ich weiß, dass es Athleten gibt, die erzählen, dass es kein Übertraining gibt. Dazu nur soviel – diese Menschen haben nie schwer trainiert. Das behaupte ich aus Überzeugung.

All dieses Training bringt nichts, wenn man es am Wettkampf nicht zeigen, bzw. die Kraft nicht abrufen kann. Um bereit für eine schwere Einheit oder am Wettkampftag fit zu sein, habe ich jeden Tag visualisiert und mich darin sehr gut entwickelt. Auch mit Hypnose habe ich Erfahrungen gemacht. Ich bin ein visueller Typ und habe mir vor meinem Traumtraining Bilder und Videos von Leistungen angesehen, die ich auch schaffen wollte, bzw. gesehen habe oder die es nur in meiner eigenen Vorstellung gab, in meiner eigenen Welt existierten.

Um in diese Traumphase/Trance zu gelangen habe ich nebenbei Musik gehört, die mich auf dieses Level brachte. Wenn man dies regelmäßig anwendet, erreicht man immer schneller und leichter diesen Zustand, der immer intensiver wird. Dazu sollte man dann noch wissen, dass das Gehirn zwischen diesen selbst implizierten Taten und wirklich erlebten nicht unterscheiden kann.

Dem Visionär ist alles möglich. Die 300 kg habe ich oft gedrückt, sehr oft. Aber leider nur in meiner Vorstellung. Vor dem Wettkampf war diese dann so real, dass ich sogar das Magnesium gerochen habe. So heiß war ich auf diese Last.

Am Wettkampf wird dann nur noch der Hebel umgelegt und der selbst gesponnene Film läuft ab. Wenn zusätzlich das Training gut geplant und durchgezogen wurde und das auch im Bewusstsein ist, potenziert sich die Wettkampfbereitschaft zusätzlich. Es war so klar, dass meine Bestleistung fällt. Darum hielt sich meine Freude danach in Grenzen. Es war ja eh schon geistig abgehakt.

 

Christian:

Worauf es bei pragmatischem und erfolgreichem Training wirklich ankommt, hast Du sehr schön formuliert und auch bewiesen: Man muss sich durch ein wechselseitiges Steigern von Gewicht und Intensität in den Olymp der Stärke hinauf hangeln. Ein eingleisiges Fahren nur auf der Gewichts- oder Intensitätsschiene allein bringt hier langfristig niemanden voran, da lineares Wachstum bei derart komplexen biologischen Prozessen nichts weiter ist als ein Wunschtraum.

Sicherlich ist es auch das Problem vieler massetechnisch orientierter Athleten, dass sie zu sehr auf die Intensitätsschiene vertrauen, das Gewicht nur als Mittel sehen, und sich nie wirklich ernsthaft um eine Steigerung ihrer Maximalkraft bemühen, wodurch wiederum ihre Trainingsintensität langfristig stagniert. Sie wollen immer nur auf Masse trainieren und vernachlässigen dabei ihre Kraft so sehr, dass sie dadurch ihren sehnlichsten Wunsch nach mehr Masse selbstverschuldet bremsen. Manchmal muss man eben Umwege gehen, wenn man möglichst schnell vorankommen möchte.

Dietmar, wie sieht es umgekehrt für den Powerlifter aus? Ist es sinnvoll, gezielt so viel Masse wie möglich aufzubauen, um dadurch dem eigenen Ziel von maximal möglicher Stärke noch näher zu kommen? Wie ist Deine persönliche Erfahrung mit dem Nutzen dieser Vorgehensweise und welche Rolle spielt die Ernährung dabei?

 

Dietmar:

Die maximale Leistung des Körpers abzurufen, sollte den höchsten Stellenwert im Leben eines Powerlifters haben.

Ich spreche nicht von der relativen Kraft, die man in den dafür vorgesehen Gewichtsklassen zeigen kann, sondern von einer maximalen, absoluten Kraft, wonach jeder Sportler streben sollte. Es ist beeindruckend, zu sehen, wie viel Gewicht auch in den niederen Gewichtsklassen bewegt wird, aber ich konnte den Gedanken nicht ertragen, Leistung zu verschenken, weil ich absichtlich keine zusätzlichen Muskeln aufbaue.

Wenn man ein bestimmtes Körpergewicht hält, um eine Gewichtsklasse nicht zu überspringen, wird die eigene Entwicklung gehemmt, wodurch man das eigene Potenzial nicht voll auszuschöpfen vermag. Meine Maxime war immer, soviel aufzupacken, wie es nur ging, um dann aus diesem Paket die maximal mögliche Power zu generieren. Üblicherweise wird ein und dieselbe Person bei Zunahme von Körpermasse immer stärker.

