Keine Angst, alleine zu sein – MIE#12

Keine Angst, alleine zu sein MIE#12 | AMOR FATI

von: Sascha

von: Sascha

Artikel Nummer zwölf aus der Artikelreihe “Mindset is everything: Wie Du einen starken und stabilen Geist für ein erfülltes, glückliches und erfolgreiches Leben entwickelst”.

In dem Artikel erkläre ich, wie Du die Angst vor dem Alleinsein überwinden kannst. Warum Sie häufig auftaucht und warum alleine sein für ein freies, stabiles und authentisches Leben notwendig ist.

“All man’s miseries derive from not being able to sit quietly in a room alone.” – Blaise Pascal

 

AUSNAHMSWEISE: JE KÜRZER, DESTO BESSER!

Mit dem Alleinsein ist für viele Menschen so wie mit der Arbeitswoche: je kürzer, desto besser. Nicht zu viel, nicht zu lange, am gernsten gar nicht. Richtig oder richtig?

Die Zeit muss “rumgekriegt” oder “gefüllt” werden und Lobpreisungen gehen daher an Instagram, CandyCrush und die immer verfügbare und instantane Erreichbarkeit unserer Freunde – WhatsApp sei Dank. Auch Ablenkungen durch alltägliche Geschäftigkeit wie Staubsaugen, Wäsche machen, Einkaufen und Aufräumen sind so willkommen wie ein Achter im Lotto mit Super-Zusatzzahl. Jackpot.

Dabei wird alleine sein oft negativ konnotiert. Als etwas Schlechtes und Gesundheitsschädliches betrachtet, dass es zu vermeiden gilt, so wie kreative Rechtschreibfehler in diesem Text. Dabei wird allerdings vergessen, dass alleine Zeit zu verbringen ohne selbst inszenierte Ablenkungsmanöver eine unabdingbare Notwendigkeit ist, wenn Du ein glückliches, erfülltes und freies Leben anstrebst. Warum? Nur Geduld.
 

ANZEICHEN, DASS DU NUR SCHWER ALLEINE SEIN KANNST

  • Du findest Zeit alleine zu verbringen langweilig.
  • Du brauchst zwingend Hintergrundgeräusche wie Musik oder TV, wenn Du z.B. Arbeiten im Haus wie Putzen oder Aufräumen erledigst.
  • Wenn es still um Dich wird, fühlst Du Dich unwohl, z.B. wenn Du alleine im Haus oder der Wohnung bist.
  • Du setzt Alleinsein mit dem Gefühl der Einsamkeit gleich.
  • Du würdest nie auf die Idee kommen, alleine ins Kino, in den Urlaub oder in ein Konzert zu gehen.
  • Du füllst Deine Zeit häufig mit Deinem Handy. Wenn Du wartest (im Wartezimmer, im Bus, an der Kasse), checkst Du Social Media oder schreibst Nachrichten.
  • Meditation fühlt sich befremdlich/komisch an und Du glaubst, Du kannst nicht meditieren.
  • Du würdest nie auf die Idee kommen, Deine Gedanken in einem Journal aufzuschreiben.
  • Du bist froh darüber, wenn Deine Wochenenden und Dein Kalender gut gefüllt sind.
  • Du lenkst Dich lieber mit Arbeit ab und versuchst ständig “busy” zu sein.

 

ISOLATIONSHAFT & INNERLICHE STURZFLUTEN

Corona hat uns gerade erst anschaulich und mit vielen persönlichen Beispielen brutal ehrlich serviert, wie sozial wir Menschen als Herdentier sind und wie schlecht wir zurückgezogen mit uns alleine leben können. Da gilt dann der “begrenzte” Kontakt zu den eigenen zwei Kindern, dem Ehemann, den fünf direkten Arbeitskollegen im Büro und den eigenen Schwiegereltern schnell mal als Isolationshaft. Dabei sollte hier doch stattdessen ein Gefühl der tiefen Liebe und Verbundenheit aufkommen. Freude und Dankbarkeit, dass Du noch diese wunderbaren Menschen bei Dir hast, obwohl es im sonstigen Leben Einschränkungen gibt.

