Barcelona statt Bangkok und Coaching 2019

Veröffentlicht: 26/12/2018

Geschrieben von: Dr. Z

Geschrieben von: Dr. Z

Veröffentlicht: 26/12/2018

>> Ich habe vor einigen Tagen Dr. Christian Zippel gefragt wie er Weihnachten verbringt und ob er ein paar Worte/Weihnachtsgrüße für alle Leserinneren und Leser von AMOR FATI hat. Außerdem wollte ich wissen, wie er das Jahr ausklingen lässt und ob es auch in 2019 Coachings bei Ihm geben wird. Gestern Nacht 00:35 Uhr erhielt ich folgende Antwort von Ihm, welche ich nun mit euch teilen möchte. 

 

Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten.
Beste Grüße, euer Sascha <<

Bizarr wie wir da sitzen und uns einen drehen, die gleichen Bewegungen ausführen. Am Vormittag. In der Sonne. Auf einer Bank. Am Hafen von Barcelona. Die Straße dahinter demoliert. Doch ein Weihnachtsbasar schließt bereits die noch frischen Wunden. Möwen kreischen. Jazzmusik flimmert durch die Luft.

 

ER …

ein übernächtigter Hobbyrevolutionär. Hat gestern für die Unabhängigkeit Kataloniens gekämpft. Noch nicht verstanden, dass wirksame Politik nicht auf der Straße gemacht wird … und vielleicht will er auch einfach nur kämpfen. So manchem liegt das im Gemüt. Und lieber wollen sie gegen das Nichts kämpfen, als nicht zu kämpfen. Erinnert mich an meine Schulzeit. Er dreht sich einen Joint.

ICH …

dreh geräuchertes Lachsfilet in zwei Scheiben Emmentaler, die ich so übereinander gelegt habe, dass die Löcher halbwegs verschlossen sind. Da sitzen wir beide. Zwei Kämpfer. Gänzlich verschieden. Er in Kapuzenpullover, mit nach hinten gebundenem Iro und Springerstiefeln. Ich mit Kragen, Sakko und Oxfords. Die Beine übereinander geschlagen. Wir schauen uns an …  und grinsen. Er bietet mir seinen Joint an. Ich lehne ab und geb ihm etwas Lachs. Erzähl ihm, dass Marihuana impotent macht. Er sagt, dass sei eine Verschwörung der Regierung. Ich antworte, die Regierung sei nur Illusion – eine kollektive Konstruktion, die in weiten Teilen durch Blockchain-Lösungen ersetzt werden kann. Wir machen philosophische Faxen.

 

DA KLINGELT DAS TELEFON

Ein Leser aus Deutschland. Er sitzt in einem tiefen Loch. Massiv depressiv. Wir philosophieren ein wenig. Er bittet um Hilfe. Doch aus der Ferne bleibt so etwas lapidar bis wirkungslos. Da ich in den letzten Wochen öfter absagen musste, will ich die Möglichkeit nutzen, um den Interessenten überflüssige Anfragen zu ersparen.

 

COACHING IN DEUTSCHLAND

… ist kaum möglich und nur selten sinnvoll. Bin nicht da. Das deutsche Mindset ist fokussiert und problemorientiert. Deswegen ist Deutschland eine Nation der Denker und Ingenieure. Das führt aber auch zu Nörgeln, Stress, Starre und Angst. Jedes Yin schafft sein Yang. Probleme, Krankheiten und Blockaden, die hier entstehen, sollten möglichst woanders gelöst werden – in einem Land mit konträrem, geschmeidigerem Mindest.

 

COACHING IN ASIEN

Die letzten sechs Winter habe ich in Asien gecoacht, doch seitdem es sogar jene nach Bangkok zieht, bei denen der Horizont sonst am Dorfschild endet, habe ich beschlossen, erstmalig nicht dorthin zu reisen. Auch die Bürokratie dort begehrt auf. Will Normen, Sicherheit, Sauberkeit. Ein zweites Shanghai basteln. Ich verzichte. Behalte meine einstige Lieblingsstadt lieber chaotisch, asiatisch wild in Erinnerung, statt dem unaufhaltsam banalisierenden Prozess der Zivilisierung zuzusehen. Entsprechend fallen diesen Winter auch alle Coachings in Asien flach. Asien selbst birgt weiterhin wundervolle Ecken – natürlich und kulturell. Warum ich diesen Winter dennoch nicht hinfliege?

 

MUTTER NATUR

Es gilt, an die Umwelt zu denken. Deshalb reise ich künftig lokal (per Pedes, mit Zügen oder Schiffen). Flüge werden auf das Minimum beschränkt. Klar habe ich Ziele, rund um den Erdball verstreut. Doch wer sagt, dass ich fliegen muss?