Egal wie hart man trainiert – nur vom Heben schwerer Hanteln bekommt man kein Kreuz wie ein Bär. Muskeln bauen sich nicht durch Luft auf. Man muss sehr bewusst, regelmäßig und ausgiebig Nahrung zuführen, woran viele scheitern und es wieder einmal auf die schlechte Veranlagung schieben. Wer schon einmal dauerhaft 8000 kcal und mehr pro Tag zu sich genommen hat, weiß wie man sich dabei bei 35 Grad Celsius fühlt. Ich selbst habe die Veranlagung, dass ich nicht so schnell Körperfett zulege, sondern mein Körper anhand einer höheren Körpertemperatur versucht, diese zusätzlichen Kalorien zu verbrennen. Ein sehr unangenehmer Effekt, wenn man im Sommer so einer Bullenhitze ausgeliefert ist und dann noch ein schweres Training durchziehen möchte.

Alle Trainingskomponenten sollten harmonieren und in einem gesunden Mittelweg gelebt werden. Riesige Portionen verschlingen ist nicht alles, man muss ja in erster Linie „trainingsfähig“ sein. Darum muss man, egal ob Bodybuilder oder Kraftdreikämpfer, seinen Körper bestimmten Phasen ausliefern, um maximale Erfolge zu verzeichnen. Ich stehe jedem Sportler für ein kostenloses Probetraining zur Verfügung. Erfolg kann man planen.

 

Christian:

Ja, die absolute Ausschöpfung des eigenen Potenzials. Das ist die Vision schlechthin für jeden ernsthaften Athleten. Im Powerlifting ist es die maximal mögliche Kraft, die man als Einzelkämpfer in den drei ‚Slow Lifts‘ (als Pendant der ‚Fast Lifts‘ im Olympischen Gewichtheben) freisetzen kann. Im Bodybuilding ist es die maximal mögliche Kombination von Masse und Ästhetik.

Weder Powerlifting noch Bodybuilding sind jedoch olympische Disziplinen. Wir führen ein Schattendasein in der Gesellschaft. Warum sollte man sich dennoch für das Powerlifting entscheiden, Dietmar? Was ist das Besondere daran? Ist Powerlifting mehr als nur eine Ersatzsportart für all die überdurchschnittlich starken Bodybuilder, die ihren Körperfettgehalt nicht in den Griff bekommen?

 

Dietmar:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein Interessent ein Studio oder eine sonstige Trainingsstätte betritt, dabei gezielt nach Powerlifting fragt und gezielt darauf trainiert. Meist sind die Anfänger durch irgendeine Leitfigur aus dem Fernsehen inspiriert worden, haben sich Neujahrsziele gesetzt oder haben gesundheitliche Probleme, wenn sie den Weg ins Fitnessstudio suchen. Man beginnt einfach ohne ein Ziel, so ist es im Großen und Ganzen. Es muss erstmal das Feuer entfacht werden, dass einen überhaupt motiviert, weiterzumachen.

Wenn man dann die erste Phase überstanden hat und regelmäßig über einen längeren Zeitraum trainiert, bemerkt man relativ schnell, was für Veränderungen am eigenen Körper stattgefunden haben. Nun kommt der Punkt, an dem man entweder gezielt eine Richtung einschlägt, Wettkämpfe anpeilt, oder diesen Sport ganz an den Nagel hängt.

Ich habe selbst auch mit Bodybuilding angefangen und wollte Muskeln aufbauen. Da ich aber vom Leistungssport kam, widerstrebte es mir trotz guter Veranlagung total, einen muskulösen Körper aufzubauen, der im Prinzip nur Zierde ist und nichts leistet.

Ein durch Kraftsport gestählter Körper ist für jede externe Sportart von Vorteil und das reizt mich sehr. Ich wollte mich einfach steigern – überall! Bei mir war das Training im Vordergrund. Selbstverständlich ist die Ernährung am Erfolg immens wichtig, aber das hat für mich nichts mit Sport zu tun. Ich möchte im Kraftraum schwitzen und meine Grenzen testen, nicht in der Küche stehen, den Kochlöffel schwingen und mir den ganzen Tag über die Ernährung den Kopf zerbrechen.