Dass das so ist, wundert mich ehrlich gesagt nicht. Denn sobald der Partyabend mit Freunden oder das Fußballtraining für längere Zeit ausfallen, sind wir gezwungen, uns mehr auf uns selbst zu fokussieren und mit Abstand am wichtigsten: mehr in uns selbst hineinzuhören, hineinzufühlen und uns selbst zu hinterfragen. Dabei kann es sein, dass Du Dich selbst so erfährst, als würdest Du auf eine heiße Herdplatte packen.

Durch diese gewissermaßen “erzwungene” Selbstreflexion” bzw. “Selbstkonfrontation” kommen womöglich Stimmen und Gefühle in Dir hoch, welche Du nie wieder hören und fühlen wolltest. Jetzt sind sie wie aus dem Nichts wieder da, so wie ein Sommer-Tsunami, mit dem niemand gerechnet hat, welcher nun droht, durch eimerweise Regen das eigene Fundament zu unterspülen und wegzureißen. Was Du jetzt fühlst, sind Angst, Hilflosigkeit und Machtlosigkeit. Vermutlich bist Du auch erzürnt über Dich selbst und verurteilst Dich dafür, dass solche Gefühle und Gedanken überhaupt in Dir aufkommen. Zudem wirst Du Dir gewahr, welcher illusorischen Sicherheit und Story Du Dich hingegeben hast, die Dich hat glauben lassen, alles wäre picobello in Ordnung. Aber all das bietet eine riesige Chance.
 

ENT-WICKLUNG & AUTHENTISCHES LEBEN:
ES GIBT KEIN RICHTIGES LEBEN IM FALSCHEN

Die Angst vor dem alleine sein, ist eine Angst vor dem, was dann innerlich hochkommt, wenn Du ruhig wirst, so erlebe ich es oft in meinen Coachings und Mentorings. Eine Angst vor der inneren Stimme, komischen Gefühlen und Konfrontation mit Problemen, gepaart mit einer gehörigen Portion Sinnlosigkeit und Langeweile. Um diese Stimmen und Gefühle nicht noch mal hören bzw, fühlen zu müssen, lässt sich unser Unbewusstes allerlei Bewältigungs- und Vermeidungsstrategien einfallen, schließlich will das Nummer eins Ziel erreicht werden: Stabilität. Und dafür werden im Zweifel ganze Leben in Form von Lebenslügen geopfert. Existenziell-philosophischer und psychologischer Grund: Ein unauthentisches Leben kommt dem Tode gleich. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

Aus Sicht der existenziellen Therapie und Psychologie ist ein unblockiertes und authentisches Leben die höchste aller Tugenden und das Idealziel. Lebst Du Dich authentisch aus, so wie Du wirklich bist, ohne faule Kompromisse, ohne ja zu sagen, obwohl Du nein meinst, dann lebst Du glücklich und erfüllt. Hier solltest Du hinterher sein, wie das E hinter MC2, Papa-Schlumpf hinter Schlumpfine und die Wüste hinter dem Sand. Wenn Du somit das alleine sein nutzt und nicht vor der aufkommenden Angst und Gefühlen flüchtest oder sie verdrängst (und sie damit noch größer machst), sondern ihr entdeckerhaft und mit offenen Armen begegnest, dann kannst Du viel kraftvolle Dinge über Dich lernen und Dein Leben auf das nächsten Level katapultieren, so als hättest Du bei Super Mario einen Stern eingesammelt, der unendlich andauert.

Du lernst, wo Du noch Ego, innerliche Blockaden und Ängste überwinden darfst. Du entscheidest Dich dafür, Dich von diesen zu befreien und aus ihnen heraus zu ent-wickeln, eine neue Leichtigkeit in Dein Leben zu bringen, anstatt Dich noch weiter in ihre Kontrolle und Ver-wicklungen hinabziehen zu lassen. Du erkennst, wo Du ein Leben lebst, welches Dir nicht entspricht und fühlst, dass es richtig ist, eine Entscheidung zur Veränderung zu treffen. Eine Entscheidung zugunsten der eigenen Freiheit und damit nimmst Du die anfängliche Angst und nutzt sie als Benzin für Dein eigenes Feuer. Aus diesem steigst Du dann wie ein Phönix aus der Asche auf. Neugeboren, wiedergeboren. Das Alte, Marode hinter Dir und losgelassen. Mit unfassbarer Lebens-Leichtigkeit, -Klarheit und -Energie, so als ob Kinder spielen.
 