 

WELTENBUMMLER

Als Langzeit-Reisender gilt ein gänzlich anderes Mindset: Man denkt nicht in Monaten, sondern in Jahren. Leichtes Gepäck, kleine Schritte, tief durchatmen, abseits der hektischen Reisepfade, regionale Fertigkeiten lernen z.B. Russisch in St. Petersburg oder Krav Maga in Tel Aviv.

 

HAUPTSÄCHLICH …

werde ich von Land zu Nachbarland reisen. Gemächlich. Möglichst lange bleiben. Ein interessantes Land nicht bereisen, sondern darin leben, Alltag spüren, Kultur atmen, Probleme und Lösungen verstehen, Perspektiven einnehmen, Projekte unterstützen, Freundschaften knüpfen, Spiele spielen. Und da gibt’s in der europäischen Nachbarschaft doch bereits mehr als genug zu erforschen – gänzlich visumsfrei und fast überall mit derselben Währung. Bravo Europa!

 

DIE IBERISCHE HALBINSEL

Also überwintere ich hier, genauer: in Spanien, Gibraltar, Portugal. Schön sonnig, ausreichend warm und kaum Touris. Wenn überhaupt, erreicht man mich hier – bis ca April. Dann geht es in nördlichere Gefilde. Im Sommer Nordeuropa. Im Herbst den Osten runter. Zum Winter geht’s dann entweder per Schiff über den großen Teich oder landeinwärts gen fernen Osten. Aber bis dahin ist ja noch Zeit. Panta rhei & amor fati übernehmen die Planung.

 KÜNFTIGES COACHING

… sieht also anders aus. Ich werd dafür kaum noch durch die Weltgeschichte fliegen. Stadt, Idylle, Natur, Einsamkeit, Extreme – all das lässt sich in fast jedem Land finden. Selbst Fitnessstudios gibt’s bis hinab in die dritte Welt.

Das Wichtigste ist der individuelle Reifungs- und Heilungsprozess. Dazu bedarf es förderlicher Umstände. Es ist wichtig, ganz bewusst die Einsamkeit der Berge oder den Trubel der Stadt zu nutzen. Aber wenn ich in den letzten Jahren des Reisens eines gelernt habe: Wo diese erwählt werden, ist sekundär. Es muss nicht immer das Ende der Welt sein. Bereits nebenan ergeben sich konstruktive Möglichkeiten – solange das vorherrschende Mindset der einheimischen Kultur passt.

 

ABER RHABARBER

… das ist nun mal nicht immer der Fall. Zudem lebt jedes gesunde natürliche System von chaotischen Intermittenzen und Phasensprüngen, die durch nicht-lineare (komplexe, kaum kalkulierbare) Wechselwirkungen entstehen. Wer zu regelkonform (bürokratisch blockiert) lebt, verpasst in seinem Leben genau diese Quantensprünge der eigenen Entwicklung … und verhärtet. Erst innerlich, dann äußerlich – ein heimisches Problem.

 

DA ICH DAS CHAOS LIEBE …

bleibe ich für solche Einflüsse offen – solange es keine Eintagsfliegen, sondern wesentliche Projekte sind. Wenn also jemand tatsächlich den Reset-Knopf drücken und ein lebensveränderndes Coaching in der Antarktis, auf dem Kilimandscharo, im Amazonas-Regenwald oder in einem Kloster in Kambodscha will, ist er bei mir weiterhin an der richtigen Adresse.

Ich bleib dann einfach vor Ort und fahre mit meinem gemächlichen Lebensstil fort – bis mich das nächste disruptive Ereignis in eine andere Klimazone reißt. Eine gesunde Mischung aus Chaos und Cosmos.

 

ZURÜCK NACH BARCELONA

Ein paar Skateboarder haben sich zu uns gesellt. Cypress Hill aus dem Ghetto Blaster mischt sich mit dem Jazz aus dem Hintergrund und ich stell mich nach vielen Jahren mal wieder auf’s Deck. Die Sonne knallt und ich beim Ollie vom Block auf den Asphalt. Natürlich sind die Schuhe schuld. Wir lachen.

 

SZENENWECHSEL

Mit dem Hemd wieder am Leib und frischem Schorf am Bein sitze ich auf einem der höchsten Türme der Stadt und lasse die Ereignisse des Tages ausklingen. Wie genau vor einem Jahr am Pool im 40. Stock in Bangkok. Fühle mich wohl. Mutterseelenallein. Schaue auf das nächtliche Barcelona, während der Mond sich im nahen Meer spiegelt, schreibe diese Zeilen und wünsche Euch …

 

Frohe Weihnachten

Die materiellen Aspekte des Festes gehen mir am Gluteus vorbei und doch genieße ich die be-sinnliche Zeit. Nutze sie alljährlich auf meine Weise zu vertiefter Meditation und Reflektion. Nun um so mehr, da ich heute einen doppelten Herzinfarkt miterlebt und in glänzend ängstliche Augen geblickt habe. Die Ambulancia kam spät und ob er überlebt hat, weiß ich nicht. Keine 50 Jahre alt. Immer brav gearbeitet – nur nicht für sich.