Von daher sehe ich es genau anders herum, als wie oben geschildert. Wenn man jetzt einmal die Gewichtsklassen außer Acht lässt, kann man ganz allgemein behaupten: Der Kraftsportler ist der Athlet mit dem Powerkörper, der etwas leistet, sein Können am Wettkampf zeigt und als Nebenprodukt Muskeln aufbaut. Das ist wohl auch der Grund warum Gewichtheben olympisch ist. Am Wettkampf gibt es keine Spekulationen, ob ein Sieg gerecht ist oder nicht. Es entscheidet kein subjektives Erscheinungsbild über Sieg oder Niederlage, sondern nur die erbrachte, messbare Leistung am Wettkampftag.

Der Bodybuilder ist der Sportler mit dem Showkörper, trainiert nicht auf Höchstleistungen, am Wettkampf wird der Körper, keine Leistung präsentiert. Der eine trainiert hart für einen 55cm Oberarm, der andere pumpt sich mit lächerlichen Gewichten einen 56cm Oberarm an. Leistung ist hier nicht messbar, wo kann man die sportliche Leistung sehen? Wenn es im Bodybuilding ein Ideal gäbe, würde sich nicht dauernd der (Masse-)Trend ändern. Arnold sagte, er war perfekt, heute wird er müde belächelt. Wie kann sich das Ideal derart ändern, was oder wer ist richtungsweisend? Nicht einmal im Wettkampf ist dies gegeben. Sogar dort entscheiden Kampfrichter mit ihren subjektiven, leider nicht immer einstimmigen Bewertungen.

Ich möchte mit meiner Stellungnahme niemanden angreifen. Es sind die Beweggründe, die mich dazu gebracht haben, mich in Richtung Powerlifting zu orientieren.

 

Christian:

Was hier am Ende zählt, ist das ‚Total‘ und das unabhängig vom körperlichen Erscheinungsbild. Der Erfolg lässt sich klar beziffern. Er ist die Antwort auf die Frage: Wie stark bin ich wirklich? Was kann ich beugen, was kann ich drücken und was kann ich heben?

Bereits das schwerpunktmäßige, intensive und progressive Trainieren genau dieser drei Power Lifts wird jeden Menschen zu einer umfassenden körperlichen Stärke sowie Robustheit verhelfen und darüber hinaus zu einem Körper, wie ihn sich so unheimlich viele Freizeitathleten wünschen und mit all ihrem Isolations- und Maschinentraining doch nie erreichen werden.

Dietmar, wir haben nun ausgiebig über das Thema Powerlifting gesprochen. Aber das ist nicht nur für Powerlifter von Bedeutung. Auch Bodybuilder können von der damit einhergehenden Lebens- und Trainingsphilosophie stark profitieren. Welche Ratschläge und Tipps würdest Du einem Bodybuilder mit auf dem Weg geben, dem es vorwiegend um einen massigen und schönen Körper geht? Was kann ein Bodybuilder vom Powerlifting lernen? Und darüber hinaus: Welchen Nutzen bietet das Powerlifting für jeden ernsthaften Athleten – insbesondere für diejenigen, in deren Disziplin die Schnellkraft von Bedeutung ist?

 

Dietmar:

Das Hanteltraining um im Powerlifting und Bodybuilding erfolgreich zu sein, ähnelt sich in gewisser Weise. Nicht umsonst sind die Sportarten miteinander verwandt. Obwohl in beiden Sportarten andere Ziele angestrebt werden, sollten Sportler beider Lager bestimmte Phasen verfolgen, die sie ihrem Ziel näher bringen:

Der Bodybuilder könnte (wenn er es nicht schon macht) regelmäßige Max-Kraftphasen integrieren und nicht nur auf die Optik achten, sondern auch auf die Funktionalität. Ich bin einfach der Meinung, dass, wenn man verstärkt nur Isos und keine Grundübungen mehr macht, das Gesamtpaket nicht mehr so stimmig ist. Bodybuilding ist ein sehr dehnbarer Begriff. Wenn man jedoch das Ziel hat, ein massiver Bodybuilder zu werden, dann dürfen Grundübungen nicht fehlen.

Der Powerlifter kann abgeleitet vom Bodybuilding, seine Leistung steigern indem er penibel einen Ernährungsplan einhält und auch in der Offseason höhervolumig trainiert, um sich ein breiteres Fundament zu Beginn seines Trainingsplanes zu schaffen.

Da durch Powerliftingtraining die eigene Leistung an das Limit gebracht wird, nimmt man funktionelle Kraft, Maximalkraft und Schnellkraft als Trainingseffekt mit. Man hat sich mit dieser antrainierten Kraft ein Potenzial erschaffen, womit man in jeder externen Sportart auf einem ganz anderen Level einsteigt. Wenn einem jetzt noch bewusst wird, dass es nicht nur Schwergewichtler, sondern auch leichte Athleten mit enormer Kraft gibt, ergibt sich ein breites Spektrum, wo man diese Kraft nun einsetzen kann. Ein Kugelstoßer ist sicherlich auch ein guter Bankdrücker usw. Überall, wo athletische Fähigkeiten verlangt werden, kann man punkten.