WO DIE ANGST IST, IST DER WEG

Um das zu erreichen, ist es aber notwendig, nicht vor der Angst aufgescheucht zu werden und direkt wegzulaufen. Nicht sofort dichtzumachen, sondern überhaupt mal einen Gedanken in die Richtung zulassen zu können. Wo Deine Angst ist, ist auch der Weg. Meditation wirkt hier Wunder. Denn durch die Meditation bereitest Du Dich in kleinen Schritten durch die Meditationseinheiten darauf vor, mit Dir, Deinen negativen Gedanken und Gefühlen alleine zu sein. Unabgelenkt diese auszuhalten. Alternativ tut es auch ein langer Spaziergang, ein Urlaub oder eine Reise. Kannst Du diese Dinge auch alleine genießen?

Jetzt stell Dir mal vor, Du würdest es gar nicht abwarten können, täglich zu meditieren, weil es keine negativen Gedanken und Gefühle mehr gäbe. Wie wäre das? Wie würde sich das auf Dein gesamtes Leben auswirken?

Natürlich ist das möglich. Jedoch ist es dafür nötig, anzufangen und durch die Angst zu gehen und zu wachsen. So wie der Phönix.
 

ALLEINE SEIN IST NEGATIV GEPRÄGT

Extreme Isolation ist nicht menschengerecht. Nicht umsonst wird es als Foltermethode erfolgreich eingesetzt. Körperliche Nähe und eine soziale Zugehörigkeit sind elementar wichtig. Säuglinge beispielsweise sterben, wenn man ihnen körperliche Nähe entzieht. Außerdem hilft das Stillen Mutter und Baby dabei, eine vertraute körperliche Beziehung aufzubauen. Elementar wichtig für beide.

Evolutionär sind wir ebenfalls auf das Leben in der Herde geprägt, weil es eine bessere Überlebenschance bedeutet hat. Auf sich alleine gestellt zu sein hingegen bedeutete den sicheren Tod. Das soziale Wesen ist in uns verankert. Wir brauchen wunderbare und tiefgründige Menschen, einen echten Freund und stabile Beziehungen.

Wir lernen in der Kindheit, dass alleine sein etwas Negatives ist. Hingegen ist viele Freunde haben und ständig mit Menschen umgeben zu sein, etwas Positives. Wenn wir als Kinder Scheiße bauen, dann werden wir mit Stubenarrest bestraft. So als wäre die Zeit, die wir mit uns selbst verbringen, negativ, weil der ganze Spaß ausschließlich da draußen und mit anderen ablaufen würde. Wie eine Party, die wir verpassen, von der sich noch alle jahrelang erzählen.
 

ALLEINE SEIN VS. EINSAM SEIN VS. EINKEHR

Dabei bedeutet alleine sein auf keinen Fall das gleiche wie einsam sein. Hier kommt es oft zu Missverständnissen. Einsam sein bedeutet, platt gesagt, dass Du weder Freunde noch andere Menschen hast, denen es wichtig ist, wie es Dir geht und niemand für Dich da ist. Alleine sein hingegen, dass Du einfach nur physisch alleine bist, so wie ich z.B., wenn ich gerade auf meiner Tastatur in meinem Hotelzimmer mit Blick auf den arabischen Golf diesen Text klimpere.

Selbsterkenntnis, Selbstentwicklung, Freiheit, Flow, Stabilität, Klarheit und alles, was zu einem leichten, geilen Leben gehört, wird aber zu einem großen Teil in der Selbstreflexion und Selbstanalyse gewonnen. Mit anderen Worten: Wenn Du ein freies, erfülltes und glückliches Leben willst, so wie es Dir entspricht, dann sind die Selbsterkenntnis und alleine sein notwendige Schritte. Auch in den Weltreligionen ist immer einer in die Wüste gerannt, hat da alleine für längere Zeit rumgehockt, wurde erleuchtet und hat dann die frohe Kunde verbreiten lassen. Frag mal Nietzsches Zarathustra, der hat sogar in den Bergen in Einkehr gewohnt und das ganz ohne Hausnummer und Post.