Wie alt bist Du? Und lebst Du schon Deinen Traum oder träumst Du noch vom Leben?

 

KLASSIKER

Ich weiß, die nun folgenden Empfehlungen sind philosophische Evergreens und doch sind sie es wert immer und immer wieder wiederholt zu werden. Ganz einfach, weil das gute und schöne Leben vom Prinzip her simpel ist.

 

WIR …

leben in der modernsten und aufgeklärtesten aller Zeiten, mit den größten aller Möglichkeiten und doch bestimmen die Wenigsten frei über ihre Zeit und Energie. Schlicht und einfach, weil die falschen Prioritäten gesetzt, zu wenig Bücher gelesen und Probleme nicht radikal, sondern nur oberflächlich symptomatisch behandelt werden.

Darum meine philosophisch-pragmatische Weihnachts-Botschaft:

GENIESS JEDEN EINZELNEN TAG … heißt es immer … aber nicht jeden Tag scheint die Sonne. Also LASS DICH AUCH MAL HÄNGEN, bade in Melancholie, schließ Dich ein, versteck Dich das Wochenende über im Bett oder auf dem Sofa. Heile aus, regeneriere und lass Parasympathikus sowie Immunsystem regieren. Ein Mensch ist keine Maschine, sondern ein komplexes Prozessnetzwerk, das zwischen Leistung und Regeneration oszilliert. Je tiefer die Regeneration, desto höher die Leistung. Und wenn es seelisch rebelliert, wein Dich ruhig mal aus. Trauer ist auch eine Form der Regeneration. Manchmal die einzig wirksame. Genieße auch diese Tage und VERTRAU AUF DEINE SELBSTHEILUNGSKRÄFTE.

Wo wir gerade dabei sind, Blockaden zu durchbrechen und Energie in Fluss zu bringen: EIN LEIDENSCHAFTLICHER ORGASMUS WIRKT WUNDER. Also: ENTFALTE DEINE SEXUALITÄT.

MACH WAS AUS DEINEM POTENZIAL – SOLANGE ES NOCH GEHT. Du stirbst bereits. Mit jedem einzelnen Tag, jeder Stunde und Sekunde verrinnt Deine Zeit wie in einer Sanduhr.

FOLGE DEINEM INNEREN KOMPASS. Was Dich be-geistert, ist das, was Dich bereichert, falls Du es intensivierst. Mit ausreichend Grips und Leidenschaft wirst Du davon leben können.

Und falls Dir jetzt eine Ausrede einfällt: SEI KOMPROMISSLOSER. SETZ PRIORITÄTEN, KREIERE EINE VISION UND MACH DEINE HAUSAUFGABEN.

SETZ NICHT IMMER NUR AUF SICHERHEIT, RISIKO IST PRAKTISCHER UND FREIHEIT FINDEST DU NUR IN DER GESCHMEIDIGKEIT.

MACH WAS KRASSES. Was kannst Du schon verlieren? Dein Leben? Aus meiner Sicht: kein hoher Einsatz. Ist eh bald vorbei. Und wo fängt das “richtige Leben“ überhaupt an?

Genau da, wo Du aufhörst, Dir Sorgen um Deine kümmerliche Existenz zu machen – schrieb bereits Seneca.

 

WEITERES, KURZ UND KNACKIG:

WENN DIR DEIN LEBEN NICHT GEFÄLLT, DANN KANNST DU ES ÄNDERN.

DEIN FOKUS BESTIMMT DEIN ER-LEBEN: POSITIV oder NEGATIV – DEINE ENTSCHEIDUNG.

AKZEPTIERE NIE EINE KURZFRISTIGE LÖSUNG FÜR EIN LANGFRISTIGES PROBLEM.

LÖSE PROBLEME AN DER WURZEL – RADIKAL.

ENTWICKLE INNERE STABILITÄT. VERTRAU ÄUßEREM CHAOS.

HAB KEINE ANGST, VERTRAU DEINER KRAFT UND LIEBE DEIN SCHICKSAL.

AMOR FATI!

„Wenn das Pferd tot ist, steig ab.“ Indianerweisheit
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Geschrieben von: Dr. Z

„Amor Fati bedeutet: Liebe das Schicksal … und das Schicksal wird Dich lieben. Tanze durchs Leben und das Leben wird mit Dir tanzen. Vertraue der Natur und die Natur wird Dir vertrauen. Investiere in Deine Entwicklung und die Entwicklung wird in Dich investieren. So ist das Leben: Es gibt, was Du gibst. Gib also Wachstum, Liebe und Glück – und Du wirst ernten, was Du säst.“

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