Durch beide Trainingsweisen lernt man seinen Körper auch besser kennen und kann im Falle einer Verletzung besser in diesen ‚hineinhören‘ und ihn durch gezieltes Training wieder auf Trab bringen. Wenn man den Leistungscharakter mal hinten anstellt, kann man sich durch Hanteltraining (Bodybuilding oder Powerlifting) also auf externe Sportarten vorbereiten, Verletzungen entgegenwirken, rehabilitieren, im Alter wieder fit werden, abnehmen, zunehmen, Stress abbauen usw. Man ist schon fast Herr über sich selbst.

Wenn das nicht Grund genug ist, sich im Fitnessstudio anzumelden, dann weiß ich auch nicht. Die Theorie muss man beherrschen und seinen Geist durch erlernte Techniken auf neue Höchstleistungen vorbereiten. „Du bist, was du isst“, ist das Eine, aber eins darf man dabei nie vergessen: „Du bist, was du TUST“.

 

Christian:

Ein schönes Schlusswort. Denn reden kann jeder, aber schlussendlich wird sich erst in der Tat entscheiden, von welchem Schlag ein Mensch wirklich ist. Und darüber hinaus sind es einzig und allein unsere Taten, an denen wir wachsen. Aber wie wir auch gelernt haben und was wir nicht vergessen dürfen: Die Taten sind nur die äußerste Konsequenz einer komplexen Entwicklung. Diese nimmt ihren Anfang in dem, was wir glauben, und geht dann über das, was wir denken und sagen, schlussendlich zu dem, was wir machen.

Viel zu viele Menschen verharren jedoch bei einer der vorherigen Stufen. Sie sind nicht konsequent genug. Wie oft geht es uns selbst so? Oft handeln wir nicht entsprechend oder sogar gar nicht, obwohl wir es eigentlich besser wissen. Wie oft denken wir über unsere Entwicklung nach und eigentlich wissen wir doch alles, was notwendig ist, um wirklich groß und stark zu werden, aber dennoch machen wir es nicht oder nur ungenügend. Immer wieder sind wir viel zu inkonsequent.

Oftmals sind wir schizophren und leben mehrere Leben gleichzeitig. Einerseits achten wir auf die Ernährung und geben alles im Training und andererseits lassen wir es dann auch regelmäßig wieder schleifen und essen falsch oder zu wenig oder gehen sogar immer wieder aufs Neue ganze Nächte durchfeiern und betäuben uns mit allerlei Nerventoxinen usw. Und schlussendlich sehen wir selbst nach Jahren angeblich harter Arbeit immer noch den gleichen Körper im Spiegel und die gleichen Gewichte auf der Hantel.

Wir stehen uns selbst im Weg. Unsere größten Feinde sind wir selbst. Und das wird solange so bleiben, bis wir endlich konsequent werden und auch wirklich das durchziehen, was WIR glauben, denken und wollen und nicht einfach nur stupide dem folgen, was wir glauben, dass die Gesellschaft oder andere Menschen es von uns erwarten.

Dietmar, Du bist diesen Weg gegangen und hast uns Einblick in Dein Denken gewährt. Dafür möchte ich Dir recht herzlich danken. Deine aktive Zeit im Powerlifting ist nun vorbei. Aber natürlich trainierst Du noch ernsthaft und überdurchschnittlich schwer am Eisen weiter und stehst auch für Personal Trainings und Athletenbetreuungen zur Verfügung. Schwerpunktmäßig bist Du nun jedoch schon seit ein paar Jahren im Versicherungsgeschäft tätig und hast dort Deine Erfolgsserie nahtlos fortgeführt.

Ein Beleg dafür, dass man auch langfristig auf hohem Niveau und mit schier übermenschlichen Lasten trainieren und dennoch schlussendlich gesund aus der Sache heraus gehen sowie gesellschaftlich anerkannt leben kann. Du hast das Spiel der hohen Risiken gut gemeistert und kannst stolz auf Deine bisherige Karriere sein. Für Deinen weiteren Weg wünsche ich Dir alles nur erdenklich Gute.

 

Dietmar:

Vielen Dank für das Interesse an meiner Person. Ich würde mich freuen, wenn ich mit meinen Ausführungen Interessierte animiert habe, ins Powerlifting reinzuschnuppern. Ist einmal das Feuer entfacht, wird Euch der Sport vieles zurückgeben.

„Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.“

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