Der wesentliche Unterschied ist nur, dass diese Einsamkeit freiwillig angetreten wurde, um sich mit sich, mit seinen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. In der philosophischen deutschen Sprache trifft hier das Wort Einkehr besser zu. Rückzug oder Retreat im Neudeutschen tuts auch. Durch diesen bewussten Schritt in die Einkehr haftet diesem aber plötzlich nichts Negatives mehr an. Sondern sie ist ein mächtiges Werkzeug für Selbsterkenntnis, Weisheit und Erfüllung. Ich würde Authentizität an dieser Stelle noch mal redundant hinzufügen, damit Du es nicht vergisst. Wiederholung ist die Mutter der Selbsterkenntnis-Kiste.

Apropos Authentizität. Mike, mein auf ewig mir mit verbundener Tätowierer, sagte bei meinem letzten alljährlichen Besuch zu mir: “Sascha, ich sehe so viele Leute in meinem Leben, aber Du bist echt.”. Vermutlich braucht die Menschheit authentische, echte Originale mehr, als jemals zuvor. Es scheint so, als leidet sie unter den vielen Möglichkeiten. Die Wegwerfgesellschaft ist längst auch in Beziehungen und Freundschaften angekommen. Loyalität und Authentizität sind Fremdwörter anstatt Tugenden. Mehr ist nicht die Lösung.
 

MEINE 60 TAGE SELBSTEXPERIMENT

Ich habe im letzten Jahr ein 60-tägiges Selbstexperiment gemacht. “Isolation in der Isolation” habe ich es genannt. Maximale Selbstkonfrontation / Einkehr und die Fragen:

  • Was passiert wohl mit mir, wenn ich mich komplette zwei Monate alleine nur in der Wohnung aufhalte (und nur zum kurzen Einkauf um die Ecke rausgehe)?
  • Keinen Menschen treffe oder spreche (außer der Kassiererin im Supermarkt)?
  • Tauchen dann Emotionen, Ängste, Gedanken auf oder bin ich stabil?
  • Kann mein Lifestyle und eine intensive Umsetzung der AMOR FATI Säulen hierbei stabilisieren und mir helfen?

Über das Ergebnis meines Selbstexperiments und wie ich darin meinen Alltag strukturiert habe, habe ich einen detaillierten Artikel geschrieben: “Wie viel kannst Du in Dich investieren?

An diesem Beispiel stelle ich in dem Artikel zudem Maßnahmen und Prinzipien vor, wie Du dauerhaft Gewohnheiten ändern und etablieren kannst. Zudem zeige ich auf, welche Fragen und Hausaufgaben notwendig sind, um durch den AMOR FATI Lifestyle mehr Orientierung, Klarheit und Stabilität zu bekommen. Sollte Dich das interessieren, dann lies einfach mal hier rein: “Wie viel kannst Du in Dich investieren?

Wir lesen uns nächste Woche wieder.
Bis dahin verbringe ich die wunderbare Zeit mal alleine.

COACHING & FEEDBACK

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Blouse Pascal

Geschrieben von: Sascha

Hallo, ich bin Sascha von AMOR FATI. Ich lebe seit 12/2019 ohne Wohnsitz. Ich habe einfach losgelassen und das System verlassen, um mich auf eine freie und abenteuerliche Reise zu begeben. Eine Reise ins wirkliche Leben und durch die Welt. Eine Reise mit der Aufgabe: Werde, wer du bist! und der Frage: Was schafft ein erfülltes Leben? Mein Ziel ist es, AMOR FATI durch meine eigenen Inhalte und Impulse zu fördern und zu verbreiten. Ich möchte eine starke Gemeinschaft aufbauen, die auf den Werten und der Struktur von AMOR FATI basiert, und dadurch eine außergewöhnliche Gemeinschaft mit großartigen Menschen aufbauen.